Die niederländische Nordsee wird zunehmend von Tintenfischarten bevölkert, was sowohl für Strandbesucher als auch für Fischer neue Herausforderungen mit sich bringt. Wissenschaftler untersuchen die Ursachen und Folgen dieser Veränderungen, die eng mit dem Klimawandel verknüpft sind.
Schwarmbildung an den Stränden: Tintenfische gewinnen das Meer vor Holland

Vor der niederländischen Küste, insbesondere rund um Domburg, ist eine bemerkenswerte Zunahme verschiedener Tintenfischarten zu beobachten. Diese Entwicklung wirft sowohl für Strandbesucher als auch für Fischer interessante Fragen auf. Laut dem Meeresbiologen Lennert van de Pol von Wageningen Marine Research sind in den niederländischen Gewässern mittlerweile drei Tintenfischarten vermehrt anzutreffen.
Unter diesen Arten befinden sich der Gemeine Kalmar, der Kurzflossenkalmar und der Gemeine Sepia. Letztere ist seit längerem in der Nordsee heimisch, zeigt jedoch eine steigende Häufigkeit. Van de Pol macht deutlich, dass der klassische Oktopus nicht in diesen Gewässern vorkommt. Berichte über Oktopusse, die von belgischen Fischern gefangen wurden, beziehen sich auf Gebiete westlich der Niederlande, wie die bretonische Küste in Frankreich und Cornwall in England.
Warum nehmen die Tintenfische zu?
Die Ursachen für das häufigere Auftreten dieser Tintenfischarten an der niederländischen Küste könnten mit den steigenden Wassertemperaturen in Verbindung stehen. Van de Pol erklärt, dass Tintenfische empfindlich auf Temperaturveränderungen reagieren und die südliche Nordsee sich offenbar zu einem geeigneten Lebensraum für sie entwickelt hat. Zugleich wandern andere Fischarten, darunter Scholle und Kabeljau, in kühlere Gewässer ab, während die Rote Meerbarbe und der Knurrhahn zunehmend häufiger anzutreffen sind.
Einfluss auf das marine Ökosystem
Die genauen Auswirkungen dieser Veränderungen auf das marine Ökosystem sind schwer zu prognostizieren. Van de Pol weist darauf hin, dass das Nahrungsnetz auf unerwartete Weise beeinflusst werden könnte. Kalmare sind aktive Räuber, die sich von Heringen, Sprotten und Wittlingen ernähren und auch vor Artgenossen nicht haltmachen. Gleichzeitig sind sie eine Nahrungsquelle für größere Meeresbewohner. Wissenschaftler aus Belgien planen, diese Veränderungen in den kommenden Jahren intensiver zu beobachten.
Was Strandbesucher erwarten können
Die Veränderungen sind möglicherweise auch für die Besucher der niederländischen Strände sichtbar. Im Sand finden sich vermehrt Sepiaschulpen, das innere Skelett der Sepien. Ob diese Zunahme tatsächlich mit der steigenden Anzahl von Tintenfischen in Zusammenhang steht, ist zwar nicht abschließend belegt, wird aber als wahrscheinlich erachtet. Des Weiteren könnten im Wasser Eipakete von Kalmaren sichtbar sein, die weißlich und fingerförmig erscheinen. Die schwarzen, traubenförmigen Gelege der Sepien, auch bekannt als Meertrauben, sind ebenfalls anzutreffen.
Wirtschaftliche Aspekte der Zunahme von Tintenfischen
Tintenfische gelten für den Menschen nicht als gefährlich und sind ein geschätztes Nahrungsmittel. In den letzten Jahren haben Fischer aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien und England große Mengen an Tintenfischen gefangen, was für viele von ihnen eine wirtschaftliche Möglichkeit darstellt. Häufig gehen diese Fänge nach Südeuropa. Van de Pol weist darauf hin, dass die Calamares, die in Spanien serviert werden, möglicherweise aus der Nordsee stammen.
Klimawandel und dessen Auswirkungen
Die Zunahme der Tintenfische in der Nordsee stellt sowohl eine Chance als auch einen Anlass zur Sorge dar. Van de Pol betont, dass diese Veränderungen eindeutig klimabedingt sind und das Ökosystem sich gegenwärtig rasch wandelt. Die Folgen könnten unvorhersehbar sein. Der Klimawandel bringt sowohl Gewinner als auch Verlierer mit sich, was insbesondere für die Menschen, die auf das Meer angewiesen sind, Unsicherheit mit sich bringt. Zudem besteht die Möglichkeit, dass die Artenvielfalt leidet.
Schlussfolgerung
Für Urlauber an der niederländischen Küste, die möglicherweise auch Robben begegnen, bleiben vorerst die kleinen Dinge im Sand: die weißen Schulpen, die fast wie Styropor wirken. Diese stellen erste Anzeichen eines sich verändernden Ökosystems in der Nordsee dar.
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Quellen: ruhr24, t-online
Bildquelle: Diego Delso via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
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