„Heinrich von Kleists Komödie Amphitryon, inszeniert von Kieran Joel, erforscht Identitätsfragen auf humorvolle Weise und stellt die Theaterinstitution auf die Probe.“
Theater in Köln am 06.03.26: Amphitryon

Von Leonie Houber, Kieran Joel, Heinrich von Kleist und Felix Witzlau
Regie Kieran Joel | Ausstattung Madeleine Sahl und Sophia Schach | Musik Lenny Mockridge | Produktionsleitung Erika Walter | Regiehospitanz Lilly Pätzold |
Mit Leonie Houber und Felix Witzlau
Premiere 13. Mai 2022 | Dauer ca. 70 Minuten – keine Pause
Nominiert für den Kölner Theaterpreis 2022
„Ist diese Hand mein? Diese Brust hier mein? Gehört das Bild mir, das der Spiegel strahlt?“
(Alkmene in Amphitryon, 2. Akt, 4. Szene)
Noch nie zuvor war Identität so komisch wie in Heinrich von Kleists Komödie Amphitryon, deren Essenz Regisseur Kieran Joel in seiner jüngsten Klassikerbearbeitung am Theater im Bauturm sorgsam destilliert. Von Kleist selbst bescheiden als Lustspiel nach Molière bezeichnet, leistet sein 1807 im Druck erschienenes Stück nichts Geringeres als den Transfer der bereits von Plautus und Molière bearbeiteten Verwechslungsthematik in die Moderne: Der Feldherr Amphitryon, der aus dem Krieg zurückkehrt und feststellen muss, dass Jupiter seine Gestalt angenommen hat, um zum Liebhaber seiner Gattin Alkmene zu werden, wird durch Kleist zum Prototyp des seiner selbst unsicheren Menschen.
Der Coup von Kleists Text besteht darin, dass er den Zerfall einer eindeutigen Identität keineswegs als tragischen Vorgang behandelt, sondern vielmehr die daraus resultierenden Befindlichkeiten, Irrtümer und Missgeschicke in komödiantischem Rahmen durchspielt. Es sind diese Spuren im Text, denen Kieran Joel und sein Team folgen, um aktuellen Fragen von Identität auf den Zahn zu fühlen: Wo sind wir „echt“ und wo bestehen wir aus Zuschreibungen und Beobachtungen? Ist Identität künstlich reproduzierbar – oder gar künstlerisch? Und welche Verantwortung trägt dabei das Theater, wo die Annahme falscher Identitäten den gängigen Modus Operandi darstellt?
Kieran Joel hat am Theater im Bauturm bereits mit seinen Inszenierungen Don Quijote, Moby Dick und Frankenstein sowie dem Artaud-Projekt Das Theater und sein Double ebenso sinnliche wie diskursive Theaterabende geschaffen, in denen stets auch die Strukturen und Wirkungsweisen der Institution Theater auf die Probe gestellt werden. Versiert im Umgang mit Metaebenen und Theatereffekten, erkunden Joel und sein Team nun das Spiegellabyrinth von Kleists Verwechslungsspektakel, über das Thomas Mann 1928 schrieb: „Spielte man es, wie es gespielt zu werden verdient, es gäbe eine Lustbarkeit, bei der Gemüt und Verstand in festlich gleicher Weise auf ihre Rechnung kämen.“
Theater
5.00-24.00 €
Theater im Bauturm
Theater im Bauturm
Aachener Straße 24-26, 50674, Köln
Fr. 06.03.26 20:00
Bewertungen
Die Venue hat eine Bewertung von 4,83/5 Sternen erhalten. Besucher loben die Vielfalt der Veranstaltungen, von Theaterstücken bis zu Performances, die auf der Bühne präsentiert werden. Die Darsteller werden als sympathisch und talentiert beschrieben, die es schaffen, eine Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart herzustellen. Es wird besonders die gelungene Mischung aus Geschichte, Emotionen und manchmal sogar wissenschaftlichen Elementen hervorgehoben.
Ein älterer Herr wurde für seine Darbietung gelobt, in der er Leben und Werke von Kurt Tucholsky präsentierte. Die Musiker haben ihn mit passenden Melodien unterstützt, die die Zeit zwischen den Weltkriegen widerspiegeln. Die Besucher empfehlen die Veranstaltung als eine interessante Form, Geschichte zu erleben.
Die Inszenierung von „Der siebte Kontinent“ wird als gelungene Mischung aus Performance und Schauspiel beschrieben. Es gab poetische Momente, Emotionen und sogar wissenschaftliche Aspekte auf der Bühne, die das Publikum beeindruckt haben. Besonders hervorgehoben wird die Botschaft über die Umweltverschmutzung durch Plastik und die Aufforderung, mehr für die Umwelt zu tun und weniger Plastik zu verwenden.
Ein weiteres Stück, „Seite Eins“, wurde für die beeindruckende Bühnenpräsenz von Ingolf Lück gelobt. Trotz des minimalistischen Bühnenbilds mit nur einem Stuhl und einem Smartphone hat der Schauspieler das Publikum für knapp zwei Stunden mit seiner Schauspielkunst fesseln können.









