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Hanau: Schützen im Dialog im Polizeipräsidium Nordhessen

Schulungskonzept stößt auf große Resonanz: Sensibilisierung gegen Extremismus in Schützenvereinen.

Veranstaltung "Schützen im Dialog" im Polizeipräsidium Nordhessen: Polizeivizepräsident Klaus Wittich und Tanja Frank, Präsidentin des Hessischen Schützenverbandes.
Foto: Presseportal.de

Kassel (ost)

Nordhessen: Die mehr als 1.000 hessischen Schützenvereine leisten einen wertvollen Beitrag für die Stärkung unserer Gesellschaft: Sie bringen viele Sportlerinnen und Sportler jeden Alters zusammen, pflegen wertvolle Traditionen und sind auch über das Feld des Sports hinaus ein vitaler Bestandteil ihrer Gemeinden.

Mit dem Schulungskonzept „Schützen im Dialog“ sollen Schützenverbände bei der Früherkennung von extremistischen Waffenträgern sensibilisiert werden. Damit wird eine wesentliche Empfehlung des Untersuchungsausschusses zum Terroranschlag in Hanau umgesetzt. Denn dass sich in den Reihen der Schützensportler mitunter auch Personen befinden können, deren Einstellung im Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung steht, zeigte sich in der Vergangenheit an erschütternden Taten wie dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke, dem rassistischen Anschlag von Hanau oder der Schussabgabe auf einen Asylbewerber in Wächtersbach im Jahr 2019. Es sind Fälle, in denen der jeweilige Täter aus einem mutmaßlich extremistischen Motiv heraus handelte und Mitglied in einem Schützenverein war. Extremistische Haltungen wie auch psychische Probleme, die mit einem Waffenbesitz keinesfalls einhergehen sollten, sind dabei nicht immer wahrnehmbar, weswegen es umso wichtiger ist, genau hinzuschauen.

Unter Federführung des Hessischen Informations- und Kompetenzzentrums gegen Extremismus (HKE) und in Kooperation mit dem Hessischen Schützenverband hat das Hessische Innenministerium daher die Veranstaltungsreihe „Schützen im Dialog“ ins Leben gerufen. Diese Kampagne verfolgt das Ziel, die Vereins- und Vertrauenskultur als eine weitere Ressource für die hessische Sicherheitsarchitektur zu nutzen und die bereits im Jahr 2020 begonnene vertrauensvolle Kooperation mit den Repräsentanten des hessischen Schützensports nochmals zu forcieren.

Indem sich die polizeilichen Ansprechpersonen für politisch motivierte Kriminalität auf regionaler Ebene mit den Bezirksschützenmeisterinnen und -meistern weiter vernetzen, sollen zielgruppengerechte Angebote verstärkt in die Schützenvereine hineingetragen werden.

25 nordhessische Mitglieder von Schützenvereinen folgten Einladung

Die Auftaktveranstaltung dieser Kampagne fand am 25. Juni 2024 im Polizeipräsidium Südosthessen in Offenbach am Main statt und wurde durch Hessens Innenminister Roman Poseck eröffnet. Am gestrigen Donnerstagabend fand in Kassel nun eine weitere Schulungsveranstaltung dieser Reihe statt, zu der das Polizeipräsidien Nordhessen eingeladen hatte. Nordhessens Polizeivizepräsident Klaus Wittich konnte am gestrigen Abend insgesamt 25 aktive Mitglieder von Schützenvereinen aus der Region, wie Bezirksschützenmeister oder Vereinsvorstände, die Präsidentin des Hessischen Schützenverbandes Tanja Frank sowie verschiedene Vertreterinnen und Vertreter hessischer Sicherheitsbehörden und aus der polizeilichen Präventionsarbeit im Polizeipräsidium in Kassel begrüßen.

Klaus Wittich hob bei der Begrüßung der Teilnehmenden hervor, wie wichtig Sportvereine und das Engagement der ehrenamtlichen Mitglieder für unser Gemeinwohl und Zusammenleben sind: „Die Mitglieder in Schützenvereinen investieren häufig viel Zeit und Herzblut in ihren Sport. Dabei vermitteln sie wichtige gesellschaftliche Werte und halten auf lokaler Ebene oft ganze Gemeinschaften zusammen. Umso wichtiger ist es, dass wir diese Gemeinschaften stärken und sie dabei unterstützen, einzelne Personen zu erkennen, die den Sport oder das Vereinsleben für ihren persönlichen Hass oder ihre extremistische Einstellung missbrauchen wollen. Diese Menschen richten großen Schaden an, in unserer Gesellschaft, aber auch, weil sie durch ihr individuelles Handeln eine ganze Gemeinschaft in Verruf bringen. Ich freue mich daher sehr, dass heute Abend so viele engagierte Menschen aus der Zivilgesellschaft unserer Einladung gefolgt sind und sich gemeinsam mit uns gegen Extremismus stark machen.“

Die etwa zweistündige Veranstaltung diente nicht zuletzt dem Kennenlernen und der Vernetzung der Teilnehmenden, wobei Erwartungen und gemeinsame Ziele formuliert wurden. Den Fachleuten der polizeilichen Präventionsarbeit gelang es, konkrete Handlungsempfehlungen aufzuzeigen, die dabei helfen können, extremistisch eingestellte Personen in Vereinen zu erkennen beziehungsweise extremistischen Verhaltensweisen oder Aussagen kompetent entgegenzutreten. Auch Hilfsangebote und mögliche weitere Kooperationen in Sachen Sensibilisierung gegen Extremismus wurden erörtert. Die Veranstaltung traf insgesamt auf großen Zuspruch und endete mit einem lebhaften Austausch, bei dem die nächsten gemeinsamen Schritte vereinbart wurden.

Quelle: Presseportal

Statistiken zu Mord, Totschlag und Tötungsdelikten in Hessen für 2021/2022

Die Mordraten in Hessen zwischen 2021 und 2022 sind rückläufig. Im Jahr 2021 wurden 255 Fälle registriert, während es im Jahr 2022 nur noch 243 waren. Die Anzahl der gelösten Fälle sank ebenfalls von 245 auf 224. Die Anzahl der Verdächtigen verringerte sich von 323 auf 308. Unter den Verdächtigen waren 275 Männer und 48 Frauen im Jahr 2021, während es im Jahr 2022 283 Männer und nur 25 Frauen waren. Die Anzahl der nicht-deutschen Verdächtigen stieg von 137 auf 147. Im Vergleich dazu hatte Bayern im Jahr 2022 die höchste Anzahl von Mordfällen in Deutschland mit 403 Fällen.

2021 2022
Anzahl erfasste Fälle 255 243
Anzahl der aufgeklärten Fälle 245 224
Anzahl der Verdächtigen 323 308
Anzahl der männlichen Verdächtigen 275 283
Anzahl der weiblichen Verdächtigen 48 25
Anzahl der nichtdeutschen Verdächtigen 137 147

Quelle: Bundeskriminalamt

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