Hessische Polizei ermittelt gegen 69 Beschuldigte, durchsucht 71 Wohnungen und stellt 524 Speichermedien sicher
Landkreis Darmstadt-Dieburg: Polizeiaktion gegen Missbrauch

Wiesbaden (ost)
Gemeinsame Verlautbarung der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main -ZIT- und des Hessischen Landeskriminalamtes
Die hessische Polizei hat erneut Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen ergriffen: Fahnder haben in der Zeit vom 22. bis 26. Juli bei gezielten Aktionen in ganz Hessen 71 Wohnungen, Häuser und andere Räumlichkeiten durchsucht. Die Koordination des Einsatzes im Auftrag der hessischen Staatsanwaltschaften erfolgte durch das Hessische Landeskriminalamt (HLKA).
Es handelte sich bei der koordinierten Aktion um einen Einsatz der FOKUS. Das Ziel dieser Organisationseinheit der hessischen Polizei ist es, Kinder und Jugendliche vor sexueller Gewalt zu schützen, anhaltenden Missbrauch zu unterbinden, Sexualdelikte gegen Kinder und Jugendliche aufzuklären und die Täter zu überführen.
Die polizeilichen Maßnahmen richteten sich gegen 69 verdächtige Männer im Alter von 14 bis 65 Jahren. Gegen acht der Verdächtigen wird wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern oder Jugendlichen ermittelt, gegen 60 Verdächtige besteht der Verdacht des Erwerbs, Besitzes oder der Verbreitung von Kinder- oder Jugendpornografie. Bei einem Verdächtigen wurde aufgrund eines mutmaßlichen Vergewaltigungsvorwurfs durchsucht.
Insgesamt wurden bei den Durchsuchungen 524 Datenträger sichergestellt – darunter 117 Smartphones, 57 Computer und Laptops sowie 78 USB-Sticks. Diese Datenträger werden nun analysiert, um die jeweiligen Vorwürfe zu bestätigen oder zu widerlegen. Außerdem wurde eine Kindersexpuppe sichergestellt. Bei einem Verdächtigen wurde ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz festgestellt. Gegen einen anderen Verdächtigen wurde ein Haftbefehl erlassen.
Die Einsätze fanden in den Städten Darmstadt, Frankfurt am Main, Gießen, Hanau, Kassel sowie Wiesbaden statt, zudem in den Landkreisen Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Hersfeld-Rotenburg, Hochtaunus, Kassel, Lahn-Dill, Main-Kinzig, Marburg-Biedenkopf, Rheingau-Taunus, Schwalm-Eder, Odenwald, Offenbach, Vogelsberg, Waldeck-Frankenberg und Wetterau. Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen standen die Verdächtigen nicht im Austausch miteinander.
Seit mehreren Jahren steigen die Fallzahlen im Bereich der sexualisierten Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. In der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) wurden in Hessen im Jahr 2023 insgesamt 3.936 Fälle im Zusammenhang mit Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung von Kinderpornografie registriert. Das ist ein Anstieg um 562 Fälle im Vergleich zum Vorjahr. Bei Jugendpornografie gab es ebenfalls einen Anstieg um 297 Fälle auf insgesamt 825 Fälle. Zudem wurden im vergangenen Jahr 1.015 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern (24 Fälle weniger als 2022) und 93 Fälle von sexuellem Missbrauch von Jugendlichen (13 Fälle mehr als 2022) erfasst.
Der Anstieg der Fallzahlen im Bereich der Verbreitung pornografischer Inhalte ist wesentlich auf die gesetzlichen Meldepflichten US-amerikanischer Internetanbieter zurückzuführen, die strafbares Nutzerverhalten innerhalb ihrer Dienste über die US-amerikanische Nichtregierungsorganisation „National Center for Missing and Exploited Children“ (NCMEC) unmittelbar und automatisiert an die nationalen Behörden zur Einleitung von Strafverfahren weiterleiten.
In Hessen wurde eine Clearingstelle im HLKA eingerichtet, die eng mit der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main zusammenarbeitet. Über 20 Mitarbeiter kontrollieren die eingehenden Meldungen – beispielsweise ob Hinweise darauf vorliegen, dass ein Kind akut gefährdet ist und sofortiges Handeln erforderlich ist. Die Ermittlungsteams nutzen alle verfügbaren Mittel, um Tatverdächtige zu identifizieren.
