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Ursachen der Umweltkatastrophe in der Oder weiter unklar

Noch immer suchen Experten nach der Ursache für das Fischsterben in der Oder. Experten in Brandenburg stellten mittlerweile überhöhte Pestizid-Werte fest. Ist es deshalb zu der Umweltkatastrophe gekommen?

Ein toter Blei im flachen Wasser vom deutsch-polnischen Grenzfluss Oder.
Foto: Patrick Pleul/dpa

Anderthalb Wochen nach Bekanntwerden des Fischsterbens in der Oder wird das Ausmaß der Umweltkatastrophe immer deutlicher. Die Feuerwehr in Polen barg nach Angaben vom Samstag bislang fast 160 Tonnen toter Fische aus der Oder und einem kleineren Fluss.

In Brandenburg waren es nach einer früheren Mitteilung des Umweltministeriums mindestens 36 Tonnen. Bei der Suche nach der Ursache haben die Behörden überhöhte Pestizid-Werte gewiesen. Weshalb die Fische verendeten, ist aber noch unklar.

Etwas Hoffnung macht derweil die Äußerung des Gebietschefs der Woiwodschaft Westpommern, Zbiegniew Bogucki. Demnach seien wieder lebende Fische zu sehen. «Dort, wo wir vor ein paar Tagen tonnenweise tote Fische geborgen haben, sind jetzt lebende Fische aufgetaucht», schrieb Bogucki am Samstag auf Twitter. Aufgrund von Sauerstoffmangel im Wasser seien aber viele Fische kurz vor dem Ersticken und würden nahe der Oberfläche schwimmen. Dazu postete der Politiker ein Video, in dem dies zu sehen war. Er habe sich nun an die örtliche Feuerwehr gewandt, damit diese versuche, das Wasser mit Pumpen zu belüften, schrieb Bogucki in einem weiteren Tweet.

Es könnte mehrere Ursachen geben

Bei Proben, die an der Messstelle Frankfurt (Oder) in der Zeit vom 7. bis 9. August entnommen wurden, seien hohe Konzentrationen eines Pestizids mit dem Wirkstoff 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure gefunden worden, teilte Brandenburgs Umweltministerium mit. Es sei aber davon auszugehen, dass die nachgewiesene Dosis nicht unmittelbar tödlich für Fische gewesen sei. Der Wirkstoff wird etwa zur Bekämpfung von Unkraut eingesetzt. Der «Tagesspiegel» berichtete zuerst darüber.

Das Ministerium geht weiter davon aus, dass die Umweltkatastrophe mehrere Ursachen gehabt habe. Die überhöhte Konzentration des Pestizids über mehrere Tage habe sicherlich Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen gehabt. Möglicherweise sei das Pestizid am Oberlauf der Oder in noch höheren Konzentrationen vorhanden und am Messpunkt Frankfurt (Oder) bereits stark verdünnt gewesen.

Das massenhafte Fischsterben im Grenzfluss Oder wurde auf deutscher Seite am 9. August bekannt. Die Behörden in Deutschland warfen Polen zuletzt vor, zu spät informiert zu haben. Helfer in beiden Ländern haben in den vergangenen Tagen tonnenweise verendeten Fisch geborgen. Die Suche nach der Ursache gestaltet sich schwierig. Wissenschaftlern zufolge könnte eine giftige Algenart ein Faktor für das Fischsterben sein. Darüber hinaus werden verschiedene andere Stoffe untersucht.

Bürgerinitiative will aktiv werden

Wie eine Sprecherin der Feuerwehr-Hauptverwaltung in Polen am Samstag der Deutschen Presse-Agentur sagte, sind insgesamt 158 Tonnen Fisch eingesammelt worden. Der Großteil entfalle dabei auf die Oder. Bei dem kleinen Fluss, in dem ebenfalls tote Tiere entdeckt wurden handelt es sich um den Ner, der bei Lodz entspringt und in die Warthe mündet. Er hat keine Verbindung zur Oder. In Polen wurden nach Angaben des Innenministeriums in Warschau zur Bergung der toten Fische mehr als 3000 Feuerwehrleute, mehr als 2000 Polizisten sowie 1300 Soldaten eingesetzt.

Zur Verbrennung angemeldet wurden laut Brandenburger Umweltministerium bis zum vergangenen Donnerstag sogar 67 Tonnen Fischabfälle. Diese Angaben machte Sprecherin Frauke Zelt am Samstag auf Anfrage. Die Zahl bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass bereits so viele Fische eingesammelt wurden.

Mecklenburg-Vorpommern hatte am Freitag mitgeteilt, dass bei Untersuchungen von Proben im deutschen Teil des Stettiner Haffs, in das die Oder mündet, keine Auffälligkeiten festgestellt worden seien.

Indes will in Brandenburg eine neue Bürgerinitiative auf das Fischsterben aufmerksam machen. Am Samstagabend werde der Fluss am Ufer des Dorfes Kienitz als Warnzeichen mit Scheinwerfern rot angestrahlt, sagte Sprecherin Steffi Bartel. «Wir wollen den Menschen an der Oder damit auch ein Forum geben, ihre Ängste und Sorgen angesichts dieser Umweltkatastrophe auszusprechen.» Für den 4. September rief die Initiative zu einer Menschenkette an der Oder auf.

dpa