Mehrere Tatverdächtige festgenommen, zwei Polizeibeamte verletzt
Polizeiaktion am Waageplatz in Göttingen

Göttingen (ost)
Göttingen, Waageplatz, Innenstadtbereich Dienstagnachmittag, 29. September 2026, ab 15.00 Uhr
GÖTTINGEN (ab) – Bei einem erneuten Schwerpunkteinsatz zur Bekämpfung der Drogen- und Gewaltkriminalität im Bereich des Göttinger Waageplatzes hat die Polizei am Dienstagnachmittag (29.09.2026) mehrere mutmaßliche Drogengeschäfte festgestellt, insgesamt fünf Tatverdächtige vorläufig festgenommen und verschiedene Betäubungsmittel sichergestellt. Unter anderem beobachteten Einsatzkräfte den Verkauf von Marihuana an einen erst 13 Jahre alten Jungen. Bei einer weiteren Festnahme wurden zwei Polizeibeamte leicht verletzt.
Gegen 16.00 Uhr beobachteten zivile Einsatzkräfte zunächst eine körperliche Auseinandersetzung zwischen zwei Männern. Bei der anschließenden Kontrolle eines 18-Jährigen fanden die Beamten mehrere verkaufsfertig portionierte Einheiten Marihuana. Gegen den Mann wird wegen des Verdachts des Handels mit Betäubungsmitteln sowie wegen Bedrohung und versuchter gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Nach bisherigen Erkenntnissen soll er einen 23-Jährigen mit dem Tode bedroht und versucht haben, ihn unter anderem mit einer Glasflasche sowie mit der Faust zu schlagen. Durch das Einschreiten der Polizeibeamten konnte eine weitere Eskalation verhindert werden. Zudem missachtete der 18-Jährige einen zuvor für den Bereich des Waageplatzes ausgesprochenen Platzverweis.
Im weiteren Verlauf beobachteten die Einsatzkräfte mehrere mutmaßliche Verkäufe von Marihuana durch einen 31-Jährigen. Nach den bisherigen Erkenntnissen gab dieser auch Marihuana an einen erst 13 Jahre alten Jungen ab. Gemeinsam mit einem 34-Jährigen geriet anschließend auch der Minderjährige in den Verdacht, an weiteren Verkaufshandlungen beteiligt gewesen zu sein. Welche konkrete Rolle der 34-Jährige hierbei einnahm und welche Funktion dem 13-Jährigen zukam, ist Gegenstand der weiteren Ermittlungen.
Gegen 17.45 Uhr griffen die Einsatzkräfte zu. Der 18-Jährige und der 31-Jährige wurden vorläufig festgenommen. Auch der 34-Jährige wurde zunächst festgenommen. Bei den anschließenden Kontrollen und Durchsuchungen stellten die Beamten unter anderem Marihuana, Amphetamin, Mobilfunkgeräte sowie Bargeld sicher. Der 13-Jährige wurde nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen dem zuständigen Jugendamt übergeben.
Im weiteren Einsatzverlauf versuchten ein bereits polizeibekannter 27-Jähriger und seine 28 Jahre alte Begleiterin, sich einer Polizeikontrolle durch Flucht zu entziehen. Beide konnten gestellt werden. Der 27-Jährige leistete bei seiner Festnahme erheblichen körperlichen Widerstand. Dabei wurden zwei Polizeibeamte leicht verletzt, konnten ihren Dienst jedoch fortsetzen. Im Zusammenhang mit den Maßnahmen gegen das Paar stellten die Einsatzkräfte zudem eine größere Menge Amphetamin sicher. Beide wurden vorläufig festgenommen.
Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Göttingen wurden die vorläufigen Festnahmen des 18-Jährigen, des 31-Jährigen sowie des 27-Jährigen und seiner 28 Jahre alten Begleiterin zur Prüfung von Haftgründen bestätigt. Darüber hinaus wurden Durchsuchungen angeordnet. Der 34-Jährige wurde nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen.
Am Mittwoch wurden der 31-Jährige und der 27-Jährige dem Amtsgericht Göttingen vorgeführt. Dort wurde gegen beide Hauptverhandlungshaft angeordnet. Anschließend wurden sie einer Justizvollzugsanstalt zugeführt. Der 18-Jährige und die 28-Jährige wurden hingegen auf Weisung der Staatsanwaltschaft Göttingen aus den polizeilichen Maßnahmen entlassen, da die Voraussetzungen für eine weitere Freiheitsentziehung nicht vorlagen.
Die weiteren Ermittlungen dauern an.
