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Schwerwiegende Justizpanne in Berlin – Verurteilter Vergewaltiger wieder auf freiem Fuß

Ein verurteilter Vergewaltiger ist in Berlin nach einer folgenschweren Justizpanne wieder auf freiem Fuß. Weil ein Gericht Fristen versäumte, wurde der Haftbefehl aufgehoben – der Fall sorgt für Empörung und wirft Fragen zur Organisation der Justiz auf.

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Foto: NF24 / KI

In Berlin sorgt ein folgenreicher Fehler in der Justiz für Empörung: Ein wegen mehrfacher Vergewaltigung verurteilter Mann ist nach einem Formfehler der Richter wieder auf freiem Fuß, obwohl gegen ihn ein langes Hafturteil besteht. Der Fall hat Fragen zu organisatorischen Abläufen und zum Schutz von Opfern aufgeworfen.

Urteil nicht rechtskräftig – Protokoll fehlt

Im Juni 2025 wurde ein heute 37-jähriger Mann am Landgericht Berlin I zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und neun Monaten verurteilt. Er war wegen mehrfacher Vergewaltigung, schwerer Misshandlung und Drohungen gegen seine ehemalige Partnerin schuldig gesprochen worden. Doch die für die Rechtskraft des Urteils erforderlichen Verhandlungsprotokolle wurden nicht rechtzeitig angefertigt.

Nach geltendem Prozessrecht müssen Gerichte unmittelbar nach einem Urteil ausführliche Protokolle erstellen und zustellen, damit der rechtliche Weg zur Revision oder Vollstreckung eröffnet wird. Der verantwortliche Richter am Landgericht versäumte dies über Monate – nach Medienberichten aufgrund gesundheitlicher Probleme.

Kammergericht hebt Haftbefehl auf

Wegen der Verzögerung erklärte das Berliner Kammergericht am 19. Januar 2026, dass der Haftbefehl nicht länger aufrechterhalten werden könne. Die Fortdauer der Untersuchungshaft sei aufgrund „massiver und nicht mehr hinnehmbarer Verzögerungen“ unverhältnismäßig. Daher wurde der Mann freigelassen, obwohl das Urteil formal noch nicht rechtskräftig ist.

Opfer unter Polizeischutz

Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass die Ex-Partnerin des Mannes nun unter Polizeischutz gestellt wurde und sich an einem sicheren Ort befindet. Laut Recherchen hatte der Verurteilte ihr nach Ansicht der Ermittler mehrfach Gewalt angetan und mit Rache gedroht, nachdem sie ihn im Jahr 2024 angezeigt hatte.

Kritik und Diskussion über Justizorganisation

Der Vorfall hat in Berlin und darüber hinaus Kritik an Abläufen innerhalb der Justiz ausgelöst. Experten sehen in dem Fall nicht nur ein individuelles Versagen, sondern auch strukturelle Schwachstellen im Umgang mit Fristen und basalen Verfahrenspflichten. Kritiker betonen, dass solche Fehler das Vertrauen der Öffentlichkeit in rechtsstaatliche Prozesse untergraben können und gefährliche Täter wieder auf die Straße bringen – selbst wenn sie verurteilt wurden.

Ausblick

Die Justiz prüft nun, ob und wie das Urteil inhaltlich doch noch vollstreckt werden kann, etwa nachträglich rechtskräftig gemacht oder über andere rechtliche Wege umgesetzt. Parallel dazu werden dienst- und disziplinarrechtliche Konsequenzen für an dem Verfahren Beteiligte geprüft.

bh
Quellen: t-online.de