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Kippt das politische Gefüge in Israel nach dem beispiellosen Urnengang?

Bereits um 12.00 Uhr Ortszeit verzeichnete die Kommission eine Wahlbeteiligung von rund 31,5 Prozent, was den höchsten Mittagsstand seit den 1970er-Jahren markiert.

Bei Knesset-Wahl zeichnet sich enorm hohe Wahlbeteiligung ab
Bildquelle: Rafael Nir auf Unsplash

Frühere Urnengänge erreichten selten eine solche Dringlichkeit: Nicht mehr seit dem Kriegsjahr 1973 erlebte der jüdische Staat eine derart massive Beteiligung der Bevölkerung in den Mittagsstunden. Der aktuelleUrnengang markiert die erste parlamentarische Richtungsentscheidung seit den verheerenden Terrorangriffen der Hamas vom 7. Oktober 2023 und dem daraus resultierenden Gazakrieg. Vor diesem tiefgreifenden historischen Hintergrund entscheiden nun rund 7,3 Millionen wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger über die Vergabe der 120 Mandate in der Knesset. Schon im Vorfeld deuteten Umfragen auf ein extrem enges Kopf-an-Kopf-Rennen hin, das über die künftige gesellschaftliche und sicherheitspolitische Ausrichtung Israels bestimmen wird.

Außergewöhnliche Mobilisierung im gesamten Staatsgebiet

Die aktuellen Erhebungen der zentralen Wahlkommission belegen die enorme Resonanz an den Wahlurnen mit konkreten Messwerten:

  • Bereits um 12.00 Uhr Ortszeit verzeichnete die Kommission eine Wahlbeteiligung von rund 31,5 Prozent, was den höchsten Mittagsstand seit den 1970er-Jahren markiert.
  • Um 13.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) kletterte die Quote weiter auf 44,9 Prozent und lag damit exakt sechs Prozentpunkte über dem Niveau der vorangegangenen Abstimmung aus dem Jahr 2022.
  • Zusätzlich reisten nach Medienberichten mehr als 70.000 wahlberechtigte Staatsbürger eigens aus dem Ausland an, um ihr Votum persönlich abzugeben.

Vor den Wahllokalen bildeten sich weithin sichtbare Menschenschlangen, unter anderem in der Küstenmetropole Tel Aviv sowie in arabisch geprägten Städten wie Taibe. Die Stimmabgabe läuft regulär bis 22.00 Uhr Ortszeit (21.00 Uhr MEZ), ehe unmittelbare Prognosen auf Basis von Nachwahlbefragungen erste Trends aufzeigen.

Verschärfte Töne zwischen den politischen Lagern

Die spürbare Zuspitzung schlug sich unmittelbar im Auftreten der Spitzenpolitiker nieder. Premierminister Benjamin Netanjahu, der seine Stimme gemeinsam mit seiner Ehefrau Sara in Jerusalem abgab, rief die Wähler auf der Plattform X eindringlich auf, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. Dabei warnte der Regierungschef vor einem vermeintlichen Notstand durch eine überdurchschnittlich hohe Mobilisierung arabischer Israelis, während das eigene rechte Lager zurückhaltender agiere. Ähnliche Töne schlug der rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben-Gvir an, der bereits in der Vergangenheit mit Aufrufen zur Tötung von Palästinensern polarisiert hatte. Arabisch-israelische Wähler unterstützen traditionell kaum rechte oder zionistische Parteien.

Herausforderer Gadi Eisenkot trat unterdessen mit seiner Ehefrau Hanna in Herzlia vor die Wähler und sprach von einer bevorstehenden Wende:

In Israel wehe ein spürbarer Wind der Veränderung, der am Abend eintreten werde, erklärte Eisenkot und betonte, das Land auf Basis von Zusammenhalt statt Spaltung und Angst führen zu wollen.

Analysten weisen jedoch darauf hin, dass selbst im Fall einer Ablösung der amtierenden Führung eine grundlegende Kehrtwende bei den militärischen Operationen im Westjordanland oder im Gazastreifen unwahrscheinlich bleibt.

Verzögerte Auszählung und schwierige Regierungsbildung

Ein rasches Gesamtergebnis ist am Wahlabend nicht zu erwarten. Hunderttausende Stimmen von im Dienst befindlichen Soldaten und Reservisten werden turnusgemäß erst ab dem Folgetag ausgezählt. Dieser Gruppe wird традиtionell eine überdurchschnittliche Neigung zu rechtsgerichteten Parteien nachgesagt. Vorläufige Resultate werden für den kommenden Donnerstag prognostiziert, während die amtlichen Endergebnisse laut gesetzlicher Frist acht Tage nach der Abstimmung vorliegen müssen. Angesichts der prognostizierten Pattsituation rechnen politische Beobachter mit zähen und komplexen Koalitionsverhandlungen.


Quellen: tagesschau, Der Spiegel

Bildquelle: Bildquelle: Rafael Nir auf Unsplash

Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.

TS