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Wie beeinflusste Rassismus die Gründung der USA im Kontext des Unabhängigkeitskriegs?

Michael Hochgeschwender beleuchtet im Interview die komplexen Gründungsprobleme der USA, darunter den Rassismus, der die Unabhängigkeitserklärung 1776 prägte. Er diskutiert auch die Mythifizierung der Gründerväter und die geschichtspolitische Agenda von Donald Trump.

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Experte Michael Hochgeschwender über den Unabhängigkeitskrieg 1776: Zu den Gründungsproblemen der USA gehört auch Rassismus
Bildquelle: Steven Abraham auf Unsplash

Die Frage nach der wahren Natur des Unabhängigkeitskriegs ist komplex und wird kontrovers diskutiert. Michael Hochgeschwender, Historiker am Amerika-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München, beleuchtet in einem Interview die vielschichtigen Aspekte dieser Revolution, die am 4. Juli 1776 mit der Unabhängigkeitserklärung von 13 nordamerikanischen Kolonien von Großbritannien ihren Höhepunkt fand. Der Unabhängigkeitskrieg, der bereits seit über einem Jahr im Gange war, wird von Hochgeschwender als ein Kampf auf mehreren Ebenen beschrieben, der nicht nur politische, sondern auch soziale und ideologische Dimensionen umfasst.

Die Revolution im Kontext

Die Unabhängigkeitserklärung, die vor 250 Jahren unterzeichnet wurde, war das Resultat eines langwierigen Konflikts. Hochgeschwender erklärt, dass die Revolution nicht nur als politischer Aufstand gegen das britische Mutterland zu verstehen ist, sondern auch als eine tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzung. „Es gab eine soziale Revolution durch die Enteignung von Loyalisten, die auf Seiten der Krone standen“, so der Historiker.

Mythos und Realität der Gründerväter

Ein zentrales Thema in Hochgeschwenders Analyse ist die Mythifizierung der Gründerväter. Diese Figuren werden oft als einheitlich und heroisch dargestellt, während in Wirklichkeit erhebliche Differenzen und Konflikte zwischen ihnen bestanden. „John Adams und Thomas Jefferson konnten sich beispielsweise überhaupt nicht leiden“, erklärt Hochgeschwender. Diese Verzerrung der Geschichte führt dazu, dass wichtige Aspekte wie Rassismus und soziale Ungleichheit ausgeblendet werden.

Trump und die Geschichtsdarstellung

Ein weiterer Aspekt, den Hochgeschwender anspricht, ist die Geschichtsauffassung von Donald Trump. Der ehemalige Präsident habe versucht, ein „rosarot gefärbtes, prorevolutionäres Narrativ“ zu propagieren, das eine unkritische Sicht auf die amerikanische Geschichte fördert. „Es ist ein extrem wissenschaftsfeindliches, anti-intellektualistisches, anti-historisches Geschichtsverständnis“, so Hochgeschwender.

Die Rolle der Sklaverei und der Indigenen

Die Sklaverei und die Behandlung der indigenen Bevölkerung sind weitere zentrale Themen, die Hochgeschwender in seinem Werk behandelt. Er betont, dass die Revolution nicht alle Menschen in den USA gleichberechtigt machte. „Aus dem Freiheitsbegriff werden Sklaven ausgeschlossen, beim Gleichheitsbegriff Frauen“, sagt er. Diese Ausgrenzung ist ein grundlegendes Problem, das bis heute in der amerikanischen Gesellschaft nachwirkt.

Fazit: Eine unvollendete Nation

Hochgeschwender beschreibt die USA als „unvollendete Nation“, in der viele der Konflikte, die zur Gründung führten, bis heute bestehen. „Ein Land, in dem 80 Jahre nach der Unabhängigkeit ein Bürgerkrieg ausbricht, hat offensichtlich interne Probleme“, so der Historiker. Die wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten, die damals existierten, sind auch heute noch relevant und prägen die amerikanische Identität.

Mit Michael Hochgeschwender sprach Markus Lippold.


Quellen: n-tv

Bildquelle: Bildquelle: Steven Abraham auf Unsplash

TS