Nach einem Brandanschlag auf Strommasten in Berlin-Johannisthal, der 50.000 Haushalte lahmlegte, führt die Polizei umfangreiche Razzien gegen linksextremistische Verdächtige durch. Ziel ist die Aufklärung der Hintergründe und die Sicherung kritischer Infrastruktur.
Polizei geht mit Razzias nach Stromangriff gegen Hintermänner vor

Berlin – Ein entschlossener Schlag gegen die mutmaßlichen Stromsaboteure in Berlin wird derzeit von der Polizei durchgeführt. Nach Informationen aus verschiedenen Quellen finden stadtweit Durchsuchungen statt, die sich gegen Personen aus der linksextremistischen Szene richten. Diese stehen im Verdacht, mit einer Sabotageaktion im September 2025 in Verbindung zu stehen.
„Die Maßnahmen richten sich gegen namentlich bekannte Beschuldigte“, erklärte Alan Bauer, Sprecher der Berliner Generalstaatsanwaltschaft. Bislang wurden jedoch keine Festnahmen vorgenommen. Parallel zu den Durchsuchungen in Berlin erfolgen Razzien in Düsseldorf (NRW), Hamburg und Brandenburg. Die Verdächtigen sollen aus der linksextremistischen Szene stammen.
Reporter konnten am frühen Morgen einen Einsatz in einer „Anarchistischen Bibliothek“ an der Reichenberger Straße in Berlin-Kreuzberg beobachten. Auch in der Schererstraße im Stadtteil Wedding fanden Einsätze statt. Insgesamt gab es laut Informationen 14 Durchsuchungen in der Hauptstadt, unter anderem in den Bezirken Treptow-Köpenick, Neukölln und Pankow. Ziel ist es, Beweismaterial im Zusammenhang mit dem Stromausfall im September 2025 zu sichern.
Die „Ermittlungsgruppe Spannung“ des LKA hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Spuren verfolgt, Tatverdächtige identifiziert und Zusammenhänge aufgeklärt. Benjamin Jendro von der GdP Berlin äußerte sich dazu: „Wir sprechen von einer heterogenen Szene, die international vernetzt, gut organisiert und strategisch vorgeht. Dabei profitieren sie von fehlenden rechtlichen Anpassungen, wie der überfälligen Ausweitung der Quellen-Telekommunikationsüberwachung und der Nutzung KI-basierter Technik.“
Innensenatorin betont Entschlossenheit der Sicherheitsbehörden
Berlins Innensenatorin Iris Spranger (64, SPD) betonte: „Die heutigen Durchsuchungen zeigen, dass wir jeden Hinweis mit höchster Priorität verfolgen. Wer unsere kritische Infrastruktur angreift, gefährdet die Sicherheit unserer gesamten Stadt. Das werden wir nicht hinnehmen. Unsere Sicherheitsbehörden handeln entschlossen und rechtsstaatlich, um die Hintergründe des Angriffs auf das Stromnetz lückenlos aufzuklären und mögliche weitere Gefahren abzuwenden.“
Stromausfall im Johannisthal
Am 9. September 2025 setzten unbekannte Täter im Johannisthal zwei Strommasten in Brand. Dies führte zu einem großflächigen Stromausfall, der 50.000 Haushalte und Gewerbebetriebe betraf. Besonders betroffen war der Technologiepark Adlershof, wo alle 1300 Unternehmen bis zum 11. September teilweise ohne Strom waren.
Am selben Tag erschien auf der linksextremistischen Internetplattform „indymedia“ ein Bekennerschreiben. Anonyme Autoren, die sich als „Einige Anarchist:innen“ bezeichneten, bekannten sich zu dem Brandanschlag. Ihr Hauptziel sei das Technologiezentrum gewesen.
Die Autoren benannten auch kritische Infrastruktur (KRITIS) als Angriffsziel. Wörtlich heißt es: „Kritische Infrastruktur anzugreifen bedeutet, eine der Hauptadern der Unterwerfung des Menschen über den Menschen und der Natur anzugreifen. Die Elektrizität ist die Hauptquelle der Energie, die jede Maschine und den ‚Fortschritt‘ nährt, der notwendig ist, um dieses aktuelle System zu reproduzieren. Es abzuschalten ist möglich und es ist auch möglich, es mit einem Leben in Freiheit ohne Herrschaft zu ersetzen!“
Weitere Anschläge und Belohnung für Hinweise
Die Verfasser riefen andere dazu auf, es ihnen gleichzutun und priesen ihren Anschlag als „effektive Systemunterbrechung“. Besonders drohten sie Unternehmen, die im Rüstungsbereich tätig sind oder mit der Bundeswehr zusammenarbeiten.
Am 3. Januar 2026 kam es zu einem weiteren Brandanschlag, bei dem Stromleitungen an einer Kabelbrücke in Lichterfelde in Brand gesetzt wurden. Unbekannte Täter unterbrachen damit die Versorgung von 45.000 Haushalten und 2200 Betrieben im Berliner Südwesten. Tagelang mussten viele Familien, Senioren und Pflegebedürftige in Notunterkünfte ausweichen. Auch hier stehen linksextreme Verdächtige im Fokus. Nach dem Angriff tauchten mehrere Bekennerschreiben der sogenannten Vulkangruppe auf. Ob es einen Zusammenhang zwischen beiden Anschlägen gibt, ist noch unklar.
Die Behörden haben eine Belohnung von einer Million Euro für Hinweise auf die Täter ausgesetzt.
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Bildquelle: Lear 21 via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)








