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Hilferufe am ZOB: Couragierte Zeugen eilen attackiertem Polizisten zu Hilfe

Beamter von mutmaßlichem Fahrraddieb verletzt, Richter erlässt U-Haftbefehle gegen zwei Tatverdächtige

Inspektionsleiter Marco Hansmann
Foto: Presseportal.de

Göttingen (ost)

Göttingen, Groner Straße und Bahnhof/ZOB Sonntag, 27.Juli 2025, gegen 02.00 Uhr

GÖTTINGEN (jk) – Bei dem Versuch, einen zuvor geflüchteten mutmaßlichen Fahrraddieb zu ergreifen und festzunehmen, ist Sonntagnacht (27.07.25) gegen 02.00 Uhr am ZOB in Göttingen ein Polizist nicht unerheblich verletzt worden. Der Beamte hatte den 20-Jährigen zuvor etwa 300 Meter im Dauersprint von der Groner Landstraße verfolgt. Im Bereich des ZOB konnte er ihn einholen, ergreifen und zu Boden bringen. Hiergegen setzte sich der Heranwachsende massiv zur Wehr, schlug dem Polizeikommissar mehrfach gegen den Kopf und fügte ihm eine tiefe Bisswunde am Arm zu.

Hilferufe des attackierten Beamten alarmieren zwei Passanten

Die erhebliche Gegenwehr und fortgesetzten Angriffe brachten den Beamten letztlich selbst in Gefahr. In seiner Not rief er um Hilfe. Zwei 29 und 37 Jahre alte Männer, die sich in der näheren Umgebung aufhielten, hörten die Rufe und eilten dem auf dem Boden liegenden Polizisten zu Hilfe. Sie zogen den Angreifer von dem jungen Beamten und befreiten ihn so aus seiner misslichen Lage. Einer der Helfer bediente sofort den Notruf, woraufhin innerhalb weniger Minuten mehrere Streifenwagen am Ort eintrafen und die Festnahme des Tatverdächtigen vollendeten.

Inspektionsleiter dankt Helfenden

„Wir müssen feststellen, dass unsere Kolleginnen und Kollegen vor allem im Dienst auf der Straße vermehrt gefahrenträchtigen und auch teils nicht vorhersehbaren Situationen ausgesetzt sind. Die Hemmschwelle beim polizeilichen Gegenüber, Polizistinnen und Polizisten nicht nur zu beleidigen, sondern auch körperlich anzugehen, sinkt. Das birgt eine Vielzahl an Gefahren für meine Mitarbeitenden, die täglich zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger im Einsatz sind“, sagt Marco Hansmann, Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, am Dienstag.

„Der besondere und große Dank der gesamten Göttinger Polizei richtet sich deshalb an dieser Stelle an die beiden couragierten Passanten, ohne deren schnelles und beherztes Eingreifen der attackierte Beamte vermutlich noch erheblicher verletzt worden wäre“, so Hansmann.

„Das sofortige Handeln der beiden Männer hat uns alle positiv überrascht, zumal es nicht alltäglich ist, dass Unbeteiligte insbesondere einem Polizisten aus einer bedrohlichen Notlage helfen. Umso mehr freut es uns. Deshalb nochmal Danke, auch im Namen meines verletzten Mitarbeiters“, sagt Hansmann abschließend.

Zur Vorgeschichte

Eine Funkstreife der Polizei Göttingen hatte Sonntagnacht (27.07.25) gegen 01.50 Uhr an der Groner Straße zwei 20 und 27 Jahre alte Männer beobachtet, die ein augenscheinlich verschlossenes, hochwertiges E-Bike in Richtung eines nahegelegenen Wohnkomplexes trugen. Während der nachfolgenden Kontrolle konnte der jüngere der mutmaßlichen Fahrraddiebe entkommen, sein älterer Komplize ließ sich widerstandslos festnehmen.

Dem 20-Jährigen gelang zunächst die Flucht. Im Rahmen der eingeleiteten Fahndung wurde er jedoch von einem Polizisten erkannt und sodann fußläufig bis zum ZOB verfolgt. Bei der geplanten Festnahme wehrte sich der Tatverdächtige massiv, biss den Beamten in den Arm und schlug ihm gegen den Kopf. Zwei Passanten aus Göttingen und dem Landkreis Northeim wurden durch Hilferufe auf die Situation aufmerksam und eilen dem Polizeikommissar bis zum Eintreffen weiterer Streifenwagen zu Hilfe. Der mutmaßliche Fahrraddieb wurde anschließend überwältigt und festgenommen.

Angegriffener Polizeikommissar nicht dienstfähig

Durch den massiven Widerstand des 20-Jährigen erlitt der Polizist eine Schädelprellung, eine tiefere Bisswunde und eine Knieprellung. Ein Rettungswagen brachte ihn zur Begutachtung und Versorgung der Verletzungen in eine Klinik. Der Polizeikommissar ist derzeit nicht dienstfähig.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft: Haftrichter erlässt U-Haftbefehle

Die beiden festgenommenen Tatverdächtigen wurden am Montag (28.07.25) auf Antrag der Staatsanwaltschaft Göttingen dem Haftrichter vorgeführt. Dieser erließ gegen den 20-Jährigen U-Haftbefehl wegen Flucht- und gegen den 27-Jährigen wegen Wiederholungsgefahr.

Das von ihnen transportierte Pedelec im Wert von rund 2.500 Euro war kurz zuvor an der Groner Straße gestohlen worden. Es wurde wieder an seinem Besitzer ausgehändigt.

Die weiteren Ermittlungen wegen Tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte sowie besonders schweren Fall des Fahrraddiebstahls dauern an.

Quelle: Presseportal

Statistiken zu Fahrraddiebstählen in Niedersachsen für 2022/2023

Die Fahrraddiebstahlraten in Niedersachsen zwischen 2022 und 2023 sind leicht angestiegen. Im Jahr 2022 wurden 29.204 Fälle registriert, während es im Jahr 2023 30.208 Fälle waren. Die Anzahl der gelösten Fälle stieg ebenfalls von 3.322 im Jahr 2022 auf 3.613 im Jahr 2023. Die Anzahl der Verdächtigen blieb mit 2.770 im Jahr 2022 und 2.814 im Jahr 2023 relativ konstant. Die Anzahl der männlichen Verdächtigen war höher als die der weiblichen Verdächtigen, wobei die Anzahl der nicht-deutschen Verdächtigen im Jahr 2023 auf 1.116 gestiegen ist. Im Vergleich dazu hatte Nordrhein-Westfalen im Jahr 2023 die meisten registrierten Fahrraddiebstähle in Deutschland mit 62.036 Fällen.

2022 2023
Anzahl erfasste Fälle 29.204 30.208
Anzahl der aufgeklärten Fälle 3.322 3.613
Anzahl der Verdächtigen 2.770 2.814
Anzahl der männlichen Verdächtigen 2.511 2.583
Anzahl der weiblichen Verdächtigen 259 231
Anzahl der nichtdeutschen Verdächtigen 972 1.116

Quelle: Bundeskriminalamt

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