Im Jahr 1938 wird ein blinder Passagier an Bord eines dänischen Paketboots entdeckt. Die Crew steht vor einer moralischen Zerreißprobe.
Theater in München am 11.06.26: Der blinde Passagier

1 Stunde 45 Minuten, keine Pause
Premiere am 21. Mai 2026
1938. Ein dänisches Paketboot liegt vor der deutschen Küste bereit zur Abreise in die Heimat. An Bord befinden sich Kapitän Petersen, seine Kinder Carl und Nina sowie Steuermann Jörgen, Ninas Verlobter. Am frühen Morgen hat Carl einen Mann aus dem kalten Wasser gezogen und ihm so das Leben gerettet. Der fremde Mann heißt Fritz Hartmann und wird als jüdischer Arzt von den Nationalsozialisten verfolgt. Er braucht Hilfe und hofft auf einen Weg über die Grenze. Ohne zu zögern versteckt Carl ihn unter Deck. Doch lange bleibt der blinde Passagier an Bord des kleinen Schiffs nicht unentdeckt und das eben noch sichere Versteck wird zunehmend zur Gefahr. Denn auch wenn Carl und Nina dem Mann in Not über die deutsche Grenze helfen wollen, möchte vor allem Jörgen kein Risiko eingehen. Die Situation spaltet die vierköpfige Crew und drängt sie in eine moralische Zerreißprobe, deren Ausgang womöglich über Leben und Tod entscheidet.
„Der blinde Passagier“ ist eines von insgesamt drei Theaterstücken aus dem erst kürzlich veröffentlichten Nachlass der österreichischen Schriftstellerin Maria Lazar. 1938 / 1939 im dänischen Exil entstanden, zu einer Zeit also, in der Lazar selbst aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurde, fragt die Autorin in diesem Stück in aller Schärfe und mit viel Präzision nach Menschlichkeit und gesellschaftlicher Verantwortung im Angesicht faschistischer (Un-)Rechtssysteme. Denn: Halten Werte stand, auch wenn sie das eigene Wohl bedrohen? Und wie viel ist man tatsächlich bereit, für einen Fremden zu riskieren? Ein dichtes und poetisches Drama über Widerstand und Zusammenhalt, das von erschütternder Aktualität ist.
Regie: Adrian Figueroa
Bühne: Irina Schicketanz
Kostüme: Malena Modéer
Musik: Ketan Bhatti
Video: Benjamin Krieg
Mitarbeit Video: Elena Tilli
Lichtdesign: Anja Sekulic
Dramaturgie: Anouk Kesou
Regieassistenz: Yuan Yi Danneil, Rebecca Fischer
Bühnenbildassistenz: Ines Grassmann
Kostümassistenz: Julie Fritsch
Besetzung
Petersen, Kapitän: Jonathan Müller
Nina, seine Tochter: Lola Dockhorn
Carl, sein Sohn, Leichtmatrose: Cedric Stern
Die Mutter: Carolin Hartmann
Jörgen, Steuermann: Alexandros Koutsoulis
Hartmann, ein Fremder: Silas Breiding
Hafenpolizei: Frederik Itzenplitz, Mark Olaf Schmitz, Pascal Teichmüller, Oliver Wütscher
Hinweise zur Insenzierung
- Die Inszenierung thematisiert Suizid und Antisemitismus
- Einsatz von Stroboskoplicht
- Einsatz von Zigaretten und Kräuterzigaretten
- Einsatz von Schussgeräuschen
Theater
15.00-43.00 €
Münchner Volkstheater GmbH
Münchner Volkstheater
Tumblingerstraße 29, 80337, München
Do. 11.06.26 19:30
Bewertungen
Das Theater hat eine besondere Atmosphäre, die von düsteren Bühnenbildern und beeindruckenden Schauspielern geprägt ist. Die Inszenierungen sind spannend und von hoher Qualität, auch wenn die Geschichten manchmal etwas unglaubwürdig wirken. Insgesamt lohnt es sich definitiv, sich die Aufführungen anzusehen.
Die Theaterinszenierungen im Retro-Futurismus-Stil sind schaurig-schön und tiefgründig. Die Mischung aus Melancholie und Pop-Ästhetik fesselt das Publikum und regt zum Nachdenken über die Zukunft an. Die Inszenierungen sind emotional packend und stellen kluge Fragen. Ein absolutes Highlight, das mutig und skeptisch neue Wege geht.
Die Inszenierung des Stücks „Pioniere in Ingolstadt“ zeigt eindrücklich die Hierarchien und Machtstrukturen der Zeit vor 100 Jahren. Die Darstellung der Unterdrückung und Ausbeutung von jungen Frauen und Männern ist realistisch und beeindruckend. Die schlichten Bühnenbilder und die Leistung der jungen Schauspieler tragen zur gelungenen Umsetzung bei.
Die Gesamtbewertung des Veranstaltungsorts beträgt 4,70/5 Sternen.