Die hessische Polizei setzt bei der Bekämpfung von Sexualstraftaten gegen Kinder und Jugendliche nicht nur auf repressive Maßnahmen, sondern auch auf Prävention: Unter anderem wurde eine landesweite Beratungshotline (Telefonnummer 0800 – 55 222 00) zur Aufklärung über die Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie eingerichtet.
Hintergrund FOKUS
Der Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Kinderpornografie ist ein Schwerpunkt der hessischen Polizei. Die Einheit „FOKUS“ (Fallübergreifende Organisationsstruktur gegen Kinderpornografie Und Sexuellen Missbrauch von Kindern), die im Oktober 2020 aufgrund steigender Fallzahlen zunächst als Besondere Aufbauorganisation (BAO) eingerichtet wurde, ist seit Februar 2024 fester Bestandteil der Regelorganisation der sieben hessischen Polizeipräsidien und des Hessischen Landeskriminalamts. Mit dem Ziel, polizeiliche Maßnahmen gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie in Hessen zu koordinieren und zu verstärken, verfolgt die hessische Polizei mit etwa 275 Mitarbeitern, darunter rund 150 Ermittler, gezielt Sexualstraftaten an Kindern und Jugendlichen. Bei allen hessischen Staatsanwaltschaften gibt es spezielle Abteilungen.
Quelle: Presseportal
Statistiken zur Drogenkriminalität in Hessen für 2021/2022
Die Drogenraten in Hessen zwischen 2021 und 2022 zeigen einen leichten Rückgang. Im Jahr 2021 wurden 25216 Fälle erfasst, während es im Jahr 2022 24363 Fälle waren. Die Anzahl der gelösten Fälle ging ebenfalls von 23331 auf 22378 zurück. Die Anzahl der Verdächtigen sank von 19820 auf 19168, wobei die Anzahl der männlichen Verdächtigen von 17704 auf 17079 und die Anzahl der weiblichen Verdächtigen von 2116 auf 2089 fiel. Die Anzahl der nicht-deutschen Verdächtigen stieg jedoch von 6321 auf 6494. Im Vergleich dazu verzeichnete die Region Nordrhein-Westfalen im Jahr 2022 die höchste Anzahl an Drogenfällen in Deutschland mit 70510 Fällen.
| 2021 | 2022 | |
|---|---|---|
| Anzahl erfasste Fälle | 25.216 | 24.363 |
| Anzahl der aufgeklärten Fälle | 23.331 | 22.378 |
| Anzahl der Verdächtigen | 19.820 | 19.168 |
| Anzahl der männlichen Verdächtigen | 17.704 | 17.079 |
| Anzahl der weiblichen Verdächtigen | 2.116 | 2.089 |
| Anzahl der nichtdeutschen Verdächtigen | 6.321 | 6.494 |
Quelle: Bundeskriminalamt
Cybercrime-Statistiken in Hessen für 2021/2022
Die Cyberkriminalitätsraten in Hessen stiegen zwischen 2021 und 2022 leicht an. Im Jahr 2021 wurden 8896 Fälle registriert, wovon 4173 gelöst wurden. Es gab insgesamt 2766 Verdächtige, darunter 1945 Männer, 821 Frauen und 948 Nicht-Deutsche. Im Jahr 2022 stieg die Anzahl der registrierten Fälle auf 9798, jedoch wurden nur 3961 davon gelöst. Die Anzahl der Verdächtigen sank auf 2653, wobei 1806 männlich, 847 weiblich und 851 nicht-deutsch waren. Im Vergleich dazu verzeichnete Nordrhein-Westfalen im Jahr 2022 die höchste Anzahl von Cyberkriminalitätsfällen in Deutschland mit 29667 registrierten Fällen.
| 2021 | 2022 | |
|---|---|---|
| Anzahl erfasste Fälle | 8.896 | 9.798 |
| Anzahl der aufgeklärten Fälle | 4.173 | 3.961 |
| Anzahl der Verdächtigen | 2.766 | 2.653 |
| Anzahl der männlichen Verdächtigen | 1.945 | 1.806 |
| Anzahl der weiblichen Verdächtigen | 821 | 847 |
| Anzahl der nichtdeutschen Verdächtigen | 948 | 851 |
Quelle: Bundeskriminalamt








