Das Konzert „Orgel & Lyrik“ vereint die Poesie von Jan Wagner mit der Musik von Johann Sebastian Bach und Erik Satie. Eine einzigartige Verbindung von Wort und Klang.
Lesungen in Berlin am 03.05.26: Orgel und Lyrik

„Orgel & Lyrik“ – Konzert (IX)
„Die Welt im Detail – Poesie, die hinsieht.“
Oder
„Wo das Kleine groß wird.“
Dichter: Jan Wagner
Orgel: Jack Day
Kuration: Thomas Wohlfahrt
Aufzeichnung von Deutschlandfunk- Kultur
Orgel & Lyrik
Dichter des Abends ist Jan Wagner.
Jan Wagner gehört zu den markantesten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartslyrik. Seine Gedichte verbinden eine präzise Beobachtung der Welt mit spielerischer Sprachkunst und einer großen Aufmerksamkeit für scheinbar alltägliche Dinge. Jan Wagner gelingt es, aus kleinen Gegenständen, Momenten oder Naturbeobachtungen poetische Miniaturen zu formen, die zugleich humorvoll, klangvoll und überraschend tiefgründig sind; Bilder zur Welt eben.
Jan Wagner wurde u.a. mit dem Büchnerpreis geehrt. Als einziger Dichter bisher erhielt es den Preis der Leipziger Buchmesse.
„Orgel & Lyrik“ (IX)
Zu hören sind Werke von
Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
+Fuge G-Dur, BWV 550,
+Triosonate Es – Dur, BWV 525, 3. Satz
Erik Satie (1866 – 1925) Auszug aus Sports et divertissements
Norbert Fröhlich (*1960),
+Interludien zur Lyrik
+Vier Töne für Jan Wagner
An der Orgel Jack Day
Dichter des Abends ist Jan Wagner
Jan Wagner, 1971 in Hamburg geboren, studierte Anglistik an den Universitäten Hamburg und Dublin.
Sein Debütband, „Probebohrung im Himmel“ erschien 2001. Seitdem veröffentlichte Wagner acht vielbeachtete Lyrikbände, Essays und Übersetzungen. Besonders bekannt wurde er mit dem Gedichtband „Regentonnenvariationen“ (2014), für den er als erster Lyriker überhaupt den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt.
Zentrales Merkmal seiner Gedichte ist die intensive Beschäftigung mit dem Konkreten und dafür die genaue Sprache zu finden. Wagner schreibt häufig über Dinge, die im Alltag leicht übersehen werden: Pflanzen, Tiere, Werkzeuge oder einfache Situationen. Wagner macht bewusst, wie reichhaltig selbst ein scheinbar banales Objekt sein kann. Poetisches, Poesiewürdiges oder Welthaltiges ist nicht ausschließlich in großen Themen, sondern auch im Unscheinbaren zuhause.
Gleichzeitig zeichnet sich Wagners Lyrik durch große formale Präzision aus, die leicht und ungekünstelt daherkommt. Seine Gedichte versammeln sorgfältig gebaute Verse, die häufig in klaren Strophen organisiert sind. Wagner greift dabei immer wieder auf traditionelle Formen, von Sonett, Ghasele bis Haiku zurück, ohne dabei altmodisch zu wirken. Vielmehr nutzt er Reime, Klangfiguren und strukturierte Versformen als Mittel, um Sprache besonders lebendig werden zu lassen. Seine Gedichte sind musikalisch und wirken leicht, obwohl sie handwerklich von höchst komplexer Natur sind.
Sein Dichten ist häufig mit einem leisen, manchmal ironischen Ton versehen. Dieser Humor entsteht oft aus überraschenden Vergleichen oder dem Zusammenschalten ungewöhnlicher Perspektiven: ein Tier, eine Pflanze oder ein Gegenstand kann plötzlich mit etwas völlig anderem verschaltet werden, wodurch neue Bedeutungen entstehen. Die Dinge mal anders zu sagen, ein Wesensmerkmal poetischen Arbeitens, beherrscht Jan Wagner meisterhaft. Diese spielende Bildsprache lädt ein, bekannte Dinge neu zu sehen.
