Großkontrolle der Polizeidirektion Hannover deckt erhebliche Mängel bei der Fahrtüchtigkeit auf. Die Polizei stoppte insgesamt 166 Trunkenheitsfahrten und zahlreiche weitere Straftaten und Ordnungswidrigkeiten.
Hamburg: 166 Trunkenheitsfahrten gestoppt

Hannover (ost)
Die Polizeidirektion (PD) Hannover führte vom 31.07. bis zum 02.08.2026 eine umfangreiche Schwerpunktkontrolle zur Überprüfung der Fahrtüchtigkeit im gesamten Zuständigkeitsbereich der Behörde durch. Mit Einsatzkräften aus elf Bundesländern, der Schweiz, Österreich und verschiedenen Partnerbehörden wurden etwa 1.150 Fahrzeuge sowohl stationär als auch mobil kontrolliert. Insgesamt wurden 166 Trunkenheitsfahrten sowie zahlreiche weitere Straftaten und Ordnungswidrigkeiten festgestellt und geahndet.
Das Ziel der zweitägigen Kontrollmaßnahme war es, alkoholisierte Verkehrsteilnehmer konsequent aus dem Verkehr zu ziehen und die Sicherheit auf den Straßen nachhaltig zu erhöhen.
Am ersten Kontrolltag (Freitag, 31.07.) lag der Fokus zwischen 13:00 Uhr und 18:00 Uhr auf einer großen stationären Kontrollstelle auf dem Schützenplatz Hannover, über den der gesamte Verkehr umgeleitet wurde. Durch das gezielte Eingreifen der Spezialisierten Verfügungseinheit konnten Verkehrsbehinderungen weitgehend vermieden werden. Gleichzeitig fanden im gesamten Zuständigkeitsbereich der PD Hannover, einschließlich Hannover, Langenhagen, Lehrte, Garbsen, Burgdorf und den umliegenden Autobahnen, mobile Kontrollen statt. In den ersten fünf Stunden wurden bereits 46 Trunkenheitsfahrten registriert, die ausschließlich von Autofahrern begangen wurden.
Am zweiten Kontrolltag (von Samstag, 01.08., bis Sonntag, 02.08.) verlagerten die Einsatzkräfte das Kontrollgeschehen zwischen 20:00 Uhr und 04:00 Uhr morgens vollständig auf mobile Überprüfungen im gesamten Gebiet der Polizeidirektion Hannover und auf den Autobahnen. In dieser Nacht wurden 120 weitere Trunkenheitsfahrten festgestellt. Es zeigte sich eine Verschiebung der Verkehrsmittel: Während 42 Verstöße auf Autofahrer entfielen, wurden 78 Verstöße bei der Verwendung von E-Scootern festgestellt.
Die Gesamtbilanz der zweitägigen Kontrollmaßnahme verdeutlichte die Notwendigkeit des polizeilichen Eingreifens. 135 Blutentnahmen wurden angeordnet und 30 gerichtsverwertbare Atemalkoholmessungen durchgeführt. In 190 Fällen wurde den Betroffenen die Weiterfahrt untersagt. Darüber hinaus wurden zwei offene Haftbefehle vollstreckt und elf Sicherheitsleistungen von ausländischen Verkehrsteilnehmern in Höhe von insgesamt 9.000 Euro erhoben.
Bei 30 weiteren kontrollierten Personen wurde Alkoholkonsum festgestellt, jedoch lagen die Messwerte sehr niedrig oder knapp unter den gesetzlich relevanten Grenzwerten nach einer Wartezeit. Daher wurden keine Ordnungswidrigkeiten- oder Strafverfahren eingeleitet.
Von den 166 festgestellten Trunkenheitsfahrten entfielen 88 auf Autos und 78 auf E-Scooter. Von diesen waren 77 Fälle auf reinen Alkoholkonsum und 56 Fälle auf den Einfluss von Betäubungsmitteln zurückzuführen. In 33 Fällen lag ein gefährlicher Mischkonsum aus Alkohol und Drogen vor. Diese Verstöße führten zu zahlreichen neuen Verfahren. Insgesamt wurden 84 Ordnungswidrigkeitenverfahren, sieben Verfahren wegen Verstößen gegen das Alkoholverbot für Fahranfänger, 75 Strafverfahren wegen Trunkenheit im Verkehr, ein Verfahren wegen Gefährdung des Straßenverkehrs sowie zwei Verfahren wegen verbotener Kraftfahrzeugrennen eingeleitet. Darüber hinaus wurden 21 Verfahren wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, 22 Verstöße gegen das Pflichtversicherungsgesetz, fünf Urkundenfälschungen, acht Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz, zwei Delikte im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln sowie drei Verstöße gegen das Kraftfahrzeugsteuergesetz eingeleitet.
