Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Evakuierung von Airbus A320 bei Bränden mit einem hohen Anteil älterer Passagiere deutlich länger dauert als vorgeschrieben. Forscher fordern neue Sicherheitsmaßnahmen, um die Rettungszeiten zu verbessern.
Evakuierung beim Airbus A320: Zeitliche Herausforderungen in Notfallszenarien

Eine aktuelle Untersuchung hat ergeben, dass die Evakuierung von Flugzeugen im Brandfall signifikant länger dauert, wenn ältere Passagiere an Bord sind. Forscher empfehlen daher neue Sicherheitsmaßnahmen für Fluggesellschaften.
Wissenschaftler warnen vor Evakuierungsproblemen
Die demografische Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die Sicherheit im Luftverkehr. Laut einem internationalen Forschungsteam, das in der Fachzeitschrift „AIP Advances“ veröffentlicht wurde, verlängert sich die Evakuierungsdauer aus Flugzeugen mit zunehmendem Alter der Passagiere. Die vorgegebenen Evakuierungszeiten können bei einem hohen Anteil älterer Fluggäste kaum eingehalten werden.
Gemäß den Richtlinien der US-Luftfahrtbehörde FAA muss ein Flugzeug im Notfall innerhalb von 90 Sekunden vollständig geräumt sein. Diese Vorgabe wird auch von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) unterstützt. Die Studie zeigt jedoch, dass dieses Ziel in keinem der 27 simulierten Szenarien mit älteren Passagieren erreicht wurde. Im besten Fall benötigten die Passagiere 141 Sekunden, um das Flugzeug zu verlassen und den Boden zu erreichen – also fast eine Minute länger als die behördliche Vorgabe.
Untersuchung des Airbus A320
Die Forscher um Chenyang Zhang von der Universität Calgary in Kanada analysierten die Evakuierung eines Airbus A320, eines der am häufigsten eingesetzten Flugzeugtypen weltweit, der Platz für 146 bis 180 Passagiere bietet. Das Szenario, das untersucht wurde, beinhaltete einen Brand an beiden Triebwerken, wodurch die Notausgänge über den Tragflächen unzugänglich waren. Lediglich die vier Ausgänge im vorderen und hinteren Bereich der Kabine standen zur Verfügung.
Einfluss des Alters auf die Evakuierungszeit
Für die Studie verwendeten die Wissenschaftler computergestützte Modelle und branchenübliche Simulationssoftware, um das Bewegungsverhalten der Passagiere in der engen Kabine zu simulieren. Dabei wurden drei verschiedene Kabinenlayouts mit unterschiedlichen Anteilen von Passagieren über 60 Jahren kombiniert. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl der prozentuale Anteil der Senioren als auch deren Sitzverteilung die Evakuierungsdauer erheblich beeinflussen.
Die Verzögerungen sind laut der Studie auf die körperlichen und geistigen Besonderheiten älterer Menschen zurückzuführen. In den Simulationen wurde eine deutlich geringere Gehgeschwindigkeit für Senioren angenommen. Zudem können kognitive Beeinträchtigungen im Alter das Situationsbewusstsein verringern und die Entscheidungsfindung in Stresssituationen verlangsamen. Auch eine nachlassende Feinmotorik kann das Verlassen der Sitze erschweren.
Vorschläge zur Verbesserung der Evakuierung
Die längste Evakuierungszeit wurde mit 218,5 Sekunden in einer dicht bestuhlten Kabine mit 80 Prozent älteren Passagieren gemessen, was mehr als zwei Minuten über der vorgeschriebenen Zeit liegt. Um die genannten Risiken zu minimieren, schlagen die Autoren der Studie verschiedene Maßnahmen vor:
- Platzierung älterer Passagiere in der Nähe der Ausgänge.
- Anpassung der Kabinenarchitektur durch breitere Gänge und optimierte Haltemöglichkeiten.
- Einführung spezieller Sicherheitseinweisungen für Senioren, um die Reaktionszeit im Ernstfall zu verkürzen.
Die Forscher weisen darauf hin, dass auch andere Gruppen wie Kinder, Kleinkinder und schwangere Frauen die Evakuierungszeiten verlängern könnten. Diese Aspekte sollen in zukünftigen Studien gezielt untersucht werden.
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Bildquelle: BriYYZ from Toronto, Canada via Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)