Viele Gedichte beschäftigen sich mit Gärten, Landschaften oder Tieren. Romantische Naturverklärung ist dabei sein Anliegen nicht. Stattdessen beschreibt er Natur sehr genau und konkret, oft mit fast wissenschaftlicher Aufmerksamkeit für Details. Gerade diese Präzision macht seine Gedichte anschaulich und glaubwürdig. Die Natur ist als lebendige, vielfältige, manchmal auch rätselhafte Welt dargestellt, deren bildgebendes Verfahren eben die Sprache ist.
Darüber hinaus zeigt Wagners Lyrik eine starke intertextuelle Dimension. Dazu äußert er sich auch essayistisch. Als Übersetzer und Literaturkenner bezieht er sich immer wieder subtil auf literarische Traditionen und andere Dichter. Diese Bezüge fügen sich organisch in seine Gedichte ein. Sie zeigen, dass seine Poesie Teil eines größeren literarischen Gesprächs ist. Wagner hat u. a. Dichter wie Ted Hughes, Matthew Sweeney oder Dylan Thomas übertragen. Dabei zeigt sich seine Fähigkeit, unterschiedliche poetische Kosmen differenziert so ins Deutsche zu bringen, dass hervorragende Gedichte wie neu entstehen.
Insgesamt lädt Jan Wagners Lyrik dazu ein, langsamer zu schauen, genauer hinzuhören und die Sprache selbst als ein kreatives Spiel zu entdecken. Gerade in der Verbindung aus Präzision, Leichtigkeit und Überraschung leisten seine Gedichte einen so unschätzbaren Beitrag zur modernen deutschsprachigen Literatur.
Jack Day ist seit 2017 Kantor an der Luisenkirche Berlin-Charlottenburg, wo er die Konzeption der neuen Reil-Orgel leitete und die Kirche zu einem Ort für Rundfunkgottesdienste entwickelte. 2024 realisierte er eine von der Berliner Senatsverwaltung geförderte Konzertreihe mit Orgelkonzerten von C.P.E. Bach und Händel. Zu seinen Projekten zählen Solokonzerte an historischen Instrumenten, Auftritte im Babylon Kino Berlin und Gastspiele bei renommierten Festivals wie dem Organ Cinema Festival in Lubin, der Philharmonie Gdańsk und am Trinity College Cambridge. Jack Day wurde u.a. mit dem 2. Preis des Internationalen Gabler Orgelwettbewerbs und dem Knecht-Preis der Stadt Biberach (beide 2021) ausgezeichnet und schloss sein Masterstudium in Orgelimprovisation an der Musikhochschule Stuttgart 2024 ab.
Thomas Wohlfahrt, geboren 1956 in Eisenach, studierte Germanistik und Musikwissenschaften in Halle/Saale und arbeitete von 1983 bis 1988 an der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin-Ost. Nach seinem Weggang aus der DDR, 1988, gründete und leitete er seit 1991 die Literaturwerkstatt Berlin und seit 2016 das Haus für Poesie, zudem das poesiefestival berlin, das ZEBRA Poetry Film Festival sowie den open mike. Er initiierte und leitete internationale Großprojekte wie z.B. den Literatur Express Europa 2000 oder die weltumspannende Webseite lyrikline.org.
Vorschau:
Deutschlandfunk-Kultur sendet dieses Konzert am 17.05.26 um 22:05 Uhr.
twohlfahrt@gmx.de. Press Tab to insert.
Lesungen
10.00-9.99 €
Berliner Orgelkonzerte mit Jack Day
Luisenkirche
Gierkeplatz 4, 10585, Berlin
So. 03.05.26 19:00
Bewertungen
Die Luisenkirche wird als Veranstaltungsort sehr positiv bewertet. Besucher loben die schöne Umgebung und die Atmosphäre in der Kirche. Die Orgelbegleitung bei Stummfilmen wird besonders hervorgehoben, da sie die Dramaturgie der Filme unterstreicht. Auch die musikalische Darbietung bei Konzerten wird gelobt, insbesondere die Vielfalt der Instrumente und die kreative Verbindung von Musik und digitalen Bildern auf einer Leinwand.
Insgesamt erhält die Luisenkirche eine Bewertung von 4,67/5 Sternen, was darauf hindeutet, dass die Besucher sehr zufrieden mit dem Veranstaltungsort sind und ihn weiterempfehlen würden.









