Ab 2027 wird der Preis für das Deutschlandticket automatisch an einen Index gekoppelt, was zukünftige Erhöhungen zur Folge hat. Aktuell liegt der Preis bei 63 Euro im Monat.
Deutschlandticket: Anpassung der ÖPNV-Preise ab 2027 nach festgelegtem Index

Das Deutschlandticket, das ursprünglich für 49 Euro pro Monat angeboten wurde, hat in mehreren Schritten eine Preiserhöhung auf derzeit 63 Euro erfahren. Künftig sollen die Preissteigerungen jedoch nicht mehr durch politische Entscheidungen, sondern durch einen neuen Preisindex festgelegt werden. Diese Regelung wurde von den Verkehrsministern auf ihrer Konferenz in Lindau beschlossen und tritt ab dem kommenden Jahr in Kraft.
Wie hoch der Preis im Jahr 2027 sein wird, soll spätestens Ende September 2024 bekannt gegeben werden, erklärte der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), der derzeit den Vorsitz der Verkehrsministerkonferenz innehat. Er äußerte die Hoffnung, dass die Erhöhung nicht zweistellig ausfallen werde. Die saarländische Verkehrsministerin Petra Berg (SPD) betonte, dass der Preis weiterhin „attraktiv“ bleiben solle.
Die Berechnung des Ticketpreises erfolgt künftig nach einer komplexen Formel, die einen Kostenindex umfasst, der Personal-, Energie- und allgemeine Kosten berücksichtigt. Zudem wird ein Dämpfungsfaktor integriert, der höhere Verkaufszahlen beim Ticket in Betracht zieht. So könnte es theoretisch auch vorkommen, dass der Preis des Tickets zu einem Jahreswechsel unverändert bleibt.
Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) äußerte scharfe Kritik an dieser Regelung.
„Während steigende Spritpreise sofort politische Debatten über Entlastung auslösen, werden hohe Preissteigerungen im öffentlichen Verkehr einfach hingenommen“,
sagte die VCD-Vorsitzende Christiane Rohleder. Sie wies darauf hin, dass die hohen Preise für Busse und Bahnen vor allem die Menschen treffen, die sich kein Auto leisten können. Angesichts der hohen Energiekosten aufgrund des Irankriegs erwarteten die Bürger Entlastungen. Italien schlägt Alarm und fordert Maßnahmen zur Unterstützung der Bürger.
Das Deutschlandticket wurde im Mai 2023 eingeführt und hat mittlerweile über 14 Millionen Nutzer. Es ermöglicht bundesweite Fahrten im Regional- und Nahverkehr und hat die zuvor bestehenden Tarifstrukturen erheblich vereinfacht. Da das Ticket günstiger ist als die vorherigen regionalen Abonnements, erleiden die Verkehrsunternehmen Einnahmeverluste. Um diesen Verlust auszugleichen, stellen Bund und Länder jährlich jeweils 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Verkehrsminister hatten sich im September darauf geeinigt, diese Zuschüsse bis 2030 konstant zu halten. Eine Indexierung dieser Mittel wird es jedoch nicht geben, was bedeutet, dass die Fahrgäste die Mehrkosten selbst tragen müssen.
Europäisches Urteil lässt Kostenschock befürchten
Obwohl das Deutschlandticket auf absehbare Zeit gesichert ist, steht das Angebot im Nahverkehr – also das, was Fahrgäste für das Ticket erhalten – auf der Kippe. In der vergangenen Woche entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass die Berechnung der sogenannten Trassenpreise gegen EU-Vorgaben verstößt. Diese Schienenmaut müssen Verkehrsunternehmen an die Infrastruktursparte der Deutschen Bahn zahlen, wenn sie das deutsche Schienennetz nutzen.
Bisher wurde der Regional- und Nahverkehr begünstigt, was künftig nicht mehr möglich sein wird. Daher befürchten die Länder, die den Regional- und Nahverkehr auf der Schiene bestellen, eine erhebliche Mehrbelastung. In diesem Zusammenhang fordern die Länder auch mehr Regionalisierungsmittel, die der Bund für die Finanzierung des Nahverkehrs auf der Schiene bereitstellt. Aus Sicht der Länder sind bis 2031 zusätzliche 14 Milliarden Euro erforderlich, während die derzeitigen Mittel bei rund 12 Milliarden Euro pro Jahr liegen und jährlich um drei Prozent erhöht werden.
Die Minister haben in Lindau jedoch noch keine Entscheidung zu diesem Thema getroffen. Das Ziel sei es, bis zum Fahrplanwechsel 2027 ein neues Trassenpreissystem zu entwickeln, erklärte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, dessen Ministerium derzeit daran arbeitet. Zu den Forderungen nach höheren Regionalisierungsmitteln wollte er sich noch nicht äußern.
Führerscheinreform: Neue Regelungen ab 2027
Das Ministerium von Schnieder arbeitet zudem an einer Führerscheinreform, die darauf abzielt, die Fahrausbildung kostengünstiger zu gestalten. Er erhielt Unterstützung von den Landesministern, obwohl es Bedenken hinsichtlich einzelner Punkte wie der Laienausbildung gibt. Sein Ziel ist es, noch in diesem Jahr das Gesetzgebungsverfahren abzuschließen, sodass die Neuregelung ab dem 1. Januar 2027 in Kraft treten kann.
Im Rahmen dieser Reform soll es ein mehrjähriges Pilotprojekt geben, das es Eltern und Angehörigen von Fahrschülern ermöglicht, einen Teil der Fahrausbildung zu übernehmen. Dieses Modell der sogenannten Laienausbildung existiert bereits in Österreich.
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