Im Film „The Lobster“ wird eine restriktive Partnerschaft erzwungen, die Figuren kämpfen um Selbstausdruck und Liebe, während die Zeit rennt. David flieht in den Wald, wo er auf eine Frau trifft.
Theater in München am 19.06.26: The Lobster

Ankunft im Hotel – und damit 45 Tage Zeit, einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Das gemeinsame Leben in unbeschwerter Zweisamkeit zum Greifen nah! Zur Produktion perfekter Paare braucht es nur ein gemeinsames Merkmal. Wer es nicht schafft, sich während des Aufenthaltes in jemanden zu verlieben, wird in ein Tier verwandelt. In dieser Mission rattert die Mechanik des Hotels erbarmungslos über seine Gäste hinweg. Unter ihnen David, er ist kurzsichtig und trägt eine Brille.
In ihrem Film „The Lobster“ erschaffen Drehbuchautor Efthimis Filippou und Regisseur Yorgos Lanthimos ein restriktives System der erzwungenen Verpartnerung. Mit hohler und überspezifischer Sprache zeichnen sie ein gestochen scharfes Bild gesellschaftlichen Zusammenlebens. Deplatziert und ferngesteuert stolpern die Figuren durch diese Welt, jeder Versuch des Selbstausdrucks scheitert und währenddessen rennt die Zeit. Der scheinbare Ausweg: der Wald. Hier leben Einzelgänger*innen nach kompromisslosem Regelwerk, zwischen ihnen ist jegliche Annäherung untersagt. Zu ihnen flieht David, unwissend, wie sehr es schmerzt, allein zu sein. Sie weiß das bereits: die Frau mit derselben durchschnittlichen Kurzsichtigkeit, der er hier begegnet.
Lucia Bihler, die zuletzt „Die Zofen“ am Münchner Volkstheater inszenierte, nimmt sich des Oscar-nominierten Drehbuchs von „The Lobster“ an und überträgt Lanthimos‘ entmenschlichte Systeme in formstarke Theaterwelten. Zwischen verrenkten Körpern und erlernten Konstrukten tasten die Figuren blind nach alternativen Konzepten und der (Un)Möglichkeit von Liebe und Intimität.
2 Stunden 10 Minuten, eine Pause
Deutsche Erstaufführung
Premiere am 26. September 2024
Hinweise zur Inszenierung
- Die Inszenierung enthält Darstellungen von Gewalt und Suizid
- Es kommt zum Einsatz von Kräuterzigaretten
Theater
15.00-43.00 €
Münchner Volkstheater GmbH
Münchner Volkstheater
Tumblingerstraße 29, 80337, München
Fr. 19.06.26 19:30
Bewertungen
Das Theater hat eine besondere Atmosphäre, die durch die beeindruckenden Bühnenbilder und die hervorragenden Schauspieler geschaffen wird. Die Inszenierungen sind spannend und fesselnd, auch wenn manchmal die Handlung etwas unglaubwürdig erscheinen mag. Dennoch lohnt es sich, die Aufführungen anzuschauen, da die Qualität und Spannung selten zu finden sind.
Die Theaterinszenierungen im Retro-Futurismus-Stil sind schaurig-schön und tiefgründig. Sie bieten einen Mix aus Melancholie und Pop-Ästhetik, der trotz technischer Kälte emotional packend ist. Die Inszenierungen stellen kluge Fragen zur Zukunft und bieten ein bildgewaltiges Highlight, das mutig und skeptisch klassische Werke neu interpretiert. Absolut sehenswert!
Die Inszenierungen im Theater zeigen eindrucksvoll die Problematik von Hierarchien, Machtstrukturen und Unterdrückung. Mit schlichten Bühnenbildern und wenigen Worten werden die Geschichten realistisch und eindrucksvoll dargestellt. Die Darstellungen der Regie und der jungen Schauspieler sind gut gelungen und bieten einen Einblick in das Leben vor 100 Jahren.
Die Bewertung des Veranstaltungsortes beträgt 4,70/5 Sternen.









