Vorschautext:
Der Rhein führt so wenig Wasser wie selten zuvor. In Köln wurde am Montagmorgen mit 40 Zentimetern ein neuer historischer Tiefstand gemessen, der Pegel könnte noch weiter sinken. Frachtschiffe können nur noch eingeschränkt beladen werden, Fähren stellen ihren Betrieb ein und im trockengefallenen Flussbett kommen sogar gefährliche Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg zum Vorschein.
Rhein erreicht historischen Tiefstand: Pegel in Köln fällt auf Rekordniveau

Rhein erreicht in Köln einen historischen Tiefstand
Die anhaltende Trockenheit sorgt am Rhein für außergewöhnlich niedrige Wasserstände. Am Montagmorgen wurden am Pegel Köln nur noch 40 Zentimeter gemessen. Damit wurde der erst im August 2026 registrierte Tiefstwert erneut unterschritten. Vor diesem Jahr galt noch der Wert von 69 Zentimetern aus dem Jahr 2018 als historischer Tiefstand in Köln. Nach den Prognosen könnte der Pegel sogar noch weiter sinken. Zeitweise wurde mit einem Rückgang auf nur noch 37 Zentimeter gerechnet.
Auch an anderen Stellen des Rheins zeigt sich die außergewöhnliche Situation. In Düsseldorf sank der Pegel zuletzt sogar unter die Nullmarke, auch in Emmerich wurden negative Werte registriert. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Rhein dort ausgetrocknet ist. Die Pegelwerte beziehen sich auf einen jeweils festgelegten Pegelnullpunkt und entsprechen nicht der tatsächlichen Wassertiefe. Auch bei einem Pegelstand von 40 Zentimetern in Köln ist der Rhein in der Fahrrinne deutlich tiefer.
Besonders auffällig ist die Entwicklung am Mittelrhein. Am wichtigen Pegel Kaub sank der Wasserstand am Wochenende ebenfalls unter die Nullmarke. Am Sonntag wurden dort minus zwei Zentimeter gemessen. Der Pegel Kaub spielt für die Binnenschifffahrt eine besonders wichtige Rolle, weil sich die mögliche Beladung vieler Frachtschiffe nach den dortigen Wasserverhältnissen richtet.
Niedrigwasser wird für Schiffe und Fähren zum Problem
Die Folgen des extremen Niedrigwassers sind inzwischen deutlich zu spüren. Frachtschiffe können nicht mehr vollständig beladen werden, weil mit zunehmendem Gewicht auch ihr Tiefgang steigt. Unternehmen müssen deshalb weniger Fracht pro Schiff transportieren oder Ladungen auf mehrere Schiffe verteilen. Das kann Transporte verteuern und Lieferketten belasten. Der Rhein gehört zu den wichtigsten europäischen Verkehrswegen. Über den Fluss werden unter anderem Container, Rohstoffe, Chemikalien und Mineralölprodukte transportiert.
Wie schwierig die Bedingungen inzwischen sein können, zeigte sich auch in Köln. Das Luxus-Hotelschiff „Dutch Melody“ lief in der Nähe der Deutzer Brücke auf Grund. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei hatte sich das Schiff in der Fahrrinne festgefahren. Ein anderes Schiff konnte die „Dutch Melody“ anschließend wieder freiziehen.
Auch der Fährverkehr bekommt die niedrigen Wasserstände zu spüren. An mehreren Stellen musste der Betrieb bereits eingeschränkt oder vollständig eingestellt werden. Unter anderem konnte die Fähre in Kaub wegen des Niedrigwassers nicht mehr fahren. Für Menschen, die den Rhein regelmäßig mit einer Fähre überqueren, können dadurch längere Umwege notwendig werden.
Niedrigwasser legt gefährliche Überreste frei
Die außergewöhnliche Situation hat noch eine weitere Folge. Weil sich das Wasser immer weiter zurückzieht, werden Teile des Flussbetts sichtbar, die normalerweise vollständig unter Wasser liegen. Dabei können auch gefährliche Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg auftauchen.
Am Samstag musste bei Hersel zwischen Köln und Bonn eine Bombe kontrolliert gesprengt werden. Solche Funde stellen eine erhebliche Gefahr dar. Spaziergänger und andere Personen sollten verdächtige Gegenstände im Bereich des Rheinufers deshalb keinesfalls berühren und stattdessen die Behörden informieren.
Das Niedrigwasser macht gleichzeitig sichtbar, wie stark der Wasserstand des Rheins schwanken kann. Sandbänke, Steine und andere Bereiche des Flussbetts treten hervor, die bei normalen Pegelständen nicht zu sehen sind. Das kann Menschen dazu verleiten, Bereiche zu betreten, die normalerweise unter Wasser liegen. Neben möglichen Kampfmittelfunden können dort jedoch auch andere Gefahren entstehen.
Trockenheit und wenig Schnee belasten den Rhein
Für die extrem niedrigen Wasserstände kommen mehrere Faktoren zusammen. Niedrige Pegel sind im Spätsommer und Herbst grundsätzlich nicht ungewöhnlich. 2026 fällt die Situation aufgrund längerer trockener Phasen und geringer Niederschlagsmengen allerdings besonders deutlich aus.
Eine Rolle spielt außerdem der schneearme Winter in den Alpen. Ein Teil des Rheinwassers stammt aus den Alpenregionen. Schnee, der sich dort während des Winters ansammelt, schmilzt in den wärmeren Monaten und speist dadurch Flüsse und Zuflüsse. Fällt im Winter weniger Schnee, fehlt später entsprechend ein Teil dieses Wassers.
Für eine nachhaltige Verbesserung reichen einzelne Regenschauer entlang des Rheins nicht zwangsläufig aus. Entscheidend sind größere Niederschlagsmengen im gesamten Einzugsgebiet des Flusses und seiner Nebenflüsse. Für Anfang Oktober zeichnet sich in den Wetterprognosen zwar Regen ab. Wie stark sich dieser tatsächlich auf die Pegelstände auswirken wird, hängt jedoch davon ab, wo und in welchen Mengen die Niederschläge fallen.








