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Internet-Anlagebetrug: Warnung vor Cybertrading-Fraud

Das LKA Schleswig-Holstein warnt vor betrügerischen Trading-Plattformen im Internet, die zu hohen Verlusten führen können. Opfer benötigen psychosoziale Unterstützung und Prävention ist entscheidend.

Foto: unsplash

Kiel (ost)

Online-Verbrechen: Eine gemeinsame Präventionskampagne des Landeskriminalamtes und des WEISSEN RINGS Schleswig-Holstein / Teil 4

Der Traum vom schnellen Geld durch eine scheinbar lukrative Geldanlage über Handelsplattformen im Internet scheint greifbar nahe zu sein. Die böse Überraschung folgt erst, wenn Anleger ihre vermeintlichen Gewinne einfordern: Das eingezahlte Geld ist weg – und mit ihm auch die betrügerischen Anlageberater. Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein warnt erneut eindringlich vor Cybertrading-Betrug, einer Form des Internetbetrugs, bei dem Kriminelle ihre “Kunden” mit professionell aussehenden Websites, sozialen Netzwerken wie WhatsApp, Online-Werbung oder persönlichen Kontakten locken, indem sie hohe Renditen versprechen. Was zunächst wie eine seriöse Investition aussieht, kann für Betroffene mit dem Verlust ihres gesamten Vermögens enden.

Nur im Jahr 2025 verzeichnete das LKA in Schleswig-Holstein Schäden von insgesamt mehr als 41 Millionen Euro im In- und Ausland im Zusammenhang mit Cybertrading-Betrug. Das entspricht einem Anstieg von rund 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Täter gehen dabei immer professioneller vor und setzen auch Künstliche Intelligenz ein, um potenzielle Anleger gezielt anzusprechen und zu immer höheren Einzahlungen zu bewegen. Darüber hinaus sind sie skrupellos und psychologisch geschult. “Das Leid der Geschädigten ist ihnen egal”, sagt Volker Willert, Leiter des Dezernats für Wirtschafts-, Korruptions- und Umweltkriminalität im LKA und ehrenamtlicher Opferberater beim WEISSEN RING.

Wenn das Opfer anbeißt, nehmen die Täter — getarnt als erfahrene Anlage- und Vermögensberater — sofort Kontakt auf. Über eine Plattform, die von den Tätern betrieben wird, wird den Kunden eine positive Entwicklung ihrer Anlage vorgespielt. Tatsächlich erfolgt jedoch zu keiner Zeit eine Anlage des Geldes. “Neben ihren Vermögenswerten verlieren Opfer von Cybertrading-Betrug häufig auch das Vertrauen in ihre eigene Urteilskraft”, weiß Volker Willert aus seinen Beratungsgesprächen beim WEISSEN RING. Die Spirale aus Scham und Verzweiflung drängt viele in eine gefühlte Ausweglosigkeit. “Da geraten Menschen in Extremsituationen: Sie wollten ursprünglich etwas Sinnvolles machen, vielleicht auch für die Familie, und am Ende ist alles verloren.”

Der WEISSE RING bietet in solchen Fällen auch psychosoziale Unterstützung an. Menschlicher Beistand, Zeit und persönliche Betreuung spielen dabei eine große Rolle. “Wir haben verschiedene Möglichkeiten, um zu stabilisieren und den Betroffenen zu helfen, in ihr Leben zurückzufinden.”, sagt Volker Willert. Dazu kann zum Beispiel die Vermittlung an Psychotherapeuten oder Rechtsanwälte gehören. Aber auch ganz praktische Hilfen wie Gutscheine für eine anwaltliche Erstberatung, Begleitung zur Polizei oder Überbrückung von akuten finanziellen Notlagen.

Prävention ist ein weiterer wichtiger Baustein der Beratung, denn Geschädigte von Betrugstaten wie Cybertrading-Betrug sind nach den Erfahrungen von Polizei und WEISSEM RING gefährdet, ein weiteres Mal Opfer zu werden. Ihre Datensätze sind bereits in den Händen von Kriminellen und durch den emotionalen Ausnahmezustand sind sie besonders empfänglich für Druck und Manipulation. So wurde eine Geschädigte im südlichen Schleswig-Holstein nicht nur Opfer von Cybertrading-Betrügern, sondern händigte später auch noch falschen Polizeibeamten Bargeld und Schmuck aus.

Reden hilft, sagt Volker Willert – auch gegen Betrug: “Wenn man ein komisches Gefühl hat, sollte man erst einmal mit jemandem sprechen und keine einsamen Entscheidungen treffen!” Darüber hinaus sei es wichtig, das Thema auch präventiv im Familien- oder Freundeskreis zu bewegen.

Falls Sie befürchten, Opfer geworden zu sein, erstatten Sie Anzeige bei Ihrer örtlichen Polizei und ergreifen Sie Maßnahmen, um Ihre Konten zu schützen. Eine Checkliste “Cybertrading-Fraud” mit Notfallmaßnahmen gibt es unter:

https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/gefahren-im-internet/cybertrading-betrug/

Quelle: Presseportal

Cybercrime-Statistiken in Schleswig-Holstein für 2022/2023

Die Cyberkriminalitätsraten in Schleswig-Holstein zwischen 2022 und 2023 stiegen leicht an. Im Jahr 2022 wurden 2966 Fälle von Cyberkriminalität registriert, wobei 815 Fälle gelöst wurden. Es gab insgesamt 693 Verdächtige, darunter 475 Männer, 218 Frauen und 137 Nicht-Deutsche. Im Jahr 2023 stieg die Anzahl der registrierten Fälle auf 3254, wobei 935 Fälle gelöst wurden. Die Anzahl der Verdächtigen blieb mit 814 nahezu konstant, wobei 542 Männer, 272 Frauen und 172 Nicht-Deutsche verdächtigt wurden. Im Vergleich dazu verzeichnete die Region Berlin im Jahr 2023 die höchste Anzahl von Cyberkriminalitätsfällen in Deutschland mit 22125 Fällen.

2022 2023
Anzahl erfasste Fälle 2.966 3.254
Anzahl der aufgeklärten Fälle 815 935
Anzahl der Verdächtigen 693 814
Anzahl der männlichen Verdächtigen 475 542
Anzahl der weiblichen Verdächtigen 218 272
Anzahl der nichtdeutschen Verdächtigen 137 172

Quelle: Bundeskriminalamt

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