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Regensburg: Verdacht der Geldwäsche und Goldschmuggel

Deutsche und niederländische Ermittler erzielen wichtige internationale Ermittlungserfolge gegen mutmaßliche organisierte Tätergruppierung.

Foto: Depositphotos

Köln (ost)

Gemeinsame Bekanntmachung von Staatsanwaltschaft Köln, Polizeipräsidium Niederbayern, Polizeipräsidium Köln, Staatsanwaltschaft Rotterdam und Seehafenpolizei Rotterdam (NL)

NIEDERBAYERN, WUPPERTAL, WERDOHL, ÜBACH-PALENBERG, FINNENTROP, BERGNEUSTADT, ALSDORF, VIERSEN, REMSCHEID, LÜNEN, KÖLN, KREIS DÜREN, LEVERKUSEN, GLADBECK, GELSENKIRCHEN, KAARST, DÜSSELDORF, BERLIN, LKR. FRIESLAND, ROTTERDAM (NL).

Deutsche und niederländische Ermittler erzielen mit Hilfe von Europol in einer groß angelegten Durchsuchungsaktion wichtige internationale Erfolge. Ein Großeinsatz von 450 Ermittlern von Polizei und Zoll richtete sich heute (Mittwoch, 07.10.2026) gegen ein international operierendes, vermutetes Geldwäschenetzwerk. Rund 40 Objekte in verschiedenen Bundesländern wurden durchsucht, drei Verdächtige wurden festgenommen und mehrere Fahrzeuge, Gold sowie ein hoher fünfstelliger Eurobetrag wurden sichergestellt.

Den Zugriff vorausgegangen waren langjährige Ermittlungen, an denen unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Köln und der Kriminalpolizeiinspektion Niederbayern auch die Gemeinsame Finanzermittlungsgruppe Bundeskriminalamt (BKA) / Zollkriminalamt (ZKA) sowie das Zollfahndungsamt Essen beteiligt waren. Heute wurden etwa 40 Wohn- und Geschäftsräume, unter anderem in Köln, Wuppertal, Leverkusen, Gelsenkirchen, Viersen, Berlin sowie in der niederländischen Provinz Friesland durchsucht. Gleichzeitig fand in diesem Zusammenhang eine Durchsuchung in der Nähe von Rotterdam (NL) statt, die in enger Zusammenarbeit mit EUROPOL im Vorfeld der heutigen Durchsuchungen koordiniert wurde.

Ermittlung nach Auffinden von Gold und Bargeld in Niederbayern

Die Kriminalpolizeiinspektion Niederbayern begann ihre Ermittlungen aufgrund des Fundes von Gold und Bargeld auf der BAB A 3 im Rahmen einer verdachtsunabhängigen Kontrolle durch die Verkehrspolizeiinspektion Deggendorf Ende Oktober 2023. Bei der Kontrolle eines Fahrzeugs entdeckten die Beamten versteckt in einem speziell präparierten Fahrzeug aus dem Raum Dortmund über 55 kg Gold und knapp eine halbe Million Euro Bargeld. Gegen den damals 60-jährigen türkischen Fahrer und seine damals 42-jährige türkische Mitfahrerin wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft Regensburg Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts der Geldwäsche erlassen. In einem separaten Verfahren wurden Gold und Bargeld im Wert von über vier Millionen Euro rechtskräftig eingezogen.

Bezugsmitteilung:

Im Rahmen weiterer umfangreicher kriminalpolizeilicher Ermittlungen zur Herkunft des Gold- und Bargeldfunds geriet eine überwiegend türkischstämmige Tätergruppierung mit Verbindungen ins Ausland in den Fokus der Strafverfolgungsbehörden. Im Februar 2026 konnten bei Personen der verdächtigen Tätergruppierung in Köln über fünf Kilogramm Goldschmuck durch Kräfte des Zollfahndungsamtes Essen sichergestellt werden, in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Regensburg.

Die Ermittlungen konzentrierten sich zunehmend auf Nordrhein-Westfalen, weshalb die Staatsanwaltschaft Köln die Gesamtermittlungen übernahm. Die polizeilichen Ermittlungen wurden weiterhin unter der Leitung der Kriminalpolizeiinspektion Niederbayern in enger Abstimmung mit zahlreichen anderen Polizei- und Zollbehörden durchgeführt. Während der umfangreichen Ermittlungen gab es eine enge und intensive Zusammenarbeit unter anderem mit den Polizei- und Zollkräften in Nordrhein-Westfalen.

Im Fokus dieser Ermittlungen stehen mehrere türkischstämmige Männer im Alter von 43 bis 59 Jahren, denen vorgeworfen wird, sich zu einer arbeitsteilig agierenden Tätergruppierung zusammengeschlossen zu haben, um fortgesetzt Geldwäsche- und Schmuggelstraftaten zu begehen.

Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen soll die Gruppierung Geldwäschedienstleistungen für Dritte angeboten haben (auch bekannt als “Crime-as-a-Service”) und dabei jährlich aus Straftaten stammendes Bargeld in Höhe eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags verschleiert und in die Türkei transferiert haben, um staatliche Kontrollen zu umgehen.

Vorgehensweise

Laut den bisherigen Ergebnissen der Ermittlungen stammen die illegal erworbenen Vermögenswerte aus verschiedenen Arten von kriminellen Handlungen, hauptsächlich aus dem Drogenhandel.