Die Polizei deckte neben der Fahrtüchtigkeit ein breites Spektrum an Begleitdelikten auf. Es wurden 205 Geschwindigkeitsverstöße registriert, von denen 29 so schwerwiegend waren, dass sie ein Fahrverbot nach sich zogen. Darüber hinaus wurden 31 Handyverstöße, 46 Gurtverstöße, sieben Rotlichtverstöße, sechs Verstöße im Bereich der Tuning- und Poserszene sowie 14 Verstöße gegen das Fahrpersonalrecht geahndet.
Bei einer gemeinsamen Kontrolle von Polizei und Zoll auf der Vahrenwalder Straße wurde ein alkoholisierter Autofahrer mit Exportkennzeichen gestoppt. Sein vorgelegter Führerschein stellte sich als Totalfälschung heraus, und da der Mann keine gültige Fahrerlaubnis besaß, wurde ein entsprechendes Verfahren eingeleitet. Der Zoll entdeckte im Fahrzeug 27.000 Euro Bargeld, das aufgrund verschiedener Vergehen beschlagnahmt wurde, während der Zoll vor Ort auch mehrere Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Schwarzarbeit einleitete.
Es wurden wiederholt Alkoholwerte von weit über 1,1 Promille und gleichzeitiger Konsum mehrerer harter Drogen gemessen. Einige Personen waren kaum in der Lage, auf den Beinen zu bleiben, nahmen jedoch aktiv an Straßenverkehr mit E-Scootern teil. Viele Fahrzeugführer versuchten, den Kontrollen durch Flucht zu entgehen, insbesondere bei den E-Scooter-Fahrern endete dieser Versuch jedoch in den meisten Fällen mit einer Blutentnahme durch den Polizeiarzt.
Mehrere herausragende Ereignisse verdeutlichen die Bandbreite der Feststellungen während des Kontrollwochenendes. Bei der Überprüfung eines 32-jährigen E-Scooter-Fahrers reagierten die Vortests auf nahezu die gesamte Palette testbarer Substanzen, darunter THC, Kokain, Methamphetamin, Amphetamin, Opiate und Alkohol. Der Mann hatte offensichtlich konsumiert, was die Testverfahren erfassen konnten. Der höchste Alkoholwert der gesamten Maßnahme wurde von einem 27-jährigen E-Scooter-Fahrer mit 2,84 Promille erzielt, gefolgt von einem weiteren 24-jährigen E-Scooter-Fahrer mit 2,01 Promille, bei denen die Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit vollständig aufgehoben waren. Eine 66-jährige Autofahrerin bewies, dass Drogen im Straßenverkehr keine Frage des Alters sind, als ihr Vortest positiv auf Kokain und THC reagierte und ihre Weiterfahrt gestoppt und eine Blutentnahme angeordnet wurde.
Ein Autofahrer erwies sich als besonders unbelehrbar, als er am ersten Tag auf dem Schützenplatz unter dem Einfluss von THC gestoppt wurde und nur einen Tag später in der Innenstadt erneut angetroffen wurde – diesmal auf einem E-Scooter, erneut unter THC-Einfluss und mit einer Atemalkoholkonzentration von 1,42 Promille, was ihm binnen 24 Stunden zwei Verfahren einbrachte.
Am Samstag gegen 20:25 Uhr ereignete sich ein folgenschwerer Vorfall, als eine 31-jährige E-Scooter-Fahrerin an der Kreuzung Celler Straße und Herschelstraße unmittelbar vor den Augen einer Streifenwagenbesatzung stürzte, sich eine Kopfplatzwunde zuzog und mit 1,19 Promille im Rettungswagen behandelt werden musste, während dieselbe Besatzung bei der Unfallaufnahme einen weiteren E-Scooter-Fahrer unter THC-Einfluss stoppte. An derselben Kreuzung überquerten vier Männer mit ihren E-Scootern gemeinsam bei Rot die Fahrbahn; alle vier standen unter erheblichem Alkohol- und THC-Einfluss, wiesen Werte zwischen 1,2 und 1,6 Promille auf und konnten kaum noch sicher stehen.
Auf dem Westschnellweg im Bereich Stöcken lieferten sich zwei Autos ein verbotenes Kraftfahrzeugrennen mit Geschwindigkeiten nahe 200 km/h, wobei ein Fahrzeug gestoppt werden konnte und die Ermittlungen zum zweiten Kennzeichen noch andauern. In Langenhagen flüchteten alkoholisierte Personen zu Fuß vor einer Kontrolle, nachdem sie auf einem nicht versicherten S-Pedelec unterwegs waren, woraufhin ein Flüchtiger im Rahmen der Fahndung gestellt werden konnte.
Bereits am ersten Tag ignorierte ein Autofahrer alle Anhaltesignale und flüchtete rasant, wobei es zu mehreren Beinaheunfällen kam; mutmaßliche Täter wurden später ermittelt. In einem anderen Fall erkannte ein Polizeibeamter einen Fahrzeugführer wieder, den er bereits im letzten Jahr wegen einer Drogenfahrt kontrolliert hatte. Auch dieses Mal bestätigte ein Test den Verdacht auf Drogenbeeinflussung. Eine Streifenwagenbesatzung brachte zunächst eine Person zur Blutentnahme in die Polizeidirektion. Auf dem Rückweg zum Streifenwagen entdeckten sie unmittelbar vor der Wache einen weiteren berauschten Verkehrsteilnehmer.
