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Wie 650 Theaterstühle in Bocholt spurlos verschwanden

Im Bocholter Bühnenhaus verschwinden während der Sanierung 650 Theaterstühle spurlos. Die Stadt hat Anzeige gegen den beauftragten Dienstleister erstattet, während die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Bocholt: 650 Stühle aus Theater verschwunden
KI-generiert

In Bocholt (NRW) sorgt ein rätselhafter Vorfall für Aufsehen: Im Bühnenhaus klafft ein großes Loch, wo einst Hunderte von Zuschauern in roten Polstersesseln Platz nahmen. Die gesamte Bestuhlung ist verschwunden, und es wird vermutet, dass die Stühle gestohlen wurden.

Aktuell präsentiert sich das Bocholter Bühnenhaus in einem bizarren Zustand: Nackter Beton und verwaiste Holzstangen sind zu sehen. Rund 650 Theaterstühle, die während der Umbauarbeiten entfernt wurden, sind auf mysteriöse Weise verschwunden. Diese Stühle sollten restauriert und anschließend wieder im Theater eingesetzt werden.

Sanierung des Theaters und das Verschwinden der Stühle

Die umfangreiche Sanierung des Rathauses und des Theaters sollte eigentlich reibungslos verlaufen. Die alten Klappsessel wurden abgebaut, um die roten Sitze aus dem denkmalgeschützten Theatertrakt originalgetreu zu restaurieren und neu zu polstern. Doch nun fehlt von den Stühlen jede Spur. Der Verdacht liegt nahe, dass der beauftragte Dienstleister die Sessel unterschlagen haben könnte.

Die historischen Sitze aus den 1970er Jahren wurden an ein Unternehmen aus Hannover übergeben, das alle erforderlichen Nachweise im Ausschreibungsverfahren erbracht hatte und die Arbeiten zunächst wie vereinbart aufnahm. Doch nach einem letzten Austausch im Frühjahr herrschte plötzlich Funkstille. „Jetzt haben wir keinen Kontakt mehr zu dem Dienstleister“, erklärte Stadtsprecher Nikolaus Kellermann.

Rechtliche Schritte und die Suche nach den Stühlen

Die Stadt Bocholt sah sich gezwungen, Anzeige gegen den Geschäftsführer des Polstereibetriebs zu erstatten, nachdem mehrere Mahnungen unbeantwortet blieben. Die Staatsanwaltschaft Hildesheim hat die Ermittlungen aufgenommen. Wo sich die verschwundenen Stühle befinden, bleibt unklar. Laut Stadt greift in einem solchen Fall keine Versicherung, da es sich um ein „allgemeines Geschäftsrisiko“ handelt.

Trotz der ungewissen Situation möchte Bocholt den Fall nicht ruhen lassen und plant, einen vollstreckbaren Titel gegen den Verantwortlichen zu erwirken.

Folgen für das Theater

Der gesamte Theatersaal ist nun leer, und die Stadt bereitet bereits eine Ersatzbeschaffung vor, um den Zeitplan für die Fertigstellung des Bühnenhauses nicht zu gefährden. „Da derzeit davon ausgegangen werden muss, dass die Stühle vorerst verschwunden bleiben, ist dies notwendig“, so Kellermann. Die finanziellen Auswirkungen auf das bereits mit über 45 Millionen Euro veranschlagte Großprojekt sind bislang noch unklar.

Die Sanierungsarbeiten am Rathaus und Bühnenhaus in Bocholt laufen weiterhin, während die Suche nach den verschwundenen Stühlen fortgesetzt wird.


Quellen: Bild

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Ronny Winkler