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Neun Jahre Haft nach tödlichem Streit um eine Zigarette

Nach einem Streit um eine Zigarette sticht eine 19-Jährige einen 15-Jährigen tödlich nieder. Das Landgericht Ansbach verurteilt sie wegen Totschlags zu neun Jahren Jugendstrafe.

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Neun Jahre Haft nach tödlichem Streit um eine Zigarette | Regional

Junge Frau verurteilt: Neun Jahre Haft nach tödlichem Streit um Zigarette

In einem aufsehenerregenden Fall hat das Landgericht Ansbach eine 19-jährige Frau, Karolina J., wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von neun Jahren verurteilt. Der Vorfall ereignete sich am 21. Juni 2025 am Brombachsee, als ein Streit um eine Zigarette tödliche Folgen hatte.

Der 15-jährige Ricardo C. wollte lediglich eine Zigarette von Karolina J. an einer Bushaltestelle in Ramsberg erbitten. Wenige Minuten später stach die junge Frau ihm nach einem hitzigen Wortgefecht ein Messer in den Hals. Trotz der sofortigen Hilfe von Freunden und Zeugen, die versuchten, die Blutung zu stoppen, verstarb Ricardo C. noch am Tatort.

Streit eskaliert an der Bushaltestelle

Zeugen berichteten von einem intensiven Streit zwischen den beiden Gruppen junger Menschen, zu denen Karolina J. mit ihrer Partnerin und ihrem Bruder sowie Ricardo C. mit zwei Freunden gehörten. Nachdem es zu Beleidigungen gekommen war, kam es zu einem Gerangel, in dessen Verlauf Karolina J. ein Taschenmesser zückte und auf Ricardo einstach. Der 15-Jährige versuchte noch, die Wunde zu bedecken, bevor er zu Boden sank.

Gericht entscheidet über Totschlag und Mord

Im Prozess stellte sich die Frage, ob es sich um Mord oder Totschlag handelte. Der Gerichtssaal war bis auf den letzten Platz gefüllt, da viele, einschließlich der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage, eine Verurteilung wegen Mordes erwarteten. Doch die Vorsitzende Richterin Elke Beyer stellte fest, dass „ein junger Mensch schuldlos getötet wurde und aus nichtigem Anlass“. Das Gericht sah keine Mordmerkmale wie Heimtücke oder einen niedrigen Beweggrund als gegeben an.

Rassistische Motive im Raum

Ein möglicher rassistischer Hintergrund wurde ebenfalls diskutiert, da Karolina J. Ricardo während des Streits rassistisch beleidigt hatte und dieser sowohl die deutsche als auch die brasilianische Staatsangehörigkeit besaß. Das Gericht stellte jedoch fest, dass es dafür keine ausreichenden Beweise gab.

Urteil und Reaktionen

Karolina J. wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt, wobei die Höchststrafe bei zehn Jahren liegt. Die Richterin betonte den „hohen Erziehungsbedarf“ der Angeklagten und erklärte, dass die lange Haftzeit ihr die Möglichkeit geben solle, ihr Leben neu zu ordnen. Als das Strafmaß verkündet wurde, war ein Raunen im Saal zu hören. Für die Mutter des Opfers ist das Urteil nur schwer zu akzeptieren. Ihr Anwalt äußerte: „Für die Nebenklage ist und bleibt es Mord.“

Am Tatort in Ramsberg legten Freunde und Verwandte des Opfers Blumen nieder und zündeten Kerzen an, um an Ricardo C. zu gedenken.

Ronny Winkler