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Putin-Soldaten verweigern Kampf

Putins militärische Probleme scheinen sich weiter zu verschärfen. Seine Soldaten verweigern den Kampf.

Ein ukrainischer Soldat steht auf einem Panzer in der Region Donezk.
Foto: David Goldman/AP/dpa

Ein Video einer Einheit prorussischer Milizen aus der selbsternannten Volksrepublik Luhansk (LPR) sorgt aktuell für Aufsehen im Netz. In diesem erklären die Kämpfer, dass sie sich weigern, weiter in der Region Donezk in den Kampf zu ziehen.

Die Soldaten sagten, sie hätten ihre Pflicht erfüllt, indem sie der LPR die Kontrolle über ganz Luhansk gesichert hätten, die bereits im Juli 2022 eingenommen wurde. Mehr dazu erfahren sie in der Übersicht der aktuellen Lage des Ukraine-Krieges.

Ukraine-Krieg: Aktuelle Lage!

Die kriegsgeplagte Ukraine mobilisiert zum zweiten Mal internationale Unterstützung für die Rückholung der 2014 von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim. Beim Online-Gipfel der sogenannten Krim-Plattform soll auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprechen. Angekündigt sind mehr als 50 Teilnehmer aus Europa, Asien, Amerika und Afrika. Das Format werde in diesem Jahr mit mehr Teilnehmern und mehr besprochenen Themen ausgeweitet, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj.

Zugleich wächst in Kiew die Nervosität vor möglichen russischen Raketenangriffen auf ukrainische Städte, weil wichtige Feiertage anstehen. Am Dienstag begeht die Ukraine den Tag ihrer blau-gelben Staatsfahne. Am Mittwoch ist Unabhängigkeitstag. Das Datum fällt zusammen mit einem halben Jahr der russischen Invasion, die am 24. Februar begonnen hatte. Der ukrainische Militärgeheimdienst mahnte die Bürger zu erhöhter Vorsicht: «Luftalarm ist ein ernsthaftes Signal, und alle sollten ihn beachten.»

Der russische Präsident Wladimir Putin zeichnete die bei einem Anschlag getötete Kriegsunterstützerin Darja Dugina posthum mit dem Tapferkeitsorden aus.

Krim-Plattform tagt zum zweiten Mal

Erstmals hatte die Ukraine 2021 mit internationalen Unterstützer beraten, wie die verlorene Krim zurückgeholt werden könnte. Als die Ukraine 2014 geschwächt war, hatte Russland die Halbinsel am Schwarzen Meer militärisch besetzt und nach einem international nicht anerkannten Referendum annektiert. Fast alle Staaten rechnen die Krim völkerrechtlich weiter zur Ukraine.

In dem von Putin befohlenen Krieg nutzt Russland die Krim für Angriffe auf die Südukraine. In den vergangenen zwei Wochen haben aber Explosionen auf russischen Militäranlagen den Krieg zurück auf die Touristen-Halbinsel getragen. Selenskyj und seine Führung sprechen von einer kommenden Rückeroberung der Krim.

Bei der Krim-Plattform sollen neben Scholz auch Kanadas Premierminister Justin Trudeau, Japans Ministerpräsident Fumio Kishida und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sprechen.

Russische Flugabwehr über Sewastopol im Einsatz

Wie in den Nächten zuvor war die russische Flugabwehr auf der Krim auch am Montag im Einsatz gegen mutmaßliche ukrainische Drohnen. Über Sewastopol, dem Heimathafen der russischen Schwarzmeerflotte, hörten Anwohner Explosionen. «Ein Objekt wurde in großer Höhe abgeschossen. Deshalb war der Krach in verschiedenen Teilen der Stadt zu hören», schrieb Verwaltungschef Michail Raswoschajew auf Telegram. Meldungen über Schäden gab es nicht. In Kiew kündigte Selenskyjs Berater Mychajlo Podoljak an, die Intensität solcher Angriffe werde zunehmen.

Im größtenteils besetzten Gebiet Cherson griffen ukrainische Truppen am Montag den Staudamm von Nowa Kachowka am Dnipro an, um ihn für russische Truppen unpassierbar zu machen. Dabei seien die Mehrfachraketenwerfer Himars aus den USA eingesetzt worden, teilte die russische Besatzungsverwaltung mit. Zwei Menschen seien getötet worden. Ukrainische Bestätigungen gab es nicht. Mit solchen Angriffen versucht die ukrainische Armee aber systematisch, die Versorgungswege für russische Truppen auf dem rechten Ufer des Dnipro abzuschneiden.

