Eine 57-Jährige verliert fast 200.000 Euro durch Onlinebekanntschaft – nun selbst in Geldwäscheermittlungen verwickelt.
Love Scamming: Opfer wird zur Täterin

Ribnitz-Damgarten (ost)
Von Opfer zu Täterin – so erging es einer 57-jährigen Frau aus der Nähe von Ribnitz-Damgarten. Alles begann harmlos und vielversprechend vor mehr als zwei Jahren mit einem Online-Bekannten. Der Mann, den sie auf einer Dating-Plattform kennengelernt hatte, hatte einen deutschen Namen und behauptete, aus der Region zu stammen. Alles schien plausibel. Persönliche Informationen wurden schnell ausgetauscht und die beiden kommunizierten regelmäßig und mehrmals täglich über einen Messenger-Dienst. Es kam jedoch nie zu einem Treffen. Für die 57-Jährige war es dennoch eine Beziehung, sie war verliebt.
Nur wenige Monate nach dem ersten Kontakt erklärte der Mann, dass er beruflich ins Ausland müsse. Er bat um finanzielle Unterstützung für angebliche Dokumente, um später Diamanten nach Deutschland importieren zu können. Sie schickte ihm immer wieder Geld. Zuerst ihr Erspartes, später nahm sie Kredite auf. Um diese abzuzahlen, belastete sie schließlich auch ihr Haus mit einer Hypothek. Insgesamt verlor sie etwa 90.000 Euro. Irgendwann teilte sie ihrem Online-Bekannten mit, dass sie kein Geld mehr hatte. Für ihn war das kein Problem. Sie sollte sich keine Sorgen machen. Und das tat sie auch nicht, denn der Kontakt blieb bestehen.
Im Frühjahr 2023, zu diesem Zeitpunkt dauerte die Beziehung bereits über ein Jahr an, benötigte der Mann erneut finanzielle Unterstützung. Dieses Mal bat er jedoch nicht um Geld. Stattdessen war die Rede von einem deutschen Mittelsmann, der Geld auf das Konto der 57-Jährigen überweisen wollte. Über den Online-Zahlungsdienst PayPal sollte sie das Geld dann weiterleiten. Das tat sie – und machte sich ab diesem Zeitpunkt selbst strafbar. Sie erhielt immer wieder verschiedene Geldbeträge und sollte diese in kleinen, aufgeteilten Summen an verschiedene E-Mail-Adressen senden. So wird nun gegen die eigentlich Betrogene ermittelt, nach § 261 StGB – dem Straftatbestand der Geldwäsche. Insgesamt soll sie fast 100.000 Euro im Auftrag überwiesen haben.
Love Scamming ist eine moderne Betrugsmasche, bei der die Täter in der Regel Kontakt zu alleinstehenden Personen über soziale Netzwerke aufnehmen und versuchen, eine (oft romantische) Beziehung aufzubauen. Das Ziel der Betrüger ist es, durch das Vortäuschen starker (auch freundschaftlicher) Gefühle das Gegenüber emotional so zu beeinflussen, dass finanzielle Zuwendungen erfolgen. Sobald der Betrug auffliegt oder keine Zahlungen mehr erfolgen, wird der Kontakt oft abgebrochen. Die Täter handeln in den meisten Fällen aus dem Ausland.
In den letzten zwei Jahren gab es im Bereich des Polizeipräsidiums Neubrandenburg mehr als 90 solcher Betrugsfälle, die zur Anzeige gebracht wurden. Der Schaden beläuft sich auf über 700.000 Euro. Betroffen sind oft Frauen und Männer über 50 Jahre. Die Täter agieren auf verschiedenen Online-Plattformen und in sozialen Netzwerken und wechseln später oft auf private Messenger-Dienste.
Die Polizei warnt daher erneut eindringlich davor, unbekannten Personen persönliche Daten preiszugeben. Auch wenn alles scheinbar plausibel klingt, sollten keine Überweisungen getätigt oder Bankdaten an Personen weitergegeben werden, die man noch nie persönlich getroffen hat. Im Internet nutzen Betrüger die Gutgläubigkeit ihrer Mitmenschen aus. Bleiben Sie skeptisch und hinterfragen Sie die Forderung kritisch. Vertrauen Sie sich Familienmitgliedern oder Freunden an und wenden Sie sich im Zweifelsfall an die Polizei.
Außerdem weisen wir darauf hin, dass Aufforderungen, Geldbeträge anzunehmen und später an andere Konten weiterzuleiten, nicht befolgt werden sollten. Nach § 261 StGB kann Geldwäsche mit einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten bis zu zehn Jahren geahndet werden, je nach Schwere. Abhängig von Umfang und Beteiligung sind auch Geldstrafen sowie die Forderung der vollständigen Rückzahlung der überwiesenen Beträge möglich.
Wenn Sie Opfer eines solchen Betrugs geworden sind, empfehlen wir Ihnen, alle Chatverläufe, E-Mails und ähnliches zu sichern und eine Strafanzeige bei der Polizei zu erstatten.
Weitere Informationen zum Thema Geldwäsche und Love Scamming finden Sie unter www.polizei-beratung.de.
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Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel basiert auf aktuellen Blaulichtmeldungen des Presseportals und wurde automatisch erstellt.








