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Mechernich: Helikopterunfall auf Krankenhauslandeplatz

Ein Hubschrauber setzt zur Landung an, als es zu einem Triebwerksbrand kommt. Rauch steigt auf, Flammen schlagen aus dem Triebwerksbereich. Drei Crewmitglieder werden vermisst.

Foto: Unsplash

Mechernich (ost)

Ein Hubschrauber setzt zur Landung auf dem Krankenhauslandeplatz in Mechernich an. Noch während des Landevorgangs kommt es zu einem Triebwerksbrand. Rauch steigt auf, Flammen schlagen aus dem Bereich des Triebwerks. Drei Crewmitglieder werden vermisst.

Was zunächst nach einem schweren Unglück klingt, war glücklicherweise nur ein realitätsnahes Übungsszenario. Die Freiwillige Feuerwehr Mechernich, die Bundeswehrfeuerwehr, die Bundespolizei und das Krankenhaus Mechernich trainierten gemeinsam den Ernstfall. Im Mittelpunkt standen Menschenrettung, Brandbekämpfung, der Umgang mit einem verunfallten Luftfahrzeug sowie die Gefahren durch Kerosin und weitere Betriebsstoffe.

Für die Übung stellte die Bundespolizei einen Hubschrauber zur Verfügung. Dadurch konnten die Einsatzkräfte unmittelbar an einem realen Luftfahrzeug trainieren.

Aus der Landung wird ein Notfall

Während der Landung entstand im Übungsszenario ein Triebwerksbrand. Ein Techniker des Krankenhauses, der bei jeder Hubschrauberlandung vor Ort sein muss, erkannte die angenommene Gefahrensituation und leitete erste Löschmaßnahmen über die fest installierten Wasserwerfer, sogenannte Monitore, ein.

Kurz darauf wurde über die Brandmeldeanlage die Feuerwehr alarmiert. Gleichzeitig wurde bekannt, dass drei Crewmitglieder vermisst beziehungsweise verletzt waren. Zwei Personen lagen unter dem Hubschrauber, eine weitere hatte sich über eine Fluchtleiter auf ein darunterliegendes Geschoss gerettet und lag dort bewusstlos zwischen abgestellten Pkw.

Damit stand für die eintreffenden Einsatzkräfte neben der Brandbekämpfung vor allem die Menschenrettung im Vordergrund.

Feuerwehr und Bundeswehrfeuerwehr im Einsatz Aufgrund des besonderen Einsatzszenarios wurde neben der Freiwilligen Feuerwehr Mechernich auch die in Mechernich stationierte Bundeswehrfeuerwehr angefordert.

Die Leitstelle der Kreisverwaltung Euskirchen alarmierte den Löschzug 1 der Feuerwehr Mechernich sowie den B-Dienst (Bestellter Einsatzleiter der Kommune). Der Löschzug rückte mit Einsatzleitwagen (ELW), Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF), zwei Löschgruppenfahrzeugen (LF) und der Drehleiter (DLK) aus. Die Bundeswehrfeuerwehr kam mit einem Löschfahrzeug und einem Gerätewagen für den Aufbau einer Dekontaminationsstelle.

Die Bundeswehrfeuerwehr und die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Mechernich trafen kurz hintereinander an der Einsatzstelle ein.

Menschenrettung hat höchste Priorität

Nach dem Eintreffen erfolgte unmittelbar die Lageerkundung. Zwei Atemschutztrupps gingen zur Rettung der unter dem Hubschrauber liegenden Personen vor. Gleichzeitig wurde die Drehleiter in Stellung gebracht. Über sie konnte ein weiterer Atemschutztrupp das auf dem darunterliegenden Geschoss befindliche Crewmitglied erreichen. Parallel dazu begann ein weiterer Trupp mit der Brandbekämpfung im Bereich des betroffenen Luftfahrzeugs und der herumliegenden Teile. Die Menschenrettung konnte innerhalb weniger Minuten erfolgreich abgeschlossen werden. Alle drei vermissten Crewmitglieder wurden gefunden, aus den Gefahrenbereichen gerettet und zur weiteren medizinischen Versorgung übergeben.

Für Markus Kurtensiefen, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Mechernich und bei der Übung als B-Dienst eingesetzt, fiel die erste Bilanz entsprechend positiv aus:

“Es war ein voller Erfolg. Alle eingesetzten Kräfte haben planmäßig reagiert und miteinander gearbeitet. Die vermissten Personen konnten binnen kürzester Zeit lokalisiert und gerettet werden.”

Besondere Gefahren bei Luftfahrzeugen

Ein Unfall mit einem Hubschrauber stellt die Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen. Neben der Brand- und Explosionsgefahr können Kerosin, Hydraulikflüssigkeiten, Schmierstoffe und weitere Betriebsstoffe eine erhebliche Gefährdung darstellen.

Da eine Kontamination der Einsatzkräfte im Übungsszenario nicht ausgeschlossen werden konnte, bereitete die Bundeswehrfeuerwehr parallel zum Einsatz eine Dekontaminationsstelle, kurz DECON, vor. Dort sollten möglicherweise kontaminierte Einsatzkräfte und Ausrüstung nach dem Einsatz dekontaminiert werden, damit Schadstoffe nicht aus dem Gefahrenbereich in unbelastete Bereiche verschleppt werden.