Nach Abschluss der Maßnahmen wurde an nahezu derselben Stelle eine weitere Feststellung gemacht. Der Weg zurück zum Dienstfahrzeug endete zweimal mit der nächsten Blutentnahme.
Länderübergreifende und internationale Zusammenarbeit
Die Polizeidirektion Hannover setzte zahlreiche Einsatzkräfte ein, um das hohe Kontrollaufkommen zu bewältigen. Die Maßnahmen waren durch länderübergreifende und internationale Zusammenarbeit geprägt. Neben Kräften aus allen niedersächsischen Polizeidirektionen beteiligten sich Polizistinnen und Polizisten aus Hamburg, Bremen, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Schleswig-Holstein und dem Saarland. Beamtinnen und Beamten aus der Schweiz und Österreich unterstützten ebenfalls die Kontrollen vor Ort.
Das zukunftsorientierte Bilden von Synergien und Bündeln von Kompetenzen bei der Überwachung der Fahrtüchtigkeit hat seit Jahren Tradition. Erst vor wenigen Wochen fanden vergleichbare Aktionen im Bereich der Polizeidirektion Göttingen und unlängst im Bezirk Lüneburg statt. Neben den polizeilichen Einheiten waren zahlreiche Partnerbehörden eng in den Einsatz eingebunden. Der Zoll, das Bundesamt für Logistik und Mobilität Hannover, das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Hannover, die Führerscheinstellen der Landeshauptstadt und der Region Hannover, das Tiefbauamt sowie die Justiz Hannover arbeiteten Hand in Hand, wobei die Justiz die Maßnahmen unter anderem durch den wirkungsvollen Einsatz von Drogenspürhunden unterstützte.
Die Polizeidirektion Hannover betont im Zusammenhang mit dieser Großkontrolle nachdrücklich, dass die Anzahl der Verkehrsunfälle mit E-Scootern jährlich drastisch ansteigt und es vermehrt zu schweren oder tödlichen Unfällen kommt, bei denen Alkohol und Drogen eine zentrale Rolle spielen. „Die Feststellungen bei den zurückliegenden Großkontrollen zeigen eindringlich, dass E-Scooter von vielen Nutzerinnen und Nutzern fälschlicherweise immer noch nicht als vollwertige Kraftfahrzeuge wahrgenommen werden. Die Beamtinnen und Beamten der Polizeidirektion Hannover werden daher auch künftig mit intensiven Kontrollen, gezielter Prävention und konsequenter Aufklärungsarbeit dafür sorgen, berauschte Fahrerinnen und Fahrer aus dem Verkehr zu ziehen, um die Sicherheit auf den Straßen der Region nachhaltig zu erhöhen“, betont Polizeihauptkommissar Pierre Fourmont, Behördenmultiplikator und Koordinator „Fahrtüchtigkeit“ der PD Hannover. /nash
Quelle: Presseportal
Statistiken zur Drogenkriminalität in Niedersachsen für 2022/2023
Die Drogenraten in Niedersachsen zwischen 2022 und 2023 blieben relativ stabil. Im Jahr 2022 wurden 35.970 Fälle von Drogenkriminalität registriert, wobei 33.839 Fälle gelöst wurden. Die Anzahl der Verdächtigen belief sich auf 30.300, wobei 26.376 männliche Verdächtige und 3.924 weibliche Verdächtige waren. Es gab auch 7.947 nicht-deutsche Verdächtige. Im Jahr 2023 stieg die Anzahl der gemeldeten Fälle leicht auf 36.058, wobei 33.800 Fälle gelöst wurden. Die Anzahl der Verdächtigen sank jedoch auf 29.653, wobei 25.755 männliche Verdächtige und 3.898 weibliche Verdächtige registriert wurden. Die Anzahl der nicht-deutschen Verdächtigen stieg auf 8.584. Im Vergleich dazu hatte Nordrhein-Westfalen im Jahr 2023 die höchste Anzahl von Drogenfällen in Deutschland mit 73.917 Fällen.
| 2022 | 2023 | |
|---|---|---|
| Anzahl erfasste Fälle | 35.970 | 36.058 |
| Anzahl der aufgeklärten Fälle | 33.839 | 33.800 |
| Anzahl der Verdächtigen | 30.300 | 29.653 |
| Anzahl der männlichen Verdächtigen | 26.376 | 25.755 |
| Anzahl der weiblichen Verdächtigen | 3.924 | 3.898 |
| Anzahl der nichtdeutschen Verdächtigen | 7.947 | 8.584 |
Quelle: Bundeskriminalamt








