Polizei mit Gegenständen beworfen, zwei Personen im Gewahrsam, Verfahren eingeleitet, Ermittlungen dauern an
Göttingen: Unübersichtliche Lage bei Auseinandersetzung

Göttingen (ost)
Göttingen, Maschmühlenweg
Sonntag, 8. März 2026, gegen 19.20 Uhr
GÖTTINGEN (jk) – Mutmaßlich aufgrund einer vorherigen Beleidigung auf sexueller Basis ist es am Sonntagabend (08.03.26) gegen 19.20 Uhr auf dem Parkplatz eines Wohnkomplexes an Göttinger Maschmühlenweg zu tumultartigen körperlichen Auseinandersetzungen von in der Spitze geschätzt bis zu 30 Personen gekommen.
Vor und in dem Mehrparteienwohnhaus entwickelte sich in der Folge eine unübersichtliche, angespannte Lage. Bewohnende griffen eingesetzte Polizeibeamte an, so dass eine weitere Aufklärung der Geschehnisse erheblich erschwert wurde. Bei den Bemühungen, die Situation zu beruhigen und die Beteiligten zu trennen, wurden Einsatzkräfte im weiteren Verlauf aus dem Gebäude heraus mit verschiedenen Gegenständen beworfen und im Zuge der Sachverhaltsaufnahme auf unterschiedliche Weise von der aufgebrachten Menge attackiert.
Die Beamten mussten vereinzelt Pfefferspray und in letzter Konsequenz auch unmittelbaren Zwang in Form von Zurückstoßen oder Abdrängen einsetzen, um die streitenden Gruppen zu trennen, ein erneutes Aufeinandertreffen zu verhindern oder körperliche Übergriffe zu vereiteln.
Ein Polizist wurde bei dem Einsatz leicht verletzt. Informationen zu möglichen weiteren Verletzten liegen bislang nicht vor.
Unübersichtliche Lage, aggressive Stimmung
Als die ersten Einsatzkräfte am Sonntagabend den Parkplatz am Maschmühlenweg erreichten, sahen sie sich einer aufgebrachten, durcheinanderschreienden Menschenmenge und damit einhergehend insgesamt sehr unübersichtlichen Lage konfrontiert. Die Grundstimmung sei emotional aufgeheizt, verbal aggressiv und gegenüber der Polizei ablehnend gewesen. Festgestellte Sprachbarrieren erschwerten die Sachverhaltsaufnahme vor Ort erheblich. Die genauen Geschehensabläufe stehen deshalb auch am Tag danach noch nicht abschließend fest.
Die polizeilichen Ermittlungen konzentrieren sich jetzt gezielt auf die Rekonstruktion der genauen Tatabläufe, der Identifizierung weiterer Tatverdächtiger und damit einhergehend den jeweiligen Tatbeteiligungen sowie der Suche nach Zeugen. Wichtige und voranbringende Ermittlungsansätze erhofft man sich durch die Auswertung der Videoaufzeichnungen der polizeilichen Bodycams.
Polizei nimmt Mann und eine Frau in Gewahrsam
Im Zusammenhang mit den Übergriffen auf Einsatzkräfte nahm die Polizei einen 23 alten Mann vorübergehend in Gewahrsam. Der Tatverdächtige zu der erwähnten Beleidigung auf sexueller Basis, die den anschließenden Konflikt nach derzeitigem Stand ausgelöst hat, wurde bereits vorher ermittelt.
Beim Verbringen des 23-Jährigen in den Streifenwagen soll außerdem eine 26 Jahre alte Frau die Polizeibeamten mit einem Maurerkübel und anschließend mit einem Staubsaugerrohr angegriffen haben. Die Beamten mussten Pfefferspray und unmittelbaren Zwang einsetzen, um den Angriff zu beenden. Dabei wurde ein 27 Jahre alter Polizist leicht verletzt. Die 26-jährige klagte anschließend über gesundheitliche Probleme und musste in einem angeforderten Rettungswagen ambulant versorgt werden. Anschließend wurde auch sie zunächst in Gewahrsam genommen.
Der Ingewahrsamnahmen lösten unter den Hausbewohnenden einen Solidarisierungseffekt und in der Folge zahlreiche Bewürfe mit verschiedenen Gegenständen aus dem Gebäude heraus auf die vor Ort eingesetzten Polizeibeamten aus. Nach derzeitigem Stand wurden hierdurch weder Einsatzkräfte noch unbeteiligte Dritte verletzt.
Erhöhte Präsenz führt zu Lageberuhigung
Mithilfe erhöhter polizeilicher Präsenz sowie verstärkter Bestreifung des betroffenen Wohnkomplexes konnte die Situation vor Ort schlussendlich beruhigt werden. Weitere Zwischenfälle oder Auseinandersetzungen blieben aus.
„Gewalttätige Eskalationen wie diese werden wir nicht tolerieren und unter Ausschöpfung der rechtlichen Möglichkeiten konsequent gegen ermittelte Täterinnen und Täter vorgehen. Das Signal muss sein: Tathandlungen und generell Verhaltensweisen dieser Art dürfen für die Aggressoren nicht folgenlos bleiben und müssen strafrechtlich verfolgt werden“, so der Leiter der Polizeiinspektion Göttingen Marco Hansmann am Montag (09.03.26).
„Unabhängig davon steht die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl der großen Mehrheit der friedlichen Bewohnenden des Maschmühlenwegs im Mittelpunkt unserer aktuellen Betrachtung. Beides wollen wir bestmöglich gewährleisten. Aus diesem Grund haben wir bereits in der Nacht gezielte Einsatzmaßnahmen veranlasst, die in den Folgetagen fortgesetzt werden. Insbesondere wurde die Polizeipräsenz rund um den betreffenden Wohnkomplex erhöht und es finden mit Unterstützung der Zentralen Polizeidirektion präventive Kontrollen in diesem Bereich statt“, sagt Hansmann.
Mehrere Ermittlungsverfahren eingeleitet
Die Polizei leitete Verfahren wegen Beleidigung auf sexueller Basis und Körperverletzung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Tätlichen Angriffs, schweren Landfriedensbruchs und versuchter Gefangenenbefreiung ein. Die umfangreichen Ermittlungen stehen noch am Anfang und dauern an.
Polizei bittet Zeugen, sich zu melden
Der Polizeieinsatz am Maschmühlenweg erzeugte eine sehr große Außenwirkung. Mehrere Anwohnende und auch Passanten filmten das Geschehen mit dem Handy.
Die Polizei bittet Zeugen, die über entsprechendes Video- oder auch Bildmaterial verfügen, sich unter Telefon 0551/491-2115 zu melden. Auch sonstige sachdienliche Hinweise zu den Vorfällen am Sonntagabend werden unter dieser Rufnummer entgegengenommen.
Quelle: Presseportal