Die Bundeswehrfeuerwehr unterstützte dabei nicht die eigentliche Brandbekämpfung, sondern übernahm den Aufbau und Betrieb der DECON-Komponente sowie die fachliche Beratung der Einsatzleitung im Hinblick auf das Luftfahrzeug. Brandoberamtsrat Christoph Bücker erläutert die besondere Rolle der Bundeswehrfeuerwehr:

“Wir wurden aufgrund dessen angefordert, da wir im Gegensatz zur öffentlichen Feuerwehr in unserer Ausbildung speziell auf verschiedene Luftfahrzeuge und deren Notlagen ausgebildet wurden.”

Bundespolizei unterstützt mit Hubschrauber Eine besondere Rolle übernahm die Bundespolizei, die den Hubschrauber für die Übung zur Verfügung stellte. Die Zusammenarbeit zwischen Bundespolizei und Feuerwehren findet auch im regulären Einsatzgeschehen statt – unter anderem bei Bränden, Großschadenslagen und Wasserrettung.

Gerade die Schnittstellen zwischen Einsatzkräften am Boden und Einsatzmitteln aus der Luft müssen regelmäßig trainiert werden. Für die Bundespolizei bietet eine solche Übung ebenfalls einen wichtigen Mehrwert. Auch die Feuerwehr profitiert vom direkten Kontakt mit einem realen Hubschrauber. Für viele Einsatzkräfte gibt es im normalen Einsatzdienst nur selten die Möglichkeit, ein Luftfahrzeug aus dieser Nähe kennenzulernen.

Krankenhaus: Zusammenspiel aller Beteiligten entscheidend Auch für das Krankenhaus Mechernich hat die Übung einen hohen Stellenwert. Geschäftsführer Martin Milde betont insbesondere die Bedeutung der Zusammenarbeit: “Extrem wichtig ist hier das Zusammenspiel aller Beteiligten in solchen Notfallsituationen, damit im Ernstfall Hand in Hand gearbeitet werden kann.”

Die Übung habe seinen positiven Eindruck von der Zusammenarbeit bestätigt: “Was ich heute gesehen habe, bestätigt meinen Eindruck der letzten Jahre, dass alle beteiligten Kräfte – sowohl aus unserem Haus als auch die Feuerwehren und die Bundespolizei – gerne zusammen üben, da sich alle des Mehrwerts im Einsatzfall bewusst sind.”

Das gemeinsame Ziel sei, für unterschiedliche Notfallsituationen vorbereitet zu sein: “Dass man für den Ernstfall gerüstet ist, egal ob Brandfall oder andere Ereignisse, und dann alle Zahnrädchen ineinandergreifen und alle wissen, was zu tun ist, um einer gegebenenfalls entstehenden Gefahrensituation professionell zu begegnen.”

Bezirksregierung überprüft Landeplatz

Neben dem Ausbildungscharakter hatte die Übung auch einen offiziellen Hintergrund. Zwei Prüfer der Bezirksregierung Düsseldorf waren vor Ort. Als zuständige Luftfahrtbehörde überprüften sie die vorgesehenen Abläufe und Einrichtungen des Krankenhauslandeplatzes.

Dabei wurden unter anderem die Sicherheitseinrichtungen sowie die Alarm- und Einsatzplanung für mögliche Unfallereignisse betrachtet. Die Überprüfung ist Bestandteil der Voraussetzungen für den weiteren Betrieb des Landeplatzes und die entsprechende Start- und Landegenehmigung.

Übung erfolgreich abgeschlossen

Markus Kurtensiefen zog abschließend ein positives Fazit:

“Das beübte Szenario konnte mit vollem Erfolg abgeschlossen werden, was uns die Vertreter der Bezirksregierung im Nachgang ebenfalls ohne Mängel bestätigten.”

Doch mit dem Ende der Einsatzübung war der Ausbildungstag noch nicht vorbei. Im Anschluss folgten Stationsausbildungen bei der Bundeswehrfeuerwehr und durch die Besatzung der Bundespolizei. Dabei konnten sich die Feuerwehrangehörigen unmittelbar mit den Besonderheiten des Hubschraubers und den Einsatzmöglichkeiten vertraut machen.

Damit bot der Ausbildungstag nicht nur die Möglichkeit, bestehende Abläufe unter realitätsnahen Bedingungen zu überprüfen. Gleichzeitig konnten die beteiligten Organisationen ihre Zusammenarbeit vertiefen und gegenseitig wertvolles Fachwissen vermitteln.

Markus Kurtensiefen dankte abschließend allen Beteiligten: “Ich danke allen beteiligten Einsatzkräften: sowohl den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Krankenhauses, der Bundeswehrfeuerwehr, allen freiwilligen Kameradinnen und Kameraden der Stadt Mechernich als auch der Bundespolizei für die Bereitstellung des Hubschraubers und die anschließende Stationsausbildung am Fluggerät.”

Denn wenn aus einer routinemäßigen Hubschrauberlandung plötzlich ein Notfall wird, bleibt keine Zeit, Zuständigkeiten und Abläufe erst zu klären. Dann müssen die Maßnahmen sitzen – und alle Zahnräder ineinandergreifen.

Quelle: Presseportal

nf24