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Den Arbeitsalltag meistern: Hitzewallungen und ihre Auswirkungen erkennen

Fast 20 Prozent der Frauen im Berufsleben ziehen in Erwägung, wegen Beschwerden, die im Zusammenhang mit den Wechseljahren stehen, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen.

Wechseljahre im Job: Wie Hitzewallungen den Arbeitsalltag erschweren
KI-generiert

Einleitung

Fast 20 Prozent der Frauen im Berufsleben ziehen in Erwägung, wegen Beschwerden, die im Zusammenhang mit den Wechseljahren stehen, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Diese Thematik wird erst seit Kurzem ernsthaft in der Arbeitskultur thematisiert und offen diskutiert.

Persönliche Herausforderungen im Arbeitsalltag

Antje Krause*, 54, Lehrerin an einer Berufsschule, berichtet über ihre Schwierigkeiten: “Wenn ich 90 Minuten Unterricht bis zur nächsten Pause habe, frage ich mich schon, ob ich das schaffe oder ob ich zwischendurch unterbrechen muss.” Der unregelmäßige und starke Menstruationszyklus stellt eine erhebliche Herausforderung für ihren Berufsalltag dar. Gelegentlich kann sie Gruppenarbeiten einplanen, um sich eine Pause zu gönnen, aber in vielen Klassen ist eine Unterbrechung nicht möglich.

Zusätzlich leidet sie unter einer verringerten Belastbarkeit. Trotz eines gleichbleibenden Arbeitsaufkommens fühlt sie sich erschöpfter als früher: “Ich habe dann die Woche geschafft, aber am Freitag, Samstag und Sonntag Migräne bekommen oder mich zurückgezogen.”

Symptome und deren Auswirkungen

Mit Mitte 40 nimmt Krause erste Veränderungen wahr, und mit 50 Jahren hat sie mit einer Vielzahl von Symptomen zu kämpfen: Stimmungsschwankungen, Bauchschmerzen, Gedächtnisprobleme, Haarausfall, Gelenkschmerzen und Migräne. Trotz wiederholter Besuche bei Ärztinnen und Ärzten, die ihr ein Antidepressivum und Nahrungsergänzungsmittel verordnen, bleibt die Suche nach Lösungen herausfordernd. Aufgrund des Verdachts auf Multiple Sklerose wird sogar eine Rückenmarkspunktion durchgeführt.

Erst nach Gesprächen mit Freundinnen erkennt sie, dass ihre Beschwerden mit der Perimenopause, der Phase der beginnenden Wechseljahre, in Verbindung stehen. Diese Phase betrifft in Deutschland neun bis elf Millionen Frauen, von denen 85 Prozent ähnliche Symptome erleben.

Ärztliche Perspektiven und Empfehlungen

Miriam Stein, Mitautorin des Berichts “Gleichberechtigt in den Wechseljahren”, kritisiert, dass viele Ärztinnen und Ärzte, selbst in der Gynäkologie, nicht ausreichend auf die Wechseljahre vorbereitet sind. In einer Doku äußert sie: “Die UN stuft Schlafentzug als Foltermethode ein, dann ist es kein Wunder, dass eine Frau Gedächtnisprobleme hat. Das wirkt sich immer auf die Arbeitsfähigkeit aus.”

Zur Linderung der Symptome empfehlen Mediziner oft Krafttraining. Für Krause fühlt sich dies jedoch wie eine zusätzliche Belastung an: “Ich war im Fitnessclub und mochte irgendwann nicht mehr hingehen. Ich habe mich ganz schlecht gefühlt, weil man ja weiß, man muss Krafttraining machen in den Wechseljahren, aber ich habe das dort gar nicht richtig ausgehalten.”

