Die Ermittlungsgruppe hat nach intensiven Untersuchungen 62 Altfälle überprüft und ihre Arbeit eingestellt. Die Fälle sind jetzt auf dem neuesten Stand der Kriminalwissenschaft.
Gütersloh: Ende der Ermittlungsgruppe Cold Case

Bielefeld (ost)
FR / Bielefeld / Stadtgebiet / Ostwestfalen – Die auf Zeit eingerichtete Ermittlungsgruppe Cold Case hat Ende Februar 2026 die Arbeit eingestellt. Seit Oktober 2023 hatten die Ermittler 62 ungeklärte Altfälle überprüft und neue Ermittlungen geführt.
Nach über zwei Jahren intensiver Ermittlungen sind die für Bielefeld erhobenen Fälle auf dem neusten Stand der Kriminalwissenschaft. Aus diesem Grund entfällt die Notwendigkeit für die Fortführung der Ermittlungsgruppe.
Im Oktober 2023 startete die Ermittlungsgruppe Cold Case mit 13 Ermittlerinnen und Ermittlern. Zuletzt versahen noch drei Beamte den Dienst in der Ermittlungsgruppe.
„Insgesamt 62 ungelöste Tötungsdelikte wurden geprüft, notwendige Ermittlungen eingeleitet und zum Großteil zu Ende geführt. Dazu wurde eine Vielzahl von Asservaten bearbeitet und Regalwände voller Akten durchforstet“, erklärt der Leiter der Ermittlungsgruppe, Erster Kriminalhauptkommissar Markus Mertens.
Derzeit stehen in mehreren Fällen noch Ergebnisse von Laboruntersuchungen aus. Die weitere Bearbeitung dieser Ergebnisse und auch neue Hinweise werden zukünftig im Kriminalkommissariat 11 des Polizeipräsidiums Bielefeld, zuständig für Tötungsdelikte, vermisste Personen und Brandermittlungen, bearbeitet. „Bei entsprechend positiven Rückläufen der ausstehenden Laborergebnisse, könnte zeitnah erneuter Handlungsbedarf bestehen“, erläutert Mertens.
Der EG-Leiter zieht ein positives Resümee und blickt auf die zurückliegenden Herausforderungen zurück. „Wir hatten mit Aufbewahrungs- und Verjährungsfristen, dem Datenschutz und der Datenhoheit sowie mit technischen Problemen und verblassten Erinnerungen von Zeugen zu kämpfen. Mitunter waren Zeugen auch bereits altersbedingt verstorben.“
„Es war ein Marathon, der uns oft alles abverlangt hat. Jede noch so aussichtslose Spur wurde abschließend bearbeitet und jeder Stein mindestens einmal umgedreht. Es bleibt festzuhalten, dass die Wiederherstellung des Rechtsfriedens als Ansporn und die erlebte Dankbarkeit der betroffenen Angehörigen den doch sehr hohen Ermittlungsaufwand am Ende gerechtfertigt hat“, fasst Mertens zusammen.
In zwei Mordfällen – aus den Jahren 1994 (MK Strohmidel) und 2003 (MK Morgenstern) – konnten die Kriminalbeamten tatverdächtige Personen ermitteln und vor Gericht bringen. Darüber hinaus konnte ein weiterer Fall aus dem Jahr 2001 (MK Seestern) aufgeklärt werden. Nach Abschluss der Ermittlungen stellte sich heraus, dass tatsächlich kein Tötungsdelikt vorgelegen hatte. Vielmehr bestand ein direkter Zusammenhang mit einem Langzeitvermisstenfall aus dem Jahr 1988.
In gut einem Dutzend weiterer Verfahren wurden durch die Untersuchungen von unterschiedlichen Asservaten neue DNA-Spuren entdeckt, die eines Tages noch zu den Tätern führen können. Die Spuren werden aufgrund ihrer jeweiligen Lage als gesichert tatrelevant eingestuft und in die DNA-Analyse-Datei (DAD) eingestellt. „Da es dort bislang zu keinem Treffer kam, warten die Spuren darauf, dass die dazugehörigen Verursacher eines Tages gespeichelt und mit der DAD abgeglichen werden. Dann könnten erneut die Handschellen klicken“, erklärt Mertens.
Das LKA NRW hatte landesweit insgesamt 1143 ungeklärte Altfälle analysiert und in 403 Fällen Chancen gesehen, dass neue Ermittlungsmethoden doch noch zu einer Überführung von Tätern führen könnten.
Die im Polizeipräsidium Bielefeld gegründete Ermittlungsgruppe Cold Case setzte sich aus Kolleginnen und Kollegen des Polizeipräsidiums Bielefeld und der ostwestfälischen Kreispolizeibehörden zusammen. Darunter waren erfahrene Ermittler und sogenannte Senior-Experts, erfahrene und pensionierte Kriminalbeamte.
Die Kriminalbeamten sind weiterhin ansprechbar, denn sie können sich vorstellen, dass es Personen gibt, denen sich ein Täter im Laufe der Jahre mit seinem Wissen anvertraut hat.
Ebenso ist es möglich, dass einige Tatverdächtige selbst nach Jahren unter dem Einfluss und den Auswirkungen einer Tat stehen. Vielleicht belastet sie auch ein schlechten Gewissen und sie möchten sich offenbaren.
Hinweise bitte an das Polizeipräsidium Bielefeld / Kriminalkommissariat 11 / 0521/545-0
Ergänzende Links:
LKA-Meldung vom 02.05.2023: „403 Cold Cases werden aufgerollt“: https://lka.polizei.nrw/presse/403-cold-cases-werden-aufgerollt
Meldung vom 18.01.2024: „Bielefelder Ermittlungsgruppe Cold Case gestartet“: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/12522/5694711
Bielefelder Ermittlungsgruppe Cold Case gestartet – neue Ermittlungsansätze zu einem Fall aus 2009 in Gütersloh | Polizei Bielefeld
Quelle: Presseportal
Statistiken zu Mord, Totschlag und Tötungsdelikten in Nordrhein-Westfalen für 2022/2023
Die Mordraten in Nordrhein-Westfalen stiegen zwischen 2022 und 2023 deutlich an. Im Jahr 2022 wurden 380 Fälle registriert, wovon 357 aufgeklärt wurden. Es gab insgesamt 518 Verdächtige, darunter 458 Männer, 60 Frauen und 206 Nicht-Deutsche. Im Jahr 2023 stieg die Zahl der Mordfälle auf 470, von denen 443 gelöst wurden. Die Anzahl der Verdächtigen stieg auf 671, wobei 596 Männer, 75 Frauen und 310 Nicht-Deutsche beteiligt waren. Im Vergleich dazu war Nordrhein-Westfalen die Region mit den meisten aufgezeichneten Mordfällen in Deutschland im Jahr 2023 mit insgesamt 470 Fällen.
| 2022 | 2023 | |
|---|---|---|
| Anzahl erfasste Fälle | 380 | 470 |
| Anzahl der aufgeklärten Fälle | 357 | 443 |
| Anzahl der Verdächtigen | 518 | 671 |
| Anzahl der männlichen Verdächtigen | 458 | 596 |
| Anzahl der weiblichen Verdächtigen | 60 | 75 |
| Anzahl der nichtdeutschen Verdächtigen | 206 | 310 |
Quelle: Bundeskriminalamt








