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Ein Land an der Küste und eine Messe, die sich neu sortiert

Ehrengast ist in diesem Jahr Tschechien. Das Motto „Ein Land an der Küste“ spielt auf Shakespeares „Wintermärchen“ an, in dem das Binnenland Böhmen kurzerhand eine Küste bekommt.

Ein Land an der Küste und eine Messe, die sich neu sortiert
Blick in Halle 3.0: Bildungs- und Sachbuchverlage wie Duden, Cornelsen und Klett sowie die Bundeszentrale für politische Bildung prägen diesen Teil der Messe. Foto: Ottmar Neuburger

Von Ottmar Neuburger

Rundgang vom 9. Oktober 2026. Die Messe fand vom 7. bis 11. Oktober statt; die folgenden Beobachtungen geben den Stand des Berichtstags wieder.

Frankfurt am Main. Freitagvormittag, kurz nach elf Uhr: An den Drehkreuzen im Eingangsbereich staut sich die Menge. Seit diesem Morgen ist die 78. Frankfurter Buchmesse auch für Privatbesucherinnen und Privatbesucher geöffnet, und viele halten ihr Ticket schon auf dem Handy bereit, bevor sie die erste Halle überhaupt sehen. Die ersten beiden Messetage am Mittwoch und Donnerstag gehörten dem Fachpublikum, also Verlagen, Agenturen, Buchhandel und Presse. Bis Sonntag, 11. Oktober, steht die Messe nun allen offen, die Bücher lieben. Weil die Kontingente für Privattickets begrenzt sind, lohnt sich der Kauf im Voraus.

Tschechien: Böhmen am Meer

Ehrengast ist in diesem Jahr Tschechien. Das Motto „Ein Land an der Küste“ spielt auf Shakespeares „Wintermärchen“ an, in dem das Binnenland Böhmen kurzerhand eine Küste bekommt. Der Pavillon greift die Idee spielerisch auf, mit aufblasbaren Kieselsteinen, Bojen und einem Leuchtturm, der literarische Zitate in den Raum projiziert. 75 tschechische Autorinnen und Autoren sind nach Frankfurt gekommen, darunter Jaroslav Rudiš, Radka Denemarková und Kateřina Tučková. Rund 150 Neuerscheinungen liegen in deutscher Übersetzung vor, 45 tschechische Verlage zeigen sich an einem Gemeinschaftsstand. Zehn Ausstellungen in Frankfurter Museen tragen den Auftritt in die Stadt.

Ganz ohne Misstöne begann der Gastlandauftritt nicht. Bei der Eröffnungsfeier am Dienstagabend im Congress Center erntete der tschechische Kulturminister Oto Klempíř Zwischenrufe. Der Politiker der rechtspopulistischen Partei „Motoristen“ steht in seiner Heimat wegen seines Vorgehens gegen die öffentlich-rechtlichen Medien in der Kritik. Großen Beifall bekam dagegen die Schriftstellerin Radka Denemarková. Für die Bundesregierung sprach Kulturstaatsminister Wolfram Weimer.

Neues Hallenkonzept: Das Lesepublikum im Erdgeschoss

Wer die Messe aus den Vorjahren kennt, muss sich neu orientieren. Die Publikumsverlage sind jetzt überwiegend im Erdgeschoss rund um die Agora untergebracht, Spezialverlage und der internationale Rechtehandel in den oberen Etagen. Romance, Fantasy und New Adult, die Genres, die zuletzt vor allem junge Leserinnen und Leser in Scharen angezogen haben, verteilen sich auf Festhalle, Agora und die Hallen 3 bis 5. Krimifans finden die „Crime World“ in Halle 5, Angebote für Kinder liegen in Halle 4 und im Congress Center. Neben kürzeren Wegen geht es auch um Sicherheit, denn zuletzt war die Messe an einzelnen Tagen schlicht überfüllt.