Alltag und Anpassungen

Um den Herausforderungen im Alltag besser gerecht zu werden, zieht sie es vor, stattdessen mit ihrem Hund spazieren zu gehen. Auf Reisen fühlt sie sich mit ihrem Wohnmobil am wohlsten, da sie jederzeit Zugang zu einer Toilette hat. Nachdem sie sich die Spirale entfernen ließ, konnte sie ihre Hormone ausgleichen und nimmt ergänzend Eisenpräparate ein. An ihrer Schule haben die Lehrerinnen eine Initiative gestartet und einen Korb mit Hygieneartikeln aufgestellt. Sie fordert: “Wir benötigen mehr Ruheräume und stillere Rückzugsorte.”

Ökonomische Auswirkungen und gesellschaftliche Verantwortung

Krauses Erfahrungen sind symptomatisch für ein größeres gesellschaftliches Problem. Laut der Analyse von Stein und ihrer Mitautorin Franzi von Kempis erleben viele Frauen, dass sich ihre Arbeitssituation negativ verändert. Pascale Hilberger-Kürlum, Vizepräsident des Deutschen Pflegerates, berichtet, dass Pflegekräfte oft sagen: “Der erste Satz ist immer, ich liebe meinen Job. Der zweite Satz ist immer, ich schaffe ihn nicht mehr.”

Fast jede fünfte Frau in den Wechseljahren denkt darüber nach, früher in den Ruhestand zu gehen. Jede vierte weibliche Führungskraft zieht in Betracht, ihre Führungsposition ruhen zu lassen. Zudem suchen Frauen zwischen 40 und 50 Jahren aufgrund ihrer Beschwerden häufiger ärztliche Hilfe und verdienen in dieser Lebensphase weniger als zuvor. Neben Mutterschaft könnte die Menopause somit ein weiteres Armutsrisiko darstellen, erklärt Stein.

Notwendigkeit von Veränderungen

Frauen zwischen 40 und 59 Jahren zählen in Deutschland zu den am stärksten erwerbstätigen Gruppen. Oft sind sie in Bereichen tätig, in denen ein Fachkräftemangel herrscht, wie in der Pflege oder im Bildungssektor. Ferda Ataman, die Unabhängige Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, weist darauf hin, dass die Gesellschaft auf diese leistungsstarken Frauen angewiesen ist.

Um auf die Altersdiskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt aufmerksam zu machen, wird eine Kampagne ins Leben gerufen. Besonders betroffen sind laut Stein Frauen im ländlichen Raum, mit Migrationshintergrund, mit geringem Einkommen oder mit Behinderungen sowie trans- und intergeschlechtliche Personen.

Praktische Maßnahmen für den Arbeitsplatz

Je nach Berufsgruppe sind unterschiedliche Lösungen erforderlich, so Stein. Flexible Arbeitszeiten, angemessene Raumtemperaturen, die Möglichkeit zum Wechsel der Kleidung und der Zugang zu Toiletten sind entscheidend. Betriebsärztinnen und -ärzte sollten zu diesen Themen geschult werden und entsprechende Beratungen anbieten.

Stein zieht einen Vergleich: “In all den Jahren, in denen ich in deutschen Unternehmen gearbeitet habe, habe ich viele Menschen gesehen, die betriebliches Gesundheitsmanagement für Rückenprobleme in Anspruch genommen haben. Ich hatte nicht das Gefühl, dass das deren Standing im Unternehmen beeinträchtigt hat. In einem Fall ist es Rücken, im anderen Fall Wechseljahre.”

Abschluss und Ausblick

Obwohl in Deutschland neun Millionen Frauen von den Wechseljahren betroffen sind, bleibt das Thema häufig ein Tabu. Großbritannien hat bereits gesetzliche Vorgaben für die Unterstützung von Frauen in den Wechseljahren erlassen: Ab 2027 müssen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden eine Menopause-Strategie entwickeln. Stein betont, dass Frauen im Berufsleben oft aufgrund ihres Alters mit Vorurteilen konfrontiert werden und fordert, dass auch Männer in diesem Kontext sensibilisiert werden. “Wir sind die erste Generation, die offen darüber spricht. Das müssen die Männer mit uns zusammen lernen.”


Quellen: tagesschau, MDR

Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.

TS