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Polizisten töten zwei Mädchen

Laut Obduktionsbericht führten brutale Schläge auf den Kopf zur Zertrümmerung von Schädel und Nase.

Foto: NF24 / Canva

Immer wieder hört man in Bezug von Gewalt seitens der Polizei den Begriff „Polizeibrutalität“. Dieser wird verwendet, um verschiedene Menschenrechtsverletzungen durch die Polizei zu bezeichnen. Dazu gehören Schläge, rassistische Beschimpfungen, ungesetzliche Tötungen, Folter oder der wahllose Einsatz von Einsatzkräften bei Protesten.

Im schlimmsten Fall kann die unrechtmäßige Anwendung von Gewalt durch die Polizei dazu führen, dass Menschen ihr Recht auf Leben genommen wird. Wenn die Polizei unnötige oder übermäßige Gewalt anwendet, kann dies auch auf Folter oder andere Misshandlungen hinauslaufen.

Rechtswidrige Gewaltanwendung durch die Polizei kann auch gegen das Recht auf Freiheit von Diskriminierung, das Recht auf Freiheit und Sicherheit und das Recht auf gleichen Schutz vor dem Gesetz verstoßen.

Tod durch die Sittenpolizei

Genau darum handelt es sich bei der brutalen Niederschlagung der Proteste gegen den Hidschab durch das iranische Regime. Grund der Proteste: Der Tod von Mehsa, 22, aus Kurdistan, die von der gefürchteten iranischen Sittenpolizei verhaftet und ermordet wurde. Sie hätte angeblich einen Kopftuch getragen, dass ihr Haar nicht vollständig bedeckte und wurde daraufhin brutal ermordet.

Offiziell hieß es, Mehsa habe einen Herzinfarkt erlitten und sei ins Krankenhaus gebracht worden. Mehsas Familie ist sich sicher, dass sie von den Wachen ins Koma geprügelt worden war.

Durchgesickerten medizinischen Berichten zufolge erlitt sie nach einem „Schlag auf den Kopf“ eine Schädelfraktur. Ihr Tod löste im ganzen Iran wütende Proteste aus, und mutige Frauen wurden dabei gefilmt, wie sie ihre Kopftücher verbrannten, während sie ein Ende des Ayatollah-Regimes forderten.

Brutale Niederschlagung der Proteste

Nun sind in der Folge der Proteste zwei weitere junge Mädchen ermordet worden. Die 16-jährige YouTuberin Sarina Esmailzadeh starb laut Amnesty International, nachdem Sicherheitskräfte ihr mit Schlagstöcken auf den Kopf geschlagen hatten. Ihr Tod wurde gemeldet, als die Behörden die Leiche der furchtlosen Teenagerin an ihre Familie übergaben. Diese hatte zehn Tage lang nach ihr gesucht bevor sie vom Tod erfuhren.

Die 17-jährige Nika Shahkarmi war am 20. September während einer Protestkundgebung in der Hauptstadt Teheran verschwunden. Nikas Tante, sagte gegenüber BBC Farsi, sie habe das Haus mit einer Flasche Wasser und einem Handtuch verlassen, die, wie sich später herausstellte, zur Bekämpfung von Tränengas dienten.

In ihrem letzten Telefonat mit einem Freund sagte sie, sie sei „auf der Flucht vor Sicherheitsbeamten“. In dieser Nacht wurden ihre Telegram- und Instagram-Konten gelöscht und ihr Mobiltelefon war tot.

Ihre Familie verbrachte die nächsten zehn Tage damit, in Gefängnissen, Krankenhäusern und sogar in der Leichenhalle nach ihr zu suchen. Schließlich erfuhren sie, dass ein Mädchen, auf das ihre Beschreibung passte, in der Leichenhalle von Kahrizak lag.

Ihr Körper wies Anzeichen eines Schädelbruchs auf und ihre Nase war zertrümmert worden, heißt es. Als offizielle Todesursache wurde ein Sturz aus der Höhe angegeben, aber die Angehörigen glauben das nicht.

300 Opfer des Regimes

Nach Angaben von Amnesty sind seit dem Tod von Mehsa Amini im vergangenen Monat mindestens 52 Menschen bei Protesten im Iran getötet worden. Aktivisten im Iran gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl inzwischen bei über 300 liegt.

In einem verzweifelten Versuch, die Proteste zu unterdrücken, schlossen die Behörden in Panik die sozialen Medien und einen großen Teil des Internets. Paramilitärische Polizisten und Soldaten der Revolutionsgarden wurden außerdem angewiesen, mit tödlicher Gewalt „gnadenlos gegen Zivilisten vorzugehen“.

„Die iranischen Behörden haben wissentlich beschlossen, Menschen zu verletzen oder zu töten, die auf die Straße gegangen sind, um ihrer Wut über jahrzehntelange Unterdrückung und Ungerechtigkeit Ausdruck zu verleihen“, sagte Agnes Callamard von Amnesty.

Auch weltweit kam es zu Protesten, und eine wachsende Zahl von Politikern und Prominenten hat ihre Unterstützung zum Ausdruck gebracht.

YY
Quellen: thesun.co.uk, amnesty.org