Im Prozess gegen einen 20-jährigen Angeklagten in Berlin werden schwere Vorwürfe erhoben, darunter Bedrohung und versuchter Nötigung. Ermittlungen zeigen, dass organisierte Gruppen wie die türkische Gen-Z-Mafia für einen Anstieg von Gewaltverbrechen mit Schusswaffen verantwortlich sind.
Prozess in Berlin: 20-Jähriger steht wegen Schüssen auf Autohaus vor Gericht

Im Amtsgericht Tiergarten in Berlin begann eine Verhandlung, in der ein 20-jähriger Angeklagter ohne festen Wohnsitz im Mittelpunkt steht. Der Mann, der in schwarzer Kleidung erschien, sieht sich ernsthaften Vorwürfen gegenüber, darunter Bedrohung, Sachbeschädigung, versuchte Nötigung sowie Verstöße gegen das Waffengesetz. Ihm wird vorgeworfen, im März elf Mal auf die Fassade eines Autohauses in Oldenburg geschossen zu haben. Vor dem Vorfall soll er sich in einem Hotel in Berlin-Neukölln aufgehalten haben.
Im Verlauf der Gerichtsverhandlung wurden Videoaufnahmen gezeigt, die den Angeklagten und einen Komplizen zeigen, während sie am 11. März im Hotel auf den Fahrstuhl warten. Der Verdächtige, der als B. identifiziert wurde, trägt weiße Sneaker mit schwarzer Sohle. Ein weiteres Video, das auf dem Handy von B. gefunden wurde, zeigt seine Beine in einer schwarzen Hose, während er eine Waffe hält. Zudem ist ein Bildschirm zu sehen, auf dem ein türkisches Rap-Video mit dem Titel “Dalton is back” zu sehen ist. Diese Bezeichnung bezieht sich auf eine Gruppierung innerhalb der sogenannten türkischen Gen-Z-Mafia, die sich nach den Banditen aus dem Comic-Klassiker Lucky Luke benannt hat.
Zusammenhänge der organisierten Kriminalität
Die türkische Gen-Z-Mafia, zu der auch die Daltons zählen, hat ihren Einfluss von der Türkei nach Europa und Deutschland ausgeweitet. Der Präsident des Bundeskriminalamtes erklärte, dass diese Gruppierungen häufig nach Comic-Figuren benannt werden und gezielt junge Männer rekrutieren, um Straftaten zu begehen. Die Hauptaktivitäten dieser Gruppen konzentrieren sich auf die Erpressung von Gewerbetreibenden, wobei die Täter oft aus der kurdisch-türkischen Community stammen.
Die Methoden der Erpressung beinhalten häufig das Abfeuern von Schüssen auf Geschäfte, um eine Drohkulisse zu erzeugen. Diese Schüsse werden meist nachts abgegeben, wobei die Täter gezielt nach oben schießen, um zu demonstrieren, dass sie im Besitz von Waffen sind, ohne dabei Menschen zu verletzen. Ermittler berichten, dass die Täter oft ihre Taten filmen, um das Material als Druckmittel bei den Erpressungen zu verwenden.
Erpressung und Gewalt in der Hauptstadt
Die Beträge, die bei Erpressungen gefordert werden, sind häufig beträchtlich. In einem aktuellen Verfahren wird eine Summe von 500.000 Euro genannt, die ein weiterer Angeklagter, M., zahlen soll. Auf B.s Handy wurden Nachrichten entdeckt, die eine klare Drohung enthalten: M. hat 24 Stunden Zeit, um das Geld zu übergeben, andernfalls droht ihm Gewalt.
Die Polizei stellt in den letzten Jahren einen signifikanten Anstieg von Gewaltverbrechen mit Schusswaffen fest. Im Jahr 2025 wurden 1.119 Fälle registriert, was einem Anstieg von 68 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Spezialeinheit BAO Ferrum hat im ersten Halbjahr 2026 bereits 62 Straftaten mit scharfen Schusswaffen erfasst, wobei die Schwerpunkte in den Bezirken Wedding, Kreuzberg und Neukölln liegen.
Herkunft der Waffen
Ein weiteres großes Problem ist die Verbreitung gefälschter Waffen, die schwer von echten zu unterscheiden sind. Diese Fälschungen werden häufig in der Türkei produziert und nach Deutschland geschmuggelt. Ermittler berichten von einer gestiegenen Verfügbarkeit von Waffen in Berlin, was zu einer erhöhten Nutzung führt.
Die Polizei hat Maßnahmen ergriffen, um durch Razzien und Durchsuchungen Waffenhändler zu identifizieren und Waffen zu beschlagnahmen. Bislang wurden 69 scharfe Schusswaffen sichergestellt, wobei etwa die Hälfte davon Fälschungen sind.
Herausforderungen bei den Ermittlungen
Im Prozess gegen B. gibt es Herausforderungen, da viele wichtige Zeugen nicht aussagefähig sind. Ein Zeuge, der B. und seinen Komplizen nach Oldenburg gefahren haben soll, konnte aufgrund eines ärztlichen Attests nicht aussagen. Solche Umstände erschweren die Ermittlungen erheblich, da viele Geschädigte aus Angst vor Repressalien nicht bereit sind, mit der Polizei zu kooperieren.
Die Ermittlungen zielen nicht nur auf die einzelnen Angeklagten ab, sondern auch auf die übergeordneten Strukturen. Sollte B. tatsächlich Teil der Daltons sein, könnte dies auf ein umfangreicheres Netzwerk hinweisen. Auf seinem Handy fanden die Ermittler auch Nachrichten mit internationalen Kontakten, was darauf hindeutet, dass die kriminellen Aktivitäten über die Grenzen Deutschlands hinausgehen.
Der Prozess gegen B. wird im Oktober fortgesetzt, während die Ermittlungen zu den Strukturen der organisierten Kriminalität in Berlin weiterhin andauern.
Quellen: rbb24, Bild
Bildquelle: depositphotos
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.








