Jugendliche und junge Erwachsene sind oft Verursacher von schweren Unfällen. Schüler erleben eindringliche Geschichten von realen Unfällen und erhalten wichtige Verkehrssicherheitshinweise.
Crash Kurs NRW in Ratingen verdeutlicht Unfallfolgen

Ratingen (ost)
Die Statistik spricht eine klare Sprache: Jugendliche und junge Erwachsene sind überproportional oft die Verursacher von schweren Unfällen. Schon seit 2011 führt die Kreispolizei daher das Programm Crash Kurs NRW durch, mit dem junge Verkehrsteilnehmer und -teilnehmerinnen anhand von konkreten, manchmal auch schwer zu ertragenden, Beispielen über die Gefahren von Alkohol oder Drogen im Straßenverkehr, überhöhter Geschwindigkeit oder Ablenkung am Steuer informiert werden – ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit ganz viel Emotion.
Am Dienstag, 20. Januar 2026, absolvierten fast 400 Schülerinnen und Schüler des Ratinger Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasiums, des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums, des Kopernikus-Gymnasiums und der Martin-Luther-King-Gesamtschule in der Stadthalle Ratingen diesen ganz besonderen Crash-Kurs.
Am Anfang war das jugendliche Publikum aus den Oberstufen noch recht überschwänglich und lebhaft: Fröhliches Getuschel, lockere Sprüche. Doch im Laufe der rund einstündigen Veranstaltung sah man dann immer mehr nachdenkliche Gesichter. „Wir kennen diesen Effekt schon“, berichtet Moderatorin und Polizeihauptkommissarin Anja Stropp. „Der Grund sind die eindringlichen Schilderungen des Crash-Kurs-Teams auf der Bühne.“
Und die haben es in sich, sind unterlegt mit Fotos und Soundbeispielen: Polizeihauptkommissarin Annika Schoch, die aus einem herrlichen Sommertag herausgerissen wird und den Unfall eines 19-jährigen Motorradfahrers aufnehmen muss, der mit Freunden zu einer übermütigen Spritztour aufbricht, die tödlich endet. Rettungssanitäter Mark Fehl, der die Bilder von der verbrannten Leiche einer jungen Frau in einem Kleinwagen nicht mehr aus seinem Kopf bekommt. Notfallseelsorgerin Petra Czekalla, die immer noch gegen die Tränen kämpft, als sie schildert, wie es ist, wenn man einem 10-Jährigen sagen muss, dass seine Mutter totgefahren wurde. Und Kirsten Niquet als Tochter eines Mannes, der betrunken zwei Menschen überfuhr.
Sie erzählten auf der Bühne nicht aus Büchern, sondern von ihrem Leben, von Unfällen, die in den letzten Jahren in der Region Ratingen wirklich passiert sind. Von Momenten voller Blaulicht und Einsätzen, die sie nie vergessen werden und von Momenten, in denen sie sich fragen mussten: „Wie sage ich es den Eltern?“ Durch die eindringlichen, ganz persönlichen Schilderungen wurde so aus einer Meldung in der Zeitung und einem abstrakten Unfallgeschehen ein beeindruckendes, emotional anspruchsvolles Plädoyer für mehr Verkehrssicherheit, das seine Wirkung auf die Schülerinnen und Schüler nicht verfehlte.
Die Emotionen waren dabei kein Selbstzweck. Anja Stropp: „Uns geht es nicht um Show und Schockeffekte, sondern um ein ganz konkretes Anliegen.“ Diese Botschaft versuchten die Akteure auf der Bühne den gebannt zuhörenden Schülerinnen und Schülern zu vermitteln: Verkehrsunfälle passieren in den meisten Fällen nicht einfach so, sie haben konkrete Ursachen im Fehlverhalten von Menschen, die Regeln missachten. Nicht die Straße ist gefährlich – sondern ein einziger falscher Moment. Und jeder kann entscheiden, diesen Moment zu verhindern.
Viel „Lernstoff“ also, den die Schülerinnen und Schüler so nicht erwartet hatten. Und den sie deshalb bestimmt in Erinnerung behalten.
Das ist der Crash Kurs NRW:
„Crash Kurs NRW“ ist ein Verkehrsunfallpräventionsprogramm für junge Erwachsene, bei dem unter anderem die Polizei NRW die Bildungsreinrichtungen im Rahmen ihrer Mobilitätsbildung und Verkehrserziehung unterstützt. Das Programm richtet sich speziell an Jugendliche der 10. und 11. Jahrgangsstufe sowie an Berufsschülerinnen und Berufsschüler, da der Anteil von jugendlichen Verkehrsteilnehmern bei den Verursachern schwerer Verkehrsunfälle überproportional hoch ist.
Im Unterricht werden die jungen Leute darauf vorbereitet, was sie in der Bühnenveranstaltung erwartet. Polizeibeamte, Feuerwehrleute, Rettungssanitäter, Notfallseelsorger, Angehörige und Opfer berichten darin von ihren Erfahrungen und Erlebnissen bei Unfällen, an denen junge Menschen beteiligt waren. Weitere Infos rund um „Crash Kurs NRW“ gibt es im Internet unter https://polizei.nrw/artikel/realitaet-erfahren-echt-hart.
Quelle: Presseportal
Statistiken zu Verkehrsunfällen in Nordrhein-Westfalen für 2023
Im Jahr 2023 gab es in Nordrhein-Westfalen insgesamt 637.365 Verkehrsunfälle. Davon waren 63.250 Unfälle mit Personenschaden, was 9,92% entspricht. Schwerwiegende Unfälle mit nur Sachschaden machten 13.559 Fälle aus, was 2,13% entspricht. Unfälle unter dem Einfluss berauschender Mittel wurden in 3.764 Fällen registriert, was 0,59% entspricht. Die übrigen Sachschadensunfälle beliefen sich auf 556.792 Fälle, was 87,36% entspricht. Innerorts gab es 55.296 Unfälle (8,68%), außerorts (ohne Autobahnen) 17.437 Unfälle (2,74%) und auf Autobahnen 6.889 Unfälle (1,08%). Die Anzahl der Getöteten betrug 450, Schwerverletzten 11.172 und Leichtverletzten 68.000.
| 2023 | |
|---|---|
| Verkehrsunfälle insgesamt | 637.365 |
| Unfälle mit Personenschaden | 63.250 |
| Schwerwiegende Unfälle mit nur Sachschaden | 13.559 |
| Unfälle unter dem Einfluss berauschender Mittel | 3.764 |
| Übrige Sachschadensunfälle | 556.792 |
| Ortslage – innerorts | 55.296 |
| Ortslage – außerorts (ohne Autobahnen) | 17.437 |
| Ortslage – auf Autobahnen | 6.889 |
| Getötete | 450 |
| Schwerverletzte | 11.172 |
| Leichtverletzte | 68.000 |
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)








