Wilhelm Voigt bricht den Teufelskreis der Arbeitslosigkeit und zeigt mit seiner Königskomödie, dass sinnloser Gehorsam keine gute Grundlage für das Zusammenleben ist. Die Inszenierung schlägt Brücken in die heutige Zeit und betont: Kein Mensch ist illegal!
Theater in Berlin am 13.02.26: Der Hauptmann von Köpenick – Wie ich wurde, was ich wurde

Es hört sich an, wie ausgedacht, ist aber wirklich passiert: Ohne Arbeit bekam Wilhelm Voigt keine Wohnung, ohne Wohnsitz keine „Uffenthaltsjenehmigung“ und ohne die keinen Pass. Um den Teufelskreis aus „keene Arbeit -> keene Uffenthaltsjenehmigung -> keene Wohnung -> keenen Pass -> keene Arbeit…“ zu durchbrechen, zeigte Wilhelm Voigt auf charmante, beinahe humoristische Weise mit seiner Köpenickiade, dass sinnfreier Gehorsam keine gute Grundlage für unser Zusammenleben ist. Im Stück ist es Marie, Wilhelms Schwester, die die Geschichte erzählt. Sie berichtet von ihrem Bruder Wilhelm, der als Jugendlicher aus dem Haus gejagt wird und wegen Bettelei das erste Mal hinter Gittern landet. Und davon, wie er sich trotz aller Rückschläge darum bemüht, ein redliches Mitglied der Gesellschaft zu werden. Irgendwann sieht Voigt jedoch ein, dass man in manchen Gesellschaften nur jemand werden kann, wenn man schon jemand ist. Und so kam es, wie es kam…
In dieser Inszenierung geht es um Menschen, die andere aussortieren und um einen, der sich das nicht länger gefallen lassen will. Und so schlägt die Produktion geschickt Brücken in die heutige Zeit und hält das starke Plädoyer: Kein Mensch ist illegal! Die Köpenickiade wurde weltberühmt, der Werdegang und die Beweggründe von Wilhelm Voigt nicht. Regisseur Thomas Sutter ändert das und richtet den Scheinwerfer auf den Menschen hinter der berühmten Anekdote, auf seine Vergangenheit und seine Konflikte. Die Schwere der Themen wird in der Inszenierung immer wieder geschickt durch Kipppunkte in Musik, Bühnen- und Kostümbild aufgebrochen. Orientalische Instrumente perforieren die Klänge preußischer Militärmusik, Uniformen werden zu clownesquen Beamtenroben und das minimalistische Bühnenbild verwandelt sich konstant, obwohl es alles andere als Freiheit darstellt. Eine begleitende Videoinstallation wird zum stillen Geschichtenerzähler im Hintergrund.
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Länge: 120 Minuten
Bühne: Großer Saal
Pause: Ja
Theater
10.50 €
Atze Musiktheater
ATZE Musiktheater
Luxemburger Straße 20, 13353, Berlin
Fr. 13.02.26 19:00
Bewertungen
Die Vorstellung „Der Hauptmann von Köpenick – Wie ich wurde, was ich wurde“ im Atze Theater erhielt eine Bewertung von 4,87/5 Sternen. Die Inszenierung wurde als eindrucksvoll und gelungen gelobt, mit einer guten Mischung aus szenischer Darstellung, Bühnenbild und musikalischer Darbietung. Das Theater selbst wurde als angenehmer Auftrittsort beschrieben, mit guter Sicht von jedem Platz aus, Pausencatering und ausreichenden Toiletten.
Die Umsetzung des alten Themas wurde als toll und sowohl anders als auch eng am Original beschrieben. Besonders lobenswert war die Nutzung des Tempelhofer Feldes als Kulturort, mit einer vielfältigen Darbietung von schauspielerischen und musikalischen Leistungen. Der Außenbereich des Theaters bot zudem eine schöne Bar, WC und einen tollen Blick über das Feld.
Die Inszenierung des Stücks wurde als ansprechend und spannend beschrieben, mit besonders guten schauspielerischen und musikalischen Darbietungen. Auch das Drumherum, wie die Pausenbar und die Sitzgelegenheiten, wurden positiv hervorgehoben. Das ATZE Musiktheater erhielt Lob für die Qualität der Aufführung, die auch für Erwachsene geeignet war. Die sozialkritischen Aspekte des Stücks wurden als nachdenklich stimmend und herausragend dargestellt.









