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Massaker im Südsudan: 178 Tote – Land rutscht wieder Richtung Bürgerkrieg

Ein brutales Massaker erschüttert den Südsudan: Bewaffnete Angreifer überfallen ein Dorf und töten dutzende Menschen. Die Gewalt könnte das jüngste Land der Welt erneut in einen Bürgerkrieg stürzen.

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Foto: depositphotos

Angriff auf Dorf fordert zahlreiche Todesopfer

Im Südsudan sind bei einem Massaker mindestens 178 Menschen ums Leben gekommen. Die Gewalt ereignete sich im Landkreis Abiemnom in der Region Ruweng, nahe der Grenze zum Sudan. Nach Angaben lokaler Behörden starben viele der Opfer direkt bei dem Angriff, während weitere später im Krankenhaus an ihren Verletzungen erlagen.

Zu den Toten zählen laut Informationsminister James Mijok mindestens 90 Zivilisten, darunter Frauen, Kinder und ältere Menschen. Auch der Landrat sowie der Verwaltungsdirektor des Bezirks wurden getötet. Zudem starben 79 Polizisten und Soldaten.

Die Behörden gehen davon aus, dass die Zahl der Opfer noch steigen könnte, falls weitere Leichen entdeckt werden.

Angriff im Morgengrauen

Nach Angaben der Behörden stürmten bewaffnete Jugendliche aus dem benachbarten Landkreis Mayom im Bundesstaat Unity am frühen Morgen ein Dorf im Gebiet Abiemnom. Der Angriff begann gegen 4.30 Uhr, als viele Bewohner noch schliefen.

Die Angreifer töteten Dorfbewohner und setzten Häuser sowie Märkte in Brand. Regierungstruppen lieferten sich mehrere Stunden Gefechte mit den Angreifern, bevor Verstärkung eintraf und die Kontrolle über das Gebiet zurückerlangt wurde.

Nach Angaben des Verwaltungschefs der Region Ruweng, Stephano Mialek, sollen die Angreifer mit der Rebellenbewegung Sudan People’s Liberation Movement-in-Opposition verbunden sein. Die Gruppe wird von dem früheren Vizepräsidenten Riek Machar geführt.

Spannungen zwischen rivalisierenden Lagern

Der Konflikt im Südsudan ist eng mit dem Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem politischen Rivalen Riek Machar verbunden. Beide waren einst führende Figuren der Unabhängigkeitsbewegung des Landes.

Nach der Unabhängigkeit des Südsudan im Jahr 2011 eskalierten ihre politischen Differenzen. 2013 entließ Kiir seinen Stellvertreter Machar aus der Regierung. Kurz darauf brach ein Bürgerkrieg aus, der entlang ethnischer Linien geführt wurde.

Während Regierungstruppen vor allem Angehörige der Nuer-Ethnie ins Visier nahmen, griffen Rebellenmilizen häufig Mitglieder der Dinka-Volksgruppe an.

Bürgerkrieg kostete Hunderttausende Leben

Der Konflikt entwickelte sich zu einem der brutalsten Kriege der jüngeren Geschichte Afrikas. In fast fünf Jahren Kampfhandlungen starben rund 400.000 Menschen, Millionen wurden vertrieben.

2018 einigten sich Kiir und Machar schließlich auf ein Friedensabkommen. Anfang 2020 bildeten beide Politiker eine gemeinsame Übergangsregierung, in der Machar erneut das Amt des Vizepräsidenten übernahm.

Doch zentrale Punkte des Abkommens, darunter die Integration rivalisierender Streitkräfte in eine gemeinsame Armee, wurden bisher kaum umgesetzt.

Neue Gewalt droht Land zu destabilisieren

Seit 2025 nehmen die Spannungen wieder zu. Kämpfe zwischen Regierungstruppen und oppositionellen Milizen haben in mehreren Regionen erneut Gewalt ausgelöst.

Im Februar griff die sogenannte White Army, eine Miliz mit Verbindungen zur Opposition, eine Militärgarnison im Bundesstaat Upper Nile an. Daraufhin wurde Riek Machar von Sicherheitskräften festgenommen. Seine Bewegung erklärte anschließend, das Friedensabkommen von 2018 nicht mehr einzuhalten.

Die Regierung reagierte mit militärischen Gegenmaßnahmen und Luftangriffen, teilweise unterstützt durch das Militär aus Uganda.

Flüchtlinge und humanitäre Krise

Die Gewalt hat massive Folgen für die Bevölkerung. In den vergangenen Monaten mussten hunderttausende Menschen ihre Häuser verlassen. Allein im Bundesstaat Jonglei wurden innerhalb kurzer Zeit mehr als 280.000 Menschen vertrieben.

Auch Hilfsorganisationen berichten von dramatischen Zuständen. Ärzte der Organisation Ärzte ohne Grenzen behandelten dutzende Verletzte nach dem Angriff und mussten ihre Kapazitäten vorübergehend erweitern, um die vielen Patienten versorgen zu können.

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, warnte bereits, dass das Land erneut vor einem umfassenden Bürgerkrieg stehen könnte.

TS
Quellen: savageminds.substack.com