Ob Enkeltrick, falsche Bankanrufe oder perfide Online-Maschen: Betrüger haben es gezielt auf ältere Menschen abgesehen. Mit welchen Tricks sie arbeiten – und wie Familien ihre Angehörigen wirksam vor finanziellen Schäden schützen können.
Wenn Betrüger ältere Menschen ins Visier nehmen – so schützen Sie Ihre Angehörigen

Senioren werden in Deutschland und weltweit immer häufiger zum Ziel von Betrügern und Abzockern. Diese nutzen teils perfide Tricks, um Vertrauen zu gewinnen, persönliche Daten auszuspähen oder finanziellen Schaden zu verursachen. Besonders ältere Menschen sind aufgrund ihrer oft größeren Ersparnisse und entgegenkommenden Art ein attraktives Ziel für Kriminelle.
Klassische Maschen: Telefonbetrug, „Enkeltrick“ und Fake-Verträge
Eine besonders verbreitete Betrugsform läuft über das Telefon. Betrüger rufen vermeintlich von einer bekannten Firma oder Behörde an und versuchen mit harmlos klingenden Fragen, wie „Sind Sie Hausbesitzer?“ oder „Hören Sie mich?“ eine Zustimmung am Telefon zu provozieren. Diese „Ja“-Antworten schneiden sie später zu scheinbaren Vertragsabschlüssen zusammen und versuchen, daraus rechtliche Forderungen abzuleiten.
Auch der klassische Enkeltrick ist weiterhin verbreitet: Anrufer geben sich als enge Verwandte aus, behaupten, in finanzieller Not zu sein und fordern schnell Geld – oft mit emotionalem Druck. Senioren sollten in solchen Fällen immer sofort auflegen und die angeblichen Angehörigen über eine bekannte Nummer selbst kontaktieren.
Telefon- und Onlinebetrug – immer raffinierter
Betrüger greifen zunehmend auf Voice Phishing (Vishing) zurück: Sie geben sich am Telefon als Bank, Behörde oder seriös klingende Firma aus, manipulieren Telefonnummern und setzen Opfer unter Zeitdruck, sensible Daten preiszugeben oder Geld zu überweisen. Experten warnen, dass echte Behörden nie per Telefon persönliche Kontodaten verlangen.
Parallel verlagern sich viele Betrugsversuche ins Internet: Fake-E-Mails, angebliche Gewinnspiele oder „technische Sicherheitswarnungen“, die den Empfänger zur Eingabe seiner Daten bewegen sollen, sind weitere gängige Maschen. Werden diese Informationen preisgegeben, können Kriminelle Konten leerräumen oder Identität stehlen.
Neue Varianten und internationale Fälle
Auch außerhalb Deutschlands gibt es erschreckende Fälle: In den USA etwa ermitteln Behörden derzeit gegen Juweliere, die zusammen mit Komplizen ältere Menschen dazu gebracht haben sollen, Bargeld in teurem Gold umzuwandeln und an Kurierdienste zu übergeben – ein großer Betrugs- und Geldwäschefahndungsfall. Solche Fälle zeigen, wie weitreichend und lukrativ Abzocke gegen Senioren organisiert sein kann.
Wie Sie Angehörige wirksam schützen
Bewusstsein schaffen
Der wichtigste Schutz beginnt bei offener Ansprache. Sprechen Sie mit Eltern oder Großeltern über die gängigen Betrugsmaschen: dass niemand am Telefon oder online unaufgefordert nach Geld oder Zugangsdaten fragen sollte und dass es völlig in Ordnung ist, einfach aufzulegen.
Ruhe bewahren – nie übereilt handeln
Kriminelle erzeugen häufig Druck, etwa mit Aussagen über angebliche Notlagen oder drohenden Konsequenzen, um Opfer zu schnellen Entscheidungen zu zwingen. Ein klarer Tipp: Nie sofort handeln, sondern erst prüfen. Rufen Sie im Zweifel Verwandte oder Servicehotlines offiziell bekannter Telefonnummern zurück.
Technische und organisatorische Maßnahmen
Erwägen Sie Telefonnummern zu blockieren, die wiederholt betrügerisch anrufen. Aktivieren Sie Spam-Filter für E-Mails und sorgen Sie dafür, dass Kontoinformationen nur über gesicherte und bekannte Kanäle eingegeben werden. Helfen Sie älteren Angehörigen beim Umgang mit Smartphones und Computern, um Phishing-Links oder dubiose Nachrichten schneller zu erkennen.
Im Ernstfall richtig reagieren
Sollte es dennoch zu einem Betrugsversuch oder finanziellen Verlust kommen, wenden Sie sich umgehend an Polizei und Bank. Viele Banken können Überweisungen stoppen oder betrügerische Zugriffe melden, bevor größere Schäden entstehen. Auch ein Anruf bei der Polizei über die 110 kann helfen, weitere Abzocke zu verhindern und den Vorfall zu dokumentieren.
Betrugsversuche gegen ältere Menschen sind vielfältig und die Methoden werden immer raffinierter. Gleichzeitig gibt es effektive Wege, um sich und Angehörige zu schützen – durch Aufklärung, Wachsamkeit und klare Verhaltensregeln im Umgang mit Anrufen, E-Mails und unbekannten Kontakten. Offenheit statt Scham ist hierbei ein zentraler Baustein, denn nur wer über Risiken Bescheid weiß, kann sie erfolgreich abwehren.