Waageplatz weiterhin im besonderen Fokus der Polizei
Der Waageplatz und die angrenzenden Bereiche der Göttinger Innenstadt stehen aufgrund wiederkehrender Drogenhandelsdelikte und Gewaltstraftaten seit geraumer Zeit im besonderen Fokus der Polizeiinspektion Göttingen. Die Polizei begegnet der Entwicklung dort mit verstärkten Kontrollen und gezielten Ermittlungsmaßnahmen.
Die Zahl der dort festgestellten Cannabis- und Betäubungsmitteldelikte bewegt sich weiterhin auf hohem Niveau. Gleichzeitig haben sich entsprechende Aktivitäten nach Erkenntnissen der Polizei zunehmend auf angrenzende Bereiche ausgeweitet. Seit Beginn des Jahres stellt die Polizei zudem einen deutlichen Anstieg des unerlaubten Kokainhandels im Umfeld des Waageplatzes fest.
Neben der Betäubungsmittelkriminalität registriert die Polizei seit 2024 auch eine zunehmende Gewaltproblematik. Dazu zählen insbesondere Körperverletzungen, Messerdelikte sowie Widerstandshandlungen und tätliche Angriffe gegen Polizeivollzugsbeamte.
Polizeioberrat Dr. Luis-Miguel Herrmann von der Polizeiinspektion Göttingen betont deshalb die Bedeutung der fortgesetzten Schwerpunktmaßnahmen: “Die erneuten Festnahmen sind ein weiterer Beleg für unsere intensive Schwerpunktsetzung im Bereich rund um den Waageplatz. Die Eindämmung des Drogenhandels ist zugleich ein zentraler Baustein bei der Bekämpfung der dortigen Gewaltkriminalität. Nach unserer Bewertung haben zahlreiche gewalttätige Auseinandersetzungen, auch unter Einsatz von Messern, ihren Ursprung in Streitigkeiten im Zusammenhang mit dem Betäubungsmittelhandel.”
Besonders schwer wiege dabei die Beteiligung Minderjähriger. “Dass ein erst 13-Jähriger Betäubungsmittel von einem Erwachsenen erhält und zugleich selbst in den Fokus der Ermittlungen zu weiteren Verkaufshandlungen gerät, verdeutlicht die Problematik in besonderem Maße. Auch die Abgabe von Betäubungsmitteln an Kinder und Jugendliche ist für uns deshalb ein weiterer Grund, konsequent gegen die bestehenden Handelsstrukturen vorzugehen”, so Herrmann.
Seit Beginn des Jahres wurden im Bereich des Waageplatzes und der angrenzenden Innenstadt bei entsprechenden Einsatzlagen bereits 13 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte verletzt.
Mit Blick auf die erneute Verletzung zweier Beamter stellt Herrmann klar: “Angriffe auf Einsatzkräfte sind nicht hinnehmbar und werden von uns konsequent verfolgt. Wir werden deshalb auch künftig mit hohem Kontrolldruck und gezielten Ermittlungsmaßnahmen gegen die Drogen- und Gewaltkriminalität im Göttinger Innenstadtbereich vorgehen.”
Quelle: Presseportal
Statistiken zur Drogenkriminalität in Niedersachsen für 2022/2023
Die Drogenraten in Niedersachsen zwischen 2022 und 2023 zeigen eine relative Stabilität. Im Jahr 2022 wurden insgesamt 35.970 Fälle von Drogenkriminalität registriert, wovon 33.839 Fälle gelöst wurden. Es gab insgesamt 30.300 Verdächtige, wobei 26.376 männlich und 3.924 weiblich waren. 7.947 Verdächtige waren nicht-deutscher Herkunft. Im Jahr 2023 stieg die Anzahl der registrierten Fälle leicht auf 36.058, wobei 33.800 Fälle gelöst wurden. Die Anzahl der Verdächtigen sank jedoch auf 29.653, wobei 25.755 männlich und 3.898 weiblich waren. 8.584 Verdächtige waren nicht-deutscher Herkunft. Im Vergleich dazu hatte Nordrhein-Westfalen im Jahr 2023 die höchste Anzahl an aufgezeichneten Drogenfällen in Deutschland mit 73.917 Fällen.
| 2022 | 2023 | |
|---|---|---|
| Anzahl erfasste Fälle | 35.970 | 36.058 |
| Anzahl der aufgeklärten Fälle | 33.839 | 33.800 |
| Anzahl der Verdächtigen | 30.300 | 29.653 |
| Anzahl der männlichen Verdächtigen | 26.376 | 25.755 |
| Anzahl der weiblichen Verdächtigen | 3.924 | 3.898 |
| Anzahl der nichtdeutschen Verdächtigen | 7.947 | 8.584 |
Quelle: Bundeskriminalamt