Im Osten der Ukraine gingen die russischen Attacken mit schwerem Artilleriefeuer und Luftangriffen weiter, wie der ukrainische Generalstab mitteilte. Nach Selenskyjs Angaben hat Russland seit Kriegsbeginn 3500 Marschflugkörper auf die Ukraine abgefeuert. Die Artilleriegeschosse seien nicht zu zählen, so intensiv sei das Feuer.

Orden von Putin für tote Nationalistin Dugina

Zwei Tage nach dem Tod der nationalistischen Publizistin Dugina zeichnete Präsident Putin sie mit dem Tapferkeitsorden aus. Gewürdigt wurde nach Angaben des Kremls ihre «Tapferkeit und Hingabe bei der Erfüllung ihrer professionellen Aufgabe». Dugina, Tochter des rechtsnationalistischen und imperialistischen Philosophen Alexander Dugin, war am Sonntag durch einen Autobombe getötet worden. Quellen im Sicherheitsapparat sagten der Agentur Tass, dass der Anschlag wirklich der Tochter (29) gegolten habe, nicht dem Vater.

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB teilte am Montag angebliche Ermittlungsergebnisse mit, wonach eine Ukrainerin im Auftrag Kiewer Geheimdienste Dugina ermordet haben soll. Danach sei sie mit ihrer Tochter nach Estland ausgereist. Die Ukraine bestreitet jede Verantwortung für den Anschlag. Experten verwiesen auf zahlreiche Ungereimtheiten in den angeblichen Beweisen, die der FSB vorlegt.

Der estnische Außenminister Urmas Reinsalu wies die Behauptung einer Flucht der angeblichen Attentäterin in sein Land zurück. Nach gegenwärtiger Einschätzung des Außenamts in Tallinn handele es sich um russische Propaganda, sagte er im estnischen Rundfunk.

Ukraine arbeitet enger mit ihren Nachbarn zusammen

Die Ukraine und ihre EU-Nachbarländer haben zur Stärkung ihrer regionalen Zusammenarbeit die sogenannte Kiewer Initiative gegründet. Das teilte Selenskyj in Kiew mit. Er nannte die Nachbarn Polen, Rumänien, Slowakei und Ungarn sowie die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen als Teilnehmer. Die Zusammenarbeit stehe anderen Ländern offen. Man wolle vor allem in Sicherheitsfragen kooperieren, sagte Selenskyj.

Das wird am Dienstag außerdem wichtig

Russland hat für Dienstag den UN-Sicherheitsrat in New York wegen der Kämpfe um das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja angerufen. Moskau begründete das mit angeblich andauerndem ukrainischem Beschuss auf das Kraftwerksgelände, das russische Truppen besetzt haben. Kiew wiederum betont stets, die Russen würden das AKW selbst beschießen.

Putin-Soldaten verweigern Kampf

„Bereits am 15. August 22 verbreiteten ukrainische soziale Medienkanäle ein Video, das angeblich Elemente einer militärischen Einheit der selbsternannten Volksrepublik Luhansk (LPR) zeigt, die eine Erklärung abgeben, in der sie sich weigern, im Rahmen von Offensivoperationen im Gebiet Donezk eingesetzt zu werden“, schrieb das britische Verteidigungsministerium.

Dem Bericht zufolge seien Putins Soldaten nicht bereit, trotz Drohungen und Einschüchterungen durch hochrangige Kommandeure im Gebiet Donezk in den Kampf zu ziehen.

Analysten des Verteidigungsministeriums erklärten, dass Putins Armee große Schwierigkeiten habe, ihre Streitkräfte im Donbass mit neuen Rekruten zu verstärken. Wenn Russlands seine Kampfkraft aufrechterhalten will, müssten Putins Kommandeure daher auf direkte finanzielle Anreize zurückgreifen.

„Ein durchgängiger Faktor, der zu diesen Problemen beiträgt, ist Russlands Einstufung des Krieges als ‚besondere Militäroperation‘, die die rechtlichen Zwangsbefugnisse des Staates einschränkt“, erklären die Experten.

dpa, jw
Quellen: news.de