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Studie: Anstieg des Meeresspiegels bedroht auch Felsenküsten

Bisher galten felsige Küstenabschnitte als vergleichsweise widerstandsfähig gegen die durch den Anstieg des Meeresspiegels verursachte Erosion. Eine neue Studie warnt vor dramatischen Entwicklungen.

Die Meeresspiegel steigen - eine neue Studie zeigt, dass die Folgen dramatischer als erwartet sind.
Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Der Anstieg des Meeresspiegels infolge der weltweiten Klimaerwärmung droht britischen Forschern zufolge auch die Erosion von Felsenküsten dramatisch zu beschleunigen.

Das geht aus einer im Fachmagazin «Nature Communications» veröffentlichten Studie des Imperial College in London hervor. Demnach könnten sich Felsenküsten bis zum Jahr 2100 mit bis zu zehnfacher Geschwindigkeit bisheriger Erosion zurückziehen – je nachdem, wie stark die Klimaerwärmung voranschreitet. Weltweit entfalle mehr als die Hälfte der Küstenlänge auf Felsenküsten.

Dramatische Folgen für Menschen und Infrastruktur

In zwei Abschnitten der britischen Küste wird das den Berechnungen zufolge wahrscheinlich dazu führen, dass die Felsformationen im Jahr 2100 um mindestens 10 bis 22 Meter zurückgewichen sein werden – mit dramatischen Folgen für Menschen und Infrastruktur. «Weltweit sind Küsten das Zuhause von Hunderten Millionen Menschen und es gibt dort Infrastruktur wie Wohngebäude, Unternehmen, Kernkraftwerke, Verkehrsverbindungen und Landwirtschaft im Wert von Hunderten Milliarden US-Dollar», teilte das Imperial College mit. Eine vergleichbare Erosion von Felsenküsten habe es seit 3000 bis 5000 Jahren nicht mehr gegeben.

Die Studie ist nach Angeben der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine der ersten, die sich mit dem Rückgang felsiger Küstenabschnitte beschäftigt. Bislang seien vor allem die Folgen an Sandküsten untersucht worden.

Für ihre Studie berechneten die Wissenschaftler den Rückgang zweier Felsenküsten-Abschnitte in den Grafschaften Devon und Yorkshire anhand des erwarteten Anstiegs des Meeresspiegels in verschiedenen Szenarios je nach Ausmaß der Erderwärmung. Die Daten verglichen sie mit den Erkenntnissen aus der Erforschung der Küstenverläufe in den vergangenen 8000 Jahren. Anhand dieser Daten hatten sie zuvor auch einen klaren Zusammenhang zwischen dem Anstieg des Meeresspiegels und der Erosion von Felsenküsten nachgewiesen.

Ergebnisse sind auf andere Erdteile übertragbar

Die Ergebnisse der Studie lassen sich nach Angaben der Autoren auf die ganze Welt übertragen, weil die an den untersuchten Küsten vorkommenden Gesteinsarten weltweit häufig anzutreffen sind. Die Erosion von Felsenküsten wird vor allem durch Wellen verursacht, deren Höhe und Stärke mit steigendem Meeresspiegel nach Angaben der Wissenschaftler zunehmen dürfte. Der durchschnittliche globale Meeresspiegel werde bis zum Jahr 2100 voraussichtlich um mehr als einen Meter steigen, wenn die Treibhausgas-Emissionen nicht reduziert werden.

Angesichts der zu erwartenden Folgen richten die Forscher einen Appell an die Politik, den Anstieg des Meeresspiegels zu begrenzen. «Die Menschheit kann das Schicksal unserer Küsten direkt kontrollieren, indem sie den Ausstoß von Treibhausgasen reduziert – die Zukunft unserer Küsten liegt in unseren Händen», sagte Dylan Rood, einer der Autoren der Studie.

dpa