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Neue Corona-Variante „Cicada“ breitet sich in Deutschland aus

Eine neue Corona-Variante mit dem Namen „Cicada“ breitet sich weltweit aus und weist eine hohe Anzahl genetischer Veränderungen auf. Gesundheitsbehörden beobachten die Entwicklungen, da die Variante möglicherweise bestehende Immunität umgehen könnte.

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Lange Zeit unter dem Radar: Neue Corona-Variante
MughalKings via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Ein neuer Ableger des Coronavirus, bekannt als „Cicada“, sorgt international für Aufmerksamkeit. Diese Variante weist eine auffällig hohe Anzahl genetischer Veränderungen auf, die Laboranalysen zufolge dazu führen, dass Antikörper gegen das Virus weniger wirksam sind.

Die Variante BA.3.2, die den Spitznamen „Cicada“ trägt, galt lange Zeit als unauffällig, rückt jedoch nun zunehmend in den Fokus. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass sie sich in den USA, Europa und auch in Deutschland unbemerkt ausbreitet. Gesundheitsbehörden beobachten die Situation aufmerksam, da die hohe Anzahl an Mutationen der Variante möglicherweise dazu führt, dass sie bestehende Immunitäten, einschließlich der durch Impfungen, teilweise umgehen kann.

Verbreitung und Verbreitungsgrad

Die Variante wurde erstmals im November 2024 in Südafrika identifiziert und hat sich seitdem weitgehend unbemerkt weltweit verbreitet. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist sie mittlerweile in mehr als 20 Ländern nachgewiesen. In einigen Regionen, insbesondere in Nordeuropa, hat sich die Variante bereits stärker etabliert. In Dänemark und den Niederlanden beispielsweise entfiel zeitweise etwa ein Drittel der untersuchten Corona-Fälle auf BA.3.2.

In den USA spielt BA.3.2 bislang nur eine untergeordnete Rolle, zumindest laut offiziellen Zahlen. Der Anteil liegt derzeit bei unter einem Prozent der sequenzierten Fälle, jedoch zeigen Abwasseranalysen ein anderes Bild: Die Variante wurde in Hunderten Proben aus mehr als zwei Dutzend Bundesstaaten nachgewiesen, was als frühes Signal für eine mögliche Ausbreitung gewertet wird. In Deutschland macht die Variante laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) aktuell etwa fünf Prozent der nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektionen aus, wobei Experten von einer höheren Dunkelziffer ausgehen.

Der Spitzname „Cicada“ und seine Bedeutung

Der informelle Spitzname „Cicada“ für die SARS-CoV-2-Linie BA.3.2 wurde gewählt, weil die Insekten, nach denen sie benannt ist, den Großteil ihres Lebens als Nymphen im Verborgenen verbringen und erst zur Paarung massenhaft ans Tageslicht kommen.

Genetische Veränderungen und Auswirkungen auf das Immunsystem

Die internationale Aufmerksamkeit für die Cicada-Variante ist vor allem auf ihre auffällige genetische Struktur zurückzuführen. Experten berichten, dass BA.3.2 zwischen 70 und 75 Veränderungen im Spike-Protein aufweist, dem Teil des Virus, der in menschliche Zellen eindringt. Robert H. Hopkins, ein Infektiologe, erklärt:

„Die Zahl der Mutationen macht es weniger wahrscheinlich, dass die aktuellen Impfstoffe hochwirksam gegen diese Variante sind.“

Der Epidemiologe Kyle B. Enfield von der University of Virginia sieht ebenfalls einen möglichen Vorteil für das Virus:

„Diese Veränderungen erschweren es dem Immunsystem, das Virus zu erkennen.“

Die derzeit verwendeten Covid-19-Impfstoffe sind auf Varianten der JN.1-Linie ausgelegt, während sich die neue Variante BA.3.2 deutlich davon unterscheidet und für das Immunsystem als „neuer Gegner“ auftritt. Dies könnte dazu führen, dass die Impfstoffe weniger effektiv bei der Verhinderung von Infektionen sind, da sie das Virus nicht so schnell erkennen.

Keine Panik, aber Vorsicht geboten

Trotz der möglichen Immunflucht gibt es laut Fachleuten vorerst keinen Grund zur Panik. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Variante schwerere Krankheitsverläufe verursacht. Enfield betont:

„Die bisherigen Daten deuten nicht darauf hin, dass sie schwerer verläuft oder besondere Symptome verursacht.“

Die typischen Symptome bleiben unverändert und ähneln denen früherer Varianten, darunter Husten, Halsschmerzen, Müdigkeit und Schnupfen. Einige Berichte deuten auf besonders starke Halsschmerzen hin, jedoch fehlen belastbare Daten dazu.

Impfungen und Hygienemaßnahmen

Experten sind sich einig, dass Impfungen weiterhin einen zuverlässigen Schutz vor schweren Verläufen und Todesfällen bieten. Enfield erklärt:

„Das bedeutet nicht, dass man sich nicht impfen lassen sollte. Ein weniger gut passender Impfstoff wird das Virus nur etwas später erkennen.“

Ob sich BA.3.2 zur dominanten Variante entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Einige Fachleute, darunter Infektiologe Hopkins, halten eine neue Infektionswelle im Sommer für möglich. Daher raten Experten weiterhin zu einfachen Schutzmaßnahmen: Bei Krankheitssymptomen zu Hause bleiben, Hygieneregeln einhalten und bei Bedarf medizinischen Rat einholen. Besonders für Menschen mit Vorerkrankungen bleibt das Risiko für schwere Verläufe bestehen.

Bildquelle: MughalKings via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

TS