Die Zahl der Aussteller liegt nach Angaben von Messesprecher Torsten Casimir „auf Vorjahresniveau“. Im vergangenen Jahr kamen 4.350 Aussteller aus mehr als 100 Ländern und rund 238.000 Besucherinnen und Besucher. In diesem Jahr treten über 1.000 Autorinnen und Autoren auf, der Veranstaltungskalender listet mehr als 3.000 Termine. Dazu kommt die gemeinsame Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat.

In Halle 3.0 zeigt sich das neue Gesicht der Messe. Unter der dunklen Hallendecke reihen sich große Bildungs- und Sachbuchhäuser aneinander, Duden, Cornelsen und Klett ebenso wie die Bundeszentrale für politische Bildung. Nur wenige Schritte weiter liegt die Bühne der „30-Minuten-WG“, der Gesprächsreihe von Penguin Random House und dem Magazin „stern“. Dort ging es am Donnerstag mit Richard David Precht um die Frage, ob künstliche Intelligenz unsere Kultur bedroht, und Jan Weiler erzählte von einer unfreiwilligen Heimkehr. Am Freitagmorgen stellte die Autorin Lisa Graf den Abschluss ihrer Schokoladen-Saga vor (eigener Bericht).

KI, Urheberrecht und Demokratie

Im Fachprogramm dominieren die Themen, die die Branche umtreiben: künstliche Intelligenz, Urheberrecht, digitale Vertriebswege und der internationale Handel mit Lizenzen. Das Forum „Frankfurt Calling“ mit 120 Veranstaltungen an elf Orten widmet sich Demokratie, Menschenrechten und technologischem Wandel. Erwartet werden dort unter anderem Robert Habeck, die Historikerin Jill Lepore, Gisèle Pelicot und Wolf Biermann. Auf weiteren Bühnen sind Cornelia Funke, Colson Whitehead und Sven Regener angekündigt.

Kulturstaatsminister Weimer nutzte die Messe, um eine neue Auszeichnung anzukündigen. Gemeinsam mit der Grimmelshausen-Gesellschaft soll künftig das „Literarische Wort des Jahres“ gekürt werden, als positives Gegenstück zum „Unwort des Jahres“. Die erste Wahl ist für 2027 geplant.

Buchpreis für Shida Bazyar, Friedenspreis für Philippe Sands

Den Auftakt der Messewoche bildete wie jedes Jahr die Verleihung des Deutschen Buchpreises am Montagabend. Ausgezeichnet wurde Shida Bazyar für ihren Roman „Die Lücken“, der anhand eines fiktiven Ortes im Hunsrück 90 Jahre deutscher Geschichte erzählt. Die Jury würdigte das Buch als Roman gegen die Gleichgültigkeit. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Zum Abschluss der Messe erhält am Sonntag der britisch-französische Jurist und Schriftsteller Philippe Sands den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Abschied von Juergen Boos

Für Messedirektor Juergen Boos ist es die letzte Buchmesse an der Spitze. Nach 20 Jahren im Amt stellte er das Programm zum letzten Mal vor. Seine Leitfrage sei, wie Geschichten zu ihren Leserinnen und Lesern finden, und die Antwort beginne mit Begegnungen, sagte er dabei. Wer am Freitag durch die vollen Gänge geht, an den Signiertischen ansteht oder vor einer der vielen Bühnen noch einen freien Platz findet, versteht, was er meint.

Parallel zur Messe lädt das Lesefest „Open Books“ in die Frankfurter Innenstadt ein. Im kommenden Jahr ist Chile Ehrengast der Buchmesse.

Frankfurter Buchmesse 2026 im Überblick

  • Termin: 7. bis 11. Oktober 2026, Messe Frankfurt
  • Fachbesuchertage: Mittwoch und Donnerstag
  • Publikumstage: Freitag ab 11 Uhr, Samstag 9 bis 18.30 Uhr, Sonntag 9 bis 17.30 Uhr
  • Ehrengast: Tschechien, Motto „Ein Land an der Küste“
  • Ehrengast 2027: Chile

Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.

Ricardo Bohn