Hessische Strafverfolgungsbehörden durchsuchen 68 Wohnungen und sichern über 400 Datenträger im Kampf gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie.
Main-Kinzig-Kreis: 65 Beschuldigte in Hessen ermittelt

Wiesbaden (ost)
Gemeinsame Ankündigung der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main -ZIT- und des Hessischen Landeskriminalamtes
Die hessischen Strafverfolgungsbehörden werden ihre Bemühungen zur Bekämpfung von Kindes- und Jugendmissbrauch sowie kinder- und jugendpornografischen Inhalten auch im Jahr 2026 konsequent fortsetzen: Bei der ersten gezielten Maßnahme in diesem Jahr haben Polizeibeamte in der vergangenen Woche 68 Wohnungen und Häuser durchsucht und dabei mehr als 400 Datenträger sichergestellt. Die Aktionen richteten sich gegen 65 Verdächtige und fanden zwischen Montag und Freitag, dem 12. bis 16. Januar, im Auftrag der hessischen Staatsanwaltschaften statt. Die Koordination des Einsatzes lag beim Hessischen Landeskriminalamt (HLKA).
Die Verdächtigen – alles Männer – sind zwischen 14 und 72 Jahren alt. Sie werden hauptsächlich der Herstellung, des Besitzes und der Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie beschuldigt. In 15 Fällen besteht der Verdacht auf sexuellen Missbrauch von Minderjährigen unter 18 Jahren. Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen stehen die Verdächtigen nicht in Verbindung zueinander.
Nach den Durchsuchungen mussten 10 Verdächtige von den Ermittlern zur nächsten Polizeidienststelle gebracht werden, um befragt zu werden. Ein Haftbefehl wurde vollstreckt. Zahlreiche Beweismittel wurden bei den Verdächtigen sichergestellt, darunter 405 Speichermedien aller Art. Die Datenträger werden nun ausgewertet, kriminalistisch bewertet und auf weitere Ermittlungsansätze geprüft.
Die Durchsuchungen fanden in den Städten Darmstadt, Frankfurt am Main, Gießen, Hanau, Kassel und Wiesbaden statt, sowie in den Landkreisen Darmstadt-Dieburg, Fulda, Gießen, Groß-Gerau, Hersfeld-Rotenburg, Hochtaunus, Kassel, Lahn-Dill, Limburg-Weilburg, Main-Kinzig, Main-Taunus, Marburg-Biedenkopf, Offenbach, Odenwald, Rheingau-Taunus, Schwalm-Eder, Vogelsberg, Waldeck-Frankenberg und Wetterau. Außerdem wurden Durchsuchungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen durchgeführt.
Zur Bekämpfung, Verfolgung und Aufklärung von Sexualstraftaten gegen Minderjährige wurde vor über fünf Jahren bei der hessischen Polizei die Einheit „FOKUS“ (Fallübergreifende Organisationsstruktur gegen Kinderpornografie Und Sexuellen Missbrauch von Kindern) ins Leben gerufen. Über 300 Mitarbeiter gehören inzwischen dieser Ermittlungseinheit an. Die Hinweise, die sie bearbeiten, erreichen sie auf verschiedenen Wegen:
Amerikanische oder in Amerika tätige Internetdienstanbieter sind verpflichtet, mögliche strafbare Inhalte an NCMEC zu melden. NCMEC leitet die Daten an die jeweiligen Länder weiter, in Deutschland an das Bundeskriminalamt, von wo aus sie an die Polizeibehörden der Bundesländer weitergeleitet werden. Die Anzahl der über NCMEC gemeldeten Hinweise steigt kontinuierlich an, allein im vergangenen Jahr wurden in Hessen 4.290 Fälle gemeldet. Bereits 2022 wurde im HLKA eine Stelle eingerichtet, die alle NCMEC-Meldungen bearbeitet. Die 29 dort tätigen Mitarbeiter überprüfen die eingehenden Meldungen, beispielsweise auf Hinweise, dass ein Kind akut gefährdet ist und sofortiges Handeln erforderlich ist. Die Ermittlungsteams nutzen alle Möglichkeiten, um Tatverdächtige zu identifizieren.
Hintergrund FOKUS
Die Einheit „FOKUS“, die im Oktober 2020 aufgrund steigender Fallzahlen zunächst als Besondere Aufbauorganisation (BAO) ihre Arbeit aufnahm, ist seit Februar 2024 ein fester Bestandteil der Regelorganisation der sieben hessischen Polizeipräsidien und des Hessischen Landeskriminalamts. Mit dem Ziel, die polizeilichen Maßnahmen gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie in Hessen zu bündeln und zu verstärken, verfolgt die hessische Polizei mit über 300 Mitarbeitern, darunter rund 170 Ermittlerinnen und Ermittler, gezielt Sexualstraftaten gegen Kinder und Jugendliche. Bei allen hessischen Staatsanwaltschaften gibt es Spezialdezernate zur Verfolgung von Kinderpornografie und Kindesmissbrauch. Allein im vergangenen Jahr wurden über 1.600 Durchsuchungsbeschlüsse sowie 48 Haftbefehle gegen knapp 1.620 Verdächtige vollstreckt und mehr als 15.400 Datenträger sichergestellt.
Quelle: Presseportal








