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Präventionsarbeit im Kreis Viersen

Seit fünf Jahren arbeiten Polizei und Jugendhilfe zusammen, um Straftaten zu verhindern und jungen Menschen neue Perspektiven zu eröffnen.

Foto: unsplash

Kreis Viersen (ost)

Wie können junge Menschen, die früh durch Straftaten auffallen, unterstützt werden, um ihren weiteren Weg ohne Kriminalität zu gestalten? Seit 15 Jahren ist die NRW-Initiative “Kurve kriegen” aktiv. In Viersen arbeiten Polizei und Jugendhilfe seit fünf Jahren zusammen, um weitere Straftaten zu verhindern und jungen Menschen neue Perspektiven zu bieten. “Kurve kriegen” ist eine Maßnahme des Innenministeriums von Nordrhein-Westfalen. In Viersen besteht das Team aus drei Polizistinnen und Polizisten, die sich mit Jugendkriminalität befassen, sowie einer Sozialpädagogin und einem Sozialpädagogen. Das Besondere dabei: Alle arbeiten gemeinsam an dem Projekt unter einem Dach: Im Kommissariat 5 – zuständig für Jugendkriminalität – auf dem Mühlenberg 7 in 41751 Viersen.

Im Fokus steht die Prävention, da frühzeitige Straffälligkeit selten isoliert von der Lebenssituation eines jungen Menschen entsteht. Probleme in der Familie, Schwierigkeiten in der Schule, fehlende Struktur im Alltag, belastende Freundschaften oder Orientierungslosigkeit können dazu führen, dass problematisches Verhalten zunimmt. “Kurve kriegen” setzt genau hier an: frühzeitig, individuell und verbindlich. Die jungen Menschen werden nicht nur auf ihre Straftaten reduziert, aber auch nicht verharmlost. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, Grenzen zu akzeptieren und gemeinsam realistische Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln. Eine wichtige Rolle spielt die kontinuierliche Beziehungsarbeit. Die pädagogischen Fachkräfte begleiten die Teilnehmer eng im Alltag, setzen gemeinsam konkrete Ziele und ziehen – je nach Bedarf – Familie, Schule und andere Unterstützungsangebote mit ein.

Diese individuelle Begleitung wird durch eine enge und verbindliche Zusammenarbeit im Netzwerk ergänzt. Ein besonderes Merkmal von “Kurve kriegen” liegt im Zusammenspiel verschiedener Akteure und fachlicher Perspektiven. Dadurch können problematische Entwicklungen frühzeitig erkannt, gemeinsam bewertet und gezielte Maßnahmen abgestimmt werden. So können sowohl der Schutz der Gesellschaft und die Verhinderung weiterer Straftaten als auch die individuelle Entwicklung des jungen Menschen gleichermaßen berücksichtigt werden. Derzeit werden in Viersen zwölf junge Menschen – zehn Jungen und zwei Mädchen – im Rahmen von “Kurve kriegen” betreut. Seit dem Start der Initiative in Viersen im Jahr 2021 wurden insgesamt 32 Kinder und Jugendliche aufgenommen und begleitet.

Ein typischer Fall: Wenn Dranbleiben Wirkung zeigt! Der folgende Fall ist exemplarisch und beschreibt keine identifizierbare Einzelperson, sondern verdichtete Situationen aus der pädagogischen Arbeit. Ein Jugendlicher wird nach Konflikten in der Schule und ersten polizeilichen Auffälligkeiten in den Blick genommen. Anfangs ist er schwer erreichbar. Gespräche wirken wie Pflichttermine, Absprachen werden nicht eingehalten, die Schule meldet weitere Probleme. Erst durch regelmäßige Kontakte, klare Erwartungen und konsequentes Dranbleiben entsteht langsam eine Arbeitsbeziehung. Im Verlauf werden familiäre Belastungen deutlicher. Die Schule wird einbezogen, mit den Eltern werden realistische Schritte besprochen, Freizeitstrukturen werden überprüft. Rückschläge sind unvermeidlich, aber sie führen nicht automatisch zum Abbruch. Stattdessen werden sie aufgegriffen und bearbeitet: Was ist passiert? Was muss geändert werden? Wer übernimmt Verantwortung? Am Ende steht keine perfekte Biografie, aber oft ein stabilerer Alltag mit weniger Eskalationen, besserer Erreichbarkeit, verbindlicheren Absprachen, mehr Struktur im Alltag und ersten realistischen Perspektiven. Diese Veränderungen können verhindern, dass frühe Auffälligkeiten zu wiederkehrenden Straftaten führen. “Kurve kriegen” setzt dort an, wo Wegsehen teuer werden kann – menschlich, gesellschaftlich und finanziell. Wer junge Menschen erst dann erreicht, wenn sich Straftaten, Schulabbrüche, Gewalt und Perspektivlosigkeit verfestigt haben, handelt oft zu spät. Frühzeitige Prävention bedeutet daher nicht Nachsicht um jeden Preis, sondern rechtzeitiges Handeln mit klarer Haltung. Nicht jeder Verlauf kann sofort geändert werden, aber jeder junge Mensch, der rechtzeitig erreicht wird, ist eine Chance – für sich selbst, für seine Familie, für mögliche Opfer und für das Zusammenleben in Viersen.

Das Team von ‘Kurve kriegen’ Viersen ist erreichbar beim Kriminalkommissariat 5 in Viersen-Dülken, Mühlenberg 7, über die zentrale Rufnummer der Polizei Viersen 02162/377-0. Per Mail erreichbar über: kurvekriegen.viersen@polizei.nrw.de Weitere Infos zu den Ansprechpartnern finden Sie hier: https://www.kurvekriegen.nrw.de/standorte/viersen /wg (745)

Quelle: Presseportal

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