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Wie reagieren Reisende auf die anhaltenden Streiks bei Lufthansa?

Nach wochenlangen Streiks der Lufthansa-Piloten und -Flugbegleiter sind die Reisenden frustriert. Stornierte Flüge und überlastete Hotlines führen zu hitzigen Diskussionen über die Verhältnismäßigkeit der Arbeitskämpfe.

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Julian Herzog (Website) via Wikimedia Commons (CC BY 4.0)

In den letzten Tagen haben zahlreiche Streiks bei Lufthansa für erhebliche Unruhe gesorgt. Annullierte Flüge, überlastete Hotlines und geplatzte Reisepläne haben den Frust der Passagiere zum Überlaufen gebracht. In Online-Foren äußern sich viele Reisende über ihre negativen Erfahrungen, während die Stimmung gegen die Airline zunehmend kippt.

Ein Nutzer mit dem Namen PradeYT beschreibt seine Verärgerung: „Stell dir vor, du arbeitest hart in einem Beruf, in dem man nicht streiken darf. Dann fliegst du extra Freitag zurück, damit du rechtzeitig da bist. Freitag fällt dein Flug aus, weil eine kleine privilegierte Gruppe den Hals nicht voll bekommt.“ Er kritisiert, dass auch an anderen Tagen keine Flüge stattfinden, da die Streiks andauern. „Möge Lufthansa das mal vor Gericht kippen. Verhältnismäßig ist hier ja nichts mehr,“ fügt er hinzu.

Streiks der Pilotengewerkschaften sorgen für Chaos

Die Streiks der Pilotengewerkschaft Cockpit und der Flugbegleitergewerkschaft Ufo haben nicht nur im Forum Travel Dealz für Aufregung gesorgt. Bereits am vergangenen Freitag legten die Flugbegleiter die Arbeit nieder, gefolgt von den Piloten am Montag und Dienstag. Am Mittwoch und Donnerstag sind erneut die Flugbegleiter im Streik. Damit wird die größte deutsche Airline fünf Tage am Stück bestreikt.

Die Streiks fallen zudem mit dem 100. Geburtstag der Lufthansa zusammen, was die Situation noch prekärer macht. Das Management hatte ursprünglich eine Feier im Beisein von Bundeskanzler Friedrich Merz geplant, doch nun sind auch Demonstrationen der streikenden Mitarbeiter angekündigt, was zu Hunderten von ausgefallenen Flügen, insbesondere in Frankfurt und München, führt.

Hintergründe der Streiks und Forderungen der Gewerkschaften

Die Gewerkschaften und das Management verhandeln seit Monaten über einen neuen Manteltarifvertrag. Die Piloten fordern höhere Betriebsrenten, während die Flugbegleiter vor allem einen besseren Kündigungsschutz anstreben. Hintergrund dieser Forderungen ist die Tatsache, dass Lufthansa zunehmend Flugzeuge in Tochtergesellschaften wie City Airlines oder Discover einsetzt, wo die Bedingungen günstiger sind. „Flugzeuge fliegen da, bei den Gesellschaften, wo sie profitabel fliegen können,“ erklärte Lufthansa-Personalchef Michael Niggemann. Die Gewerkschaft hingegen bemängelt, dass die Lufthansa kein tragfähiges Angebot vorgelegt habe und die Wertschätzung für das Personal zu wünschen übrig lasse.

Passagiere zeigen wenig Verständnis für die Streiks

Die Reaktionen der Passagiere auf die Streiks sind überwiegend negativ. Insbesondere Vielflieger äußern sich in Online-Foren über die Auswirkungen auf ihre Reiseplanung. Ein Nutzer im Forum Vielflieger Treff berichtet: „Das zweite Mal diese Woche annulliert. Auf der Hotline kein Durchkommen. Die Plätze in der Warteschleife werden nicht wirklich weniger.“ Auf Travel Dealz finden sich Kommentare wie: „Klar, jeder ist da ein Stück weit seines Glückes Schmied, aber ich finde diese Streikerei schamlos,“ und „Wenn man vor lauter Streiks die Forderungen nicht mehr sieht, stimmt was nicht.“

Öffentliche Diskussion über das Streikrecht

Auch in sozialen Netzwerken wie LinkedIn und Facebook äußern viele ihren Unmut. Ein Nutzer schreibt: „Ich habe Verständnis für Arