Die Chilenische Einsiedlerspinne, bekannt für ihr gefährliches Gift, wurde erstmals in Deutschland gesichtet. Experten warnen vor den potenziellen Gesundheitsrisiken eines Bisses und geben wichtige Hinweise zur Erkennung und Vorsorge.
Hochgiftige Chilenische Einsiedlerspinne jetzt in Deutschland

Die Chilenische Einsiedlerspinne, bekannt für ihr gefährliches Gift, sorgt in Deutschland für Besorgnis. Während die Nosferatu-Spinne bereits in vielen Haushalten anzutreffen ist, wurde nun ein weiteres Exemplar der Gattung Loxosceles entdeckt, das zuvor nur im Mittelmeerraum vorkam. Diese Spinnenart kann bei einem Biss zu schweren Gewebeschäden oder sogar zum Tod führen.
Lebensraum der Chilenischen Einsiedlerspinne
Spinnen der Gattung Loxosceles sind vorwiegend in Regionen mit mildem Klima anzutreffen. Die Mediterrane Einsiedlerspinne (Loxosceles rufescens) hat sich bereits im Mittelmeerraum verbreitet, während in Nordamerika die Braune Einsiedlerspinne (Loxosceles reclusa) vorherrscht. In den letzten Jahren gab es jedoch Hinweise darauf, dass die Chilenische Einsiedlerspinne (Loxosceles laeta) ihren Weg nach Europa finden könnte.
Erste Entdeckung in Deutschland
Die erste bestätigte Sichtung einer Chilenischen Einsiedlerspinne in Deutschland fand im Herbst 2025 an der Universität Tübingen statt. Ein Handwerker entdeckte das Tier im Keller und machte ein Foto, das schließlich zu Hubert Höfer, einem Experten für Spinnen, gelangte. Höfer erklärte:
„Er hat tatsächlich dieses Tier gefangen, was sehr, sehr wertvoll ist, denn nur durch dieses Männchen konnten wir überhaupt eine sichere Bestimmung machen.“
Inzwischen wurden insgesamt 15 Exemplare in der Nähe der Universität gefunden.
Ursprung und Verbreitung der Spinne
Die Chilenische Einsiedlerspinne scheint sich über einen längeren Zeitraum unbemerkt in Deutschland gehalten zu haben. Experten vermuten, dass sie durch Warentransporte eingeschleppt wurde. Höfer erläutert:
„Bis sich aus Einzeltieren, die eingeschleppt werden, etwas etabliert, das dauert in der Regel, beziehungsweise das schaffen überhaupt nur wenige Arten.“
Eine flächendeckende Ausbreitung in Deutschland ist aufgrund ihrer Temperaturansprüche jedoch unwahrscheinlich.
Gefährlichkeit der Chilenischen Einsiedlerspinne
Der Biss dieser Spinne kann unbehandelt sehr gefährlich sein und sogar zum Tod führen. Die Chilenische Einsiedlerspinne ist nachtaktiv und scheu, versteckt sich oft in Schränken oder Schubladen. Höfer beschreibt sie als „ein sehr zartes Tier, das den Menschen aus dem Weg geht“. Sie beißt nur, wenn sie sich bedroht fühlt.
Was tun bei einem Spinnenbiss?
Dr. Roland Mühlethaler vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) rät dazu, die Spinne zu fangen, um eine sichere Identifizierung zu ermöglichen. „Das Loxosceles-Gift hat die unangenehme Eigenschaft, Nekrosen hervorzurufen, die im ungünstigsten Fall zum Tode führen können“, erklärt Mühlethaler. Ein Biss ist in der Regel sehr schmerzhaft und bleibt nicht unbemerkt.
Das Gift der Loxosceles-Spinnen
Das Gift dieser Spinnen ist für den Menschen gefährlich. Unbehandelte Bisse können zu Nierenversagen, Amputationen und sogar zum Tod führen. Die Sterblichkeitsrate liegt bei etwa drei bis vier Prozent. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet sind Bisse jedoch relativ selten, und die medizinische Bedeutung der Art ist gering.
Fehlendes Gegengift
Ein besorgniserregender Aspekt ist, dass es derzeit kein Gegengift für den Biss der Chilenischen Einsiedlerspinne gibt. In Brasilien haben Ärzte jedoch ein erstes Antidot getestet, das innerhalb von 48 Stunden nach dem Biss verabreicht werden sollte, um Nekrosen zu verhindern.
Präsenz in Wohnräumen
In ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet sind diese Spinnen oft in Häusern anzutreffen, ohne dass sie dort ein ernsthaftes medizinisches Problem darstellen. Mühlethaler betont, dass die Tiere scheu sind und nur bei Bedrohung zubeißen. In Chile ist es üblich, vor dem Schlafengehen dunkle Ecken abzusaugen und Kleidung vor dem Anziehen auszuschütteln, um Bisse zu vermeiden.
Wie mit Sichtungen umgehen?
Der Nabu hat bisher keine speziellen Maßnahmen zur Meldung von Sichtungen der Chilenischen Einsiedlerspinne geplant. Dr. Alexander Wirth empfiehlt, Sichtungen über ein Meldeformular zu dokumentieren, um die Verbreitung der Art besser nachvollziehen zu können.
Ist die Angst vor der Spinne gerechtfertigt?
Dr. Mühlethaler warnt davor, Panik zu verbreiten.
„Wir leben schon seit Jahrtausenden friedlich mit giftigen Tieren zusammen. Wenn wir die Tiere respektieren und in Ruhe lassen, passiert in der Regel nichts.“
Unfälle sind jedoch immer möglich, weshalb Vorsicht geboten ist.
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