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Nienburg: Untersuchung politisch motivierter Tötungsdelikte in Niedersachsen

Forscher der Universität Göttingen und der Polizeiakademie Niedersachsen untersuchen gemeinsam elf Tötungsdelikte mit rechtem, rassistischem oder sozialdarwinistischem Tatmotiv zwischen 1990 und 2017.

Foto: Depositphotos

Nienburg (ost)

Historiker*innen der Universität Göttingen und Kriminolog*innen der Polizeiakademie Niedersach-sen untersuchen in einem gemeinsamen Forschungsprojekt elf Tötungsdelikte, die sich zwischen 1990 und 2017 in Niedersachsen ereignet haben und bei denen ein rechtes, rassistisches oder sozialdarwinistisches Tatmotiv vermutet wird. Die Fälle werden in zivilgesellschaftlichen Statistiken zu Todesopfern rechter Gewalt geführt, sind bislang jedoch nicht in der Statistik der politisch motivierten Kriminalität (PMK) erfasst. Das Niedersächsische Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung fördert das Projekt 1,5 Jahre lang Das Forschungsprojekt wird gemeinsam vom Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte (SMNG) der Universität Göttingen und dem Institut für Kriminalitäts- und Sicherheitsforschung (IKriS) der Polizeiakademie Niedersachsen durchgeführt. Das Projekt verbindet geschichtswissenschaftliche und kriminologische Perspektiven, die Fälle werden auf der Grundlage wissenschaftlicher Kriterien neu untersucht. Zudem geht das Forschungsteam der Frage nach, warum sie zum jeweiligen Zeit-punkt nicht als politisch motivierte Gewalt eingeordnet wurden und wie sich die Kriterien und Ver-fahren zur Beurteilung politischer Tatmotivation seit den 1990er-Jahren verändert haben. Ausgewertet werden hierfür unter anderem Ermittlungsakten, Gerichtsurteile sowie zeitgenössische Presse- und Rundfunkberichte. “Wir stützen die wissenschaftliche Neubewertung der Fälle auf eine breite Quellenbasis”, sagt Ezra Rudolph vom Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Universität Göttingen, wissenschaftliche Leitung des Projekts. “Uns interessiert, auf welcher Informationsgrundlage die Fälle beurteilt wurden, welche Deutungsmuster dabei eine Rolle spielten und in welchen gesellschaftlichen Zusammenhängen die Bewertungen vorgenommen wurden.” “Ob eine Gewalttat als politisch motiviert erkannt wird, hängt nicht allein von Merkmalen der Tat oder der Täter*innen ab”, sagt Dr. Daniela Klimke, Professorin an der Polizeiakademie Niedersachsen, Leiterin des Instituts für Kriminalitäts- und Sicherheitsforschung (IKriS) und Projektverantwortliche auf Seiten der Polizeiakademie. “Entscheidend ist auch, welche Vorstellungen von politischer Gewalt zu einem bestimmten Zeitpunkt vorherrschen, welche Informationen berücksichtigt werden und wie Polizei und Justiz diese Informationen einordnen.” Die Studie geht auf eine Vereinbarung im Koalitionsvertrag der niedersächsischen Landesregierung zurück und greift langjährige Forderungen aus der Zivilgesellschaft nach einer Überprüfung langjährige Forderungen aus der Zivilgesellschaft nach einer Überprüfung möglicher Fälle rechter, rassistischer und sozialdarwinistischer Gewalt auf. Vergleichbare Studien gibt es bislang unter anderem aus Brandenburg und Thüringen. Wie in diesen Projekten sollen auch in Niedersachsen unterschiedliche Perspektiven beratend in die Forschung einbezogen werden. Ein Beirat mit Vertreter*innen von Betroffenen, Zivilgesellschaft und staatlichen Einrichtungen wird die Arbeit begleiten und Zwischenergebnisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutieren. “Dieser Austausch ist für ein Projekt, das sowohl zurückliegende staatliche Bewertungen als auch Erfahrungen und Einschätzungen aus der Zivilgesellschaft in den Blick nimmt, von besonderer Bedeutung”, sagt Projektkoordinator Jan Renken von der Universität Göttingen. Zum geplanten Abschluss des Projekts im Februar 2028 wird das Forschungsteam dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung einen umfassenden Bericht vorlegen. Dieser wird die Ergebnisse der wissenschaftlichen Überprüfung dokumentieren und Empfehlungen für die Neubewertung der untersuchten Tötungsdelikte enthalten. Kontakt: Jan Renken Georg-August-Universität Göttingen Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte E-Mail: ueberpruefungsstudie@uni-goettingen.de

Quelle: Presseportal

Statistiken zu Mord, Totschlag und Tötungsdelikten in Niedersachsen für 2022/2023

Die Mordraten in Niedersachsen zwischen 2022 und 2023 sind rückläufig. Im Jahr 2022 wurden 278 Fälle registriert, wovon 258 aufgeklärt wurden. Es gab insgesamt 380 Verdächtige, darunter 329 Männer, 51 Frauen und 152 Nicht-Deutsche. Im Jahr 2023 sank die Zahl der Mordfälle auf 236, von denen 225 aufgeklärt wurden. Es gab insgesamt 315 Verdächtige, darunter 269 Männer, 46 Frauen und 127 Nicht-Deutsche. Im Vergleich dazu verzeichnete Nordrhein-Westfalen im Jahr 2023 die höchste Anzahl an Mordfällen in Deutschland mit 470 Fällen.

2022 2023
Anzahl erfasste Fälle 278 236
Anzahl der aufgeklärten Fälle 258 225
Anzahl der Verdächtigen 380 315
Anzahl der männlichen Verdächtigen 329 269
Anzahl der weiblichen Verdächtigen 51 46
Anzahl der nichtdeutschen Verdächtigen 152 127

Quelle: Bundeskriminalamt

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