Das Landgericht Magdeburg verurteilte Max R. wegen schwerer Körperverletzung zu drei Jahren und sechs Monaten. Eine Tötungsabsicht sah es nicht.
Berlin: Haftstrafe nach Betonplattenwurf auf Polizisten beim Ostderby

Berlin (ost)
Nach den gewalttätigen Angriffen auf Polizeibeamte beim Zweitliga-Derby zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden zu Anfang des Jahres hat das Landgericht Magdeburg nun einen 29-Jährigen zu einer mehrjährigen Haftstrafe wegen schwerer Körperverletzung verurteilt. Dieser hatte gezielt eine Betonplatte auf einen Polizisten geworfen. Die Anklage lautete auf versuchten Mord. Das Gericht sah jedoch keine Tötungsabsicht.
Seit Ende Juli musste sich der 29-jährige Max R. unter anderem wegen versuchten Mordes eines Polizisten vor dem Landgericht Magdeburg verantworten. Die Anklage sah diesen Straftatbestand erfüllt und forderte sechs Jahre Freiheitsstrafe. Max R. habe den Tod des Polizisten zumindest billigend in Kauf genommen. Das Gericht sah dies anders und verurteilte den Angeklagten lediglich wegen schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten.
“Es kann nicht sein, dass Menschen in Uniform ihren Kopf für die Gewaltfantasien von Straftätern im “Fußball-Fan”-Gewand hinhalten. Und dann wird eine solche widerwärtige Tat derart milde abgeurteilt”, zeigt sich Heiko Teggatz, der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), erschüttert. “Wer eine 15 Kilogramm schwere Betonplatte auf einen Polizisten wirft, nimmt zumindest billigend in Kauf, dass er getötet wird. Wir gehen davon aus, dass die Staatsanwaltschaft hier Rechtsmittel einlegen wird.”
Unmittelbar nach den Ausschreitungen hatte die DPolG zudem für Geisterspiele bis zum Saisonende in Magdeburg plädiert. “Der Schutz von Einsatzkräften und unbeteiligten Dritten darf niemals hinter wirtschaftlichen Interessen oder Fankulissen zurückstehen”, so Heiko Teggatz. Insgesamt wurden bei den gewalttätigen Ausschreitungen über 70 Polizistinnen und Polizisten verletzt.
Max R. hatte die Tatvorwürfe im Prozess eingeräumt, jedoch den Vorwurf des versuchten Mordes zurückgewiesen. Dem verletzten Polizisten zahlte er ein Schmerzensgeld in Höhe von 2.000 Euro.
Bei den Gewaltexzessen rund um das Ostderby soll Max R. eine führende Rolle eingenommen haben. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft soll er “aus blindem Hass” eine rund 15 Kilogramm schwere Betonplatte gezielt aus einer Entfernung von drei bis sechs Metern in die Richtung eines Polizisten geworfen haben. Der Beamte, der zu diesem Zeitpunkt in einer Polizeikette stand, wurde am Helm getroffen. Er erlitt eine Platzwunde am linken Auge und war infolge der Tat zwei Wochen lang dienstunfähig.
Wegen des Gewichts des Steins, der Wucht des Aufpralls und der geringen Entfernung hätte es auch zu tödlichen Verletzungen kommen können. Die Staatsanwaltschaft war davon überzeugt, dass Max R. den Tod des Polizisten zumindest billigend in Kauf genommen habe.
Die DPolG wünscht dem betroffenen Kollegen und allen anderen Kolleginnen und Kollegen aus Magdeburg eine gute Genesung und Verarbeitung des Gewaltexzesses.
Quelle: Presseportal
Statistiken zu Mord, Totschlag und Tötungsdelikten in Nordrhein-Westfalen für 2022/2023
In Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der registrierten Mordfälle von 380 im Jahr 2022 auf 470 im Jahr 2023 – ein Anstieg um rund 23,7 Prozent. Damit verzeichnete Nordrhein-Westfalen 2023 die meisten Mordfälle aller Bundesländer. Die Zahl der aufgeklärten Fälle stieg von 357 auf 443, die Zahl der Tatverdächtigen von 518 auf 671. Unter den Tatverdächtigen waren 2022 insgesamt 458 Männer und 60 Frauen, 2023 waren es 596 Männer und 75 Frauen. Die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen erhöhte sich von 206 auf 310.
| 2022 | 2023 | |
|---|---|---|
| Anzahl erfasste Fälle | 380 | 470 |
| Anzahl der aufgeklärten Fälle | 357 | 443 |
| Anzahl der Verdächtigen | 518 | 671 |
| Anzahl der männlichen Verdächtigen | 458 | 596 |
| Anzahl der weiblichen Verdächtigen | 60 | 75 |
| Anzahl der nichtdeutschen Verdächtigen | 206 | 310 |
Quelle: Bundeskriminalamt