Die Gruppierung soll die Anweisung zum Geldtransport von verschiedenen Auftraggebern erhalten haben. Nach Abholung der illegalen Vermögenswerte wird das Bargeld zunächst unter anderem zum Kauf von Alt- und Schrottgold bei beteiligten Juwelieren verwendet. Die Gruppierung nutzte nach bisherigen Erkenntnissen eine Vielzahl von Juwelieren, vor allem in Köln und Nordrhein-Westfalen. Die heutigen Durchsuchungen betrafen unter anderem Juweliere in Köln, Düsseldorf, Leverkusen, Wuppertal, Viersen und Berlin. Das Gold soll dann zusammen mit anderem verdächtigem Schmuck gezielt eingeschmolzen und zu Schmelzgoldbarren verarbeitet worden sein.

Diese Schmelzgoldbarren sollen dann auf verschiedenen Wegen, sowohl auf dem Land- als auch auf dem Luftweg, von Deutschland in die Türkei transportiert worden sein. Speziell präparierte Fahrzeuge wurden für den Landtransport verwendet. Im Mittelpunkt dieser Aktivitäten steht ein 45-jähriger Verdächtiger, der in Übach-Palenberg (Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen) ein Unternehmen führt.

In der Türkei sollen die Schmelzgoldbarren nach den bisherigen Erkenntnissen weiterverarbeitet oder zum Kauf von hochwertigem Goldschmuck verwendet worden sein. Anschließend wurden die entsprechenden Vermögenswerte an die Auftraggeber ausgezahlt. Ein Teil des in der Türkei erworbenen Goldschmucks oder der aufbereiteten Goldbarren soll dann unter Umgehung der zollrechtlichen Bestimmungen nach Deutschland zurückgebracht und den beteiligten Juwelieren zur Deckung ihrer Auslagen übergeben worden sein.

Die Menge an Gold, die auf diese Weise über einen Zeitraum von sechs Jahren in die Türkei gebracht wurde, wird auf insgesamt zwischen einer und vier Tonnen geschätzt, mit einem ungefähren Wert von 55 bis 210 Millionen Euro.

Bereits Anfang September 2026 verzeichnete die Gemeinsame Finanzermittlungsgruppe BKA/ZKA in einem weiteren Verfahren einen Erfolg. In Hamm in Nordrhein-Westfalen wurde ein 59-jähriger Verdächtiger festgenommen, der ebenfalls verdächtigt wird, groß angelegte Geldwäsche durchgeführt und Verbindungen zu dieser türkischen Tätergruppierung hatte.

Während desselben Zeitraums ermittelten unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Rotterdam Ermittler der Seehafenpolizei Rotterdam gegen einen mutmaßlichen illegalen Finanzvermittler (“Underground-Banker”), der verdächtigt wird, Mitglied der bereits erwähnten türkischen Tätergruppierung gewesen zu sein. Er soll an der Übermittlung von Bargeldbeträgen in Höhe von etwa 60 Millionen Euro an weitere Mitglieder der Gruppierung beteiligt gewesen sein. Es wird auch angenommen, dass er engen Kontakt zu den im Rahmen der deutschen Ermittlungen genannten Verdächtigen hatte.

Dies führte zu mehreren Treffen zwischen den deutschen und niederländischen Ermittlungsgruppen sowie EUROPOL, um einen gemeinsamen Aktionstag zu koordinieren.

Ergebnis der Durchsuchungen

Im Rahmen der heute durchgeführten rund 40 Durchsuchungen wurden zahlreiche digitale Datenträger, schriftliche Unterlagen sowie Bargeld im hohen fünfstelligen Bereich sichergestellt. Darüber hinaus wurden etwa 800 Gramm Schmelzgold, eine Schmuggelweste und ein Schmuggelgurt, die mutmaßlich zur Goldbeförderung verwendet wurden, sowie insgesamt zwölf Fahrzeuge und ein Motorrad sichergestellt. Bei zwei der Fahrzeuge wurden professionelle Schmuggelverstecke entdeckt.

Außerdem wurden gegen Hauptverdächtige der mutmaßlichen Gruppierung drei Haftbefehle vollstreckt. Die festgenommenen Beschuldigten sind ein 46-jähriger türkischer Staatsbürger aus dem Raum Wuppertal, ein 45-jähriger türkischer Staatsbürger aus Übach-Palenberg (NRW) und ein 43-jähriger türkischer Staatsbürger aus dem Raum Remscheid (NRW). Insgesamt wird gegen 24 Beschuldigte ermittelt.

Die festgenommenen Verdächtigen werden im Laufe des heutigen Tages den zuständigen Ermittlungsrichtern vorgeführt.

Die heutigen Durchsuchungen wurden von umfangreichen Vermögensabschöpfungsmaßnahmen begleitet. Acht der zwölf sichergestellten Fahrzeuge werden beschlagnahmt und eine Zwangssicherungshypothek in Höhe von zwei Millionen Euro wird eingezogen.

Die weiteren Ermittlungen, insbesondere zur Beteiligung weiterer Personen sowie zu den Transport- und Zahlungswegen, werden von der Kriminalpolizei Niederbayern, dem BKA, dem Zoll und anderen Behörden der Länder und des Bundes unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Köln durchgeführt. Die Ermittlungen richten sich auf den Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung, banden- und gewerbsmäßiger Geldwäsche sowie gewerbsmäßigen Schmuggels.

Die umfangreichen Ermittlungen dauern an. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Weitere Presseauskünfte werden ausschließlich von der Staatsanwaltschaft Köln (Staatsanwalt Sengöz) erteilt.

Kontaktdaten: pressestelle@sta-koeln.nrw.de oder 0221-477-4552.

Quelle: Presseportal

nf24