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Angriff auf Gefangenenlager: UN kündigen Untersuchung an

In einem Kriegsgefangenenlager in der Ostukraine wurden 50 Inhaftierte getötet. Die Ukraine und Russland beschuldigen jeweils den anderen. Nun kündigt die UN eine Untersuchung an.

Eoin Satellitenfoto zeigt das Gefangenenlager von Oleniwka in der östlichen Provinz Donezk, nachdem bei einem Angriff auf das Gefängnis ukrainische Soldaten getötet wurden.
Foto: Uncredited/Maxar Technologies/AP/dpa

Knapp eine Woche nach dem verheerenden Angriff auf ein Kriegsgefangenenlager in der Ostukraine hat UN-Generalsekretär António Guterres eine Untersuchung angekündigt. Die Vereinten Nationen hätten sowohl von Russland als auch von der Ukraine ein entsprechendes Gesuch erhalten, sagte Guterres in New York. Er sei «nicht dazu befugt, strafrechtliche Ermittlungen aufzunehmen», könne jedoch eine Untersuchungsmission einleiten. Die Vorbereitungen dazu liefen.

Bei dem Angriff auf das Gefangenenlager im ostukrainischen Oleniwka wurden vor rund einer Woche Dutzende ukrainische Kriegsgefangene getötet. Der Ort liegt nahe der Stadt Donezk auf Gebiet, das von russischen Soldaten und prorussischen Kämpfern kontrolliert wird. In der Gefängnisbaracke soll nach russischen Angaben in der Nacht zum vergangenen Freitag eine Rakete eingeschlagen sein. Das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte später die Namen von 50 getöteten und mehr als 70 verletzten Gefangenen.

Moskau und Kiew geben sich gegenseitig die Schuld an dem Angriff. So erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag, es sei «absolut bewiesen», dass die Ukraine dort ihre eigenen, in Kriegsgefangenschaft geratenen Soldaten getötet habe. «Dafür gibt es Beweise und hier kann nichts verborgen werden.»

Internationale Recherchen belasten allerdings vor allem die russische Seite. So schrieb etwa das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) kürzlich: «Das ISW geht davon aus, dass russische Truppen für die Tötung von 53 ukrainischen Kriegsgefangenen verantwortlich waren.»

Die Zweifel an der russischen Version nährt der Umstand, dass es keine Zeugen für den Anflug der angeblichen ukrainischen Rakete gibt. Zudem wurden offenbar nur Gefangene und keine russischen oder prorussischen Wachleute getroffen. Satellitenbilder zeigen darüber hinaus verhältnismäßig geringe Schäden an dem Gebäudekomplex – was aus Sicht der US-Experten darauf hindeuten könnte, dass möglicherweise ein Brand- oder Sprengstoff im Innern einer Baracke gezündet wurde.

dpa