Ökonomen warnen vor steigender Inflation, während hohe Energiepreise bereits erste Auswirkungen zeigen. Verbraucher könnten in den kommenden Wochen mit höheren Preisen für Nahrungsmittel, Transport und Heizkosten rechnen.
Steigende Verbraucherpreise: Auswirkungen des Iran-Konflikts auf die Inflation

Seit dem Ausbruch des Konflikts im Iran warnen Ökonomen vor einer ansteigenden Inflation. Die hohen Energiepreise könnten die Kosten in vielen Bereichen in die Höhe treiben, was bereits an einigen Stellen erkennbar ist. Italien schlägt Alarm: Regierung interveniert bei Spritpreisen.
Inflationsprognosen und steigende Preise
Die Prognosen der Ökonomen sind eindeutig: In den kommenden Wochen ist mit einem deutlichen Anstieg der Verbraucherpreise zu rechnen. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Bank, erklärt, dass sich bereits eine Inflationswelle aufbaue.
„Wir sehen es ja gerade schon an den Tankstellen, und das wird weitergehen: Transportkosten werden steigen, Nahrungsmittelpreise werden steigen und sehr wahrscheinlich im nächsten Winter auch die Heiz- und Stromkosten,“ so Brzeski.
Kostendruck in der Lebensmittelindustrie
Obwohl große Preiserhöhungen in den Supermärkten bislang ausgeblieben sind, könnte sich dies bald ändern. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) schlägt Alarm. Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Verbands, betont:
„Ohne Energie laufe kein Backofen, keine Trocknungsanlage und keine Kühlung.“
Zudem müssen Unternehmen in der Lebensmittelbranche mit steigenden Preisen für Verpackungen und Transport rechnen.
„Die Kosten steigen damit entlang der gesamten Wertschöpfungskette,“
fügt Minhoff hinzu. Viele Lebensmittelhersteller hätten kaum noch Puffer, um diese Kosten abzufedern.
Einzelhandel und Transportkosten
Im Einzelhandel sind die hohen Kraftstoffpreise ebenfalls ein zentrales Thema, insbesondere in Bezug auf den Transport der Waren. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), erklärt, dass Handelsunternehmen oft durch langfristige Verträge mit ihren Logistikpartnern noch nicht stark von den steigenden Kraftstoffpreisen betroffen sind.
„Wenn allerdings die Kostenexplosionen, gerade bei Kraftstoffen, länger und deutlicher anhalten, wird das auch an Kundinnen und Kunden weitergegeben werden müssen,“ so Genth.
Reisebranche und steigende Flugpreise
Die Auswirkungen des Iran-Konflikts sind auch in der Reisebranche spürbar. Insbesondere Langstreckenflüge nach Asien sind teurer geworden, da Drehkreuze in den Golfstaaten nicht wie gewohnt angeflogen werden können. Harald Zeiss, Professor für Tourismus an der Hochschule Harz, erklärt:
„Die Ticketpreise insgesamt seien aber weniger stark gestiegen als der Preis für Kerosin.“
Airlines kaufen ihren Treibstoff oft im Voraus zu festen Preisen, was als Versicherung gegen schwankende Energiemärkte dient. Diese Reserven neigen sich jedoch dem Ende zu, was bedeutet, dass die vollen Kostensteigerungen möglicherweise erst im Herbst und Winter in den Ticketpreisen sichtbar werden.
Aktuelle Preisdaten und zukünftige Entwicklungen
Die offiziellen Preisdaten des Statistischen Bundesamtes spiegeln die Inflationswelle bislang noch nicht wider, da es dafür zu früh ist. Indikatoren wie die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte oder die Großhandelspreise sind nicht in Echtzeit verfügbar. Eines ist jedoch klar: Je länger der Konflikt im Iran andauert und die Straße von Hormus geschlossen bleibt, desto gravierender werden die Auswirkungen sein.
Hoffnung auf ein Ende des Konflikts
Es besteht jedoch die Hoffnung, dass der Konflikt bald beendet wird. Professor Julian Hinz, Handelsexperte am Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW), ist der Ansicht, dass sich in diesem Fall eine massive Inflationswelle in Deutschland noch abmildern ließe.
„Würde von jetzt auf gleich die Straße von Hormus wieder geöffnet werden, dann würde man vermutlich am Ende gar nicht so viel merken,“ so Hinz. Die Auswirkungen für die Verbraucher wären dann hauptsächlich an den Tankstellen spürbar.
Globale Auswirkungen der Inflation
Die Situation ist jedoch anders in Regionen, die stärker von Waren und Rohstoffen aus der Krisenregion abhängig sind, wie im südlichen Asien oder im südlichen Afrika. Hohe Gaspreise und ein Mangel an Dünger könnten dort zu einer Ernährungskrise führen. Im Gegensatz zu Deutschland geht es dort nicht nur um steigende Preise, sondern um eine tatsächliche Knappheit an Lebensmitteln und Energie.
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