40 Jahre nach der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl untersucht das Bundesamt für Strahlenschutz, wie stark Deutschland noch von der Strahlung betroffen ist. Welche Risiken bestehen heute für die Bevölkerung und Lebensmittel?
Vier Jahrzehnte nach Tschernobyl: Aktuelle Strahlensituation in Deutschland

Der Reaktorunfall von Tschernobyl gilt als die schwerste Nuklearkatastrophe in der Geschichte. Die Auswirkungen der Katastrophe, die sich am 26. April 1986 ereignete, sind bis heute in Europa spürbar. Doch wie viel radioaktive Strahlung ist in Deutschland 40 Jahre nach dem Unglück noch nachweisbar? Im Folgenden werden die wichtigsten Informationen zusammengefasst.
Die Unsicherheit und die Angst vor einer möglichen Strahlenbelastung sind nach wie vor groß. Der Reaktorunfall von Tschernobyl hatte auch in Deutschland weitreichende Folgen. Fragen zur Strahlenbelastung und zur Sicherheit von Lebensmitteln stehen im Fokus der Untersuchungen des Radioökologie-Labors des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS).
Was ist radioaktive Strahlung?
Radioaktive Strahlung entsteht, wenn Atomkerne zerfallen oder gespalten werden. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz gibt es drei Hauptarten von Strahlung: Alpha-, Beta- und Gammastrahlung. Martin Steiner, der Leiter des Fachgebiets Radioökologie beim BfS, erklärt, dass Gammastrahlung in der Lage ist, Haut und Kleidung zu durchdringen, während Alphastrahlung bereits von einem Blatt Papier oder wenigen Zentimetern Luft aufgehalten werden kann. Alpha- und Betastrahlung gelangen hauptsächlich über kontaminierte Lebensmittel in den menschlichen Körper. Alle drei Strahlungsarten können gesundheitsschädlich sein, wenn sie in den Organismus gelangen.
Wie gefährlich ist die Strahlungsbelastung in Deutschland?
Die zusätzliche Strahlenbelastung, die durch den Reaktorunfall verursacht wurde, ist in Deutschland laut Steiner gering. Es sind keine gesundheitlichen Auswirkungen zu befürchten. Die zusätzliche Strahlenbelastung seit 1986 entspricht etwa der natürlichen Strahlenbelastung, die ein Mensch in einem Jahr erfährt. Ein 80-jähriger Mensch, der in Deutschland lebt, hat insgesamt eine Strahlenbelastung erlebt, die 81 Jahren natürlicher Strahlung entspricht.
Verteilung der radioaktiven Stoffe in Deutschland
Nach dem Reaktorunfall gelangten verschiedene radioaktive Stoffe in die Atmosphäre, darunter Jod, Cäsium, Strontium und Plutonium. Heute ist in Deutschland vor allem Cäsium-137 von Bedeutung. Die Verteilung der Radioaktivität wurde maßgeblich durch Wetterbedingungen wie Wind und Niederschlag beeinflusst. Die radioaktiven Stoffe wurden vor allem im Süden Deutschlands, insbesondere im Bayerischen Wald, abgelagert. Dies führte dazu, dass in diesen Regionen höhere Strahlenwerte gemessen werden konnten.
Aktuelle Belastung landwirtschaftlicher Erzeugnisse
Einige radioaktive Stoffe, wie Jod-131, sind aufgrund ihrer kurzen Halbwertszeit nicht mehr relevant. Bei anderen Stoffen, wie Cäsium, ist die Situation komplexer. Cäsium, das durch Regen in den Boden gelangte, wird von bestimmten Tonmineralen im Boden gebunden, sodass Pflanzen es nur in geringem Maße aufnehmen. Im Wald hingegen können Pilze und Pflanzen Cäsium leichter aufnehmen, was zu einer Belastung von Wildtieren führt, die sich von diesen Organismen ernähren. Besonders Wildschweine sind betroffen, da sie eine spezielle Ernährungsweise haben.
Wie viele Wildschweine sind betroffen?
Die genaue Anzahl der Wildschweine mit hoher Strahlenbelastung ist schwer zu bestimmen. Das Bundesverwaltungsamt erstattet Jägern für Wild, das aufgrund von Strahlenwerten nicht verkauft werden darf. Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit 2927 Tiere erfasst, wobei der Großteil aus Bayern stammt.
Verzehr von Pilzen und Wild
Eva Kabai, die Leiterin des Radioökologie-Labors, betont, dass der Verzehr von Pilzen in der Regel unbedenklich ist, solange man nicht übermäßig belastete Exemplare konsumiert. Die erhöhte radioaktive Belastung ist meist nur in bestimmten selbst gesammelten oder erlegten Lebensmitteln zu finden. Lebensmittel, die im Supermarkt verkauft werden, unterliegen strengen Kontrollen und Grenzwerten für radioaktive Belastungen.
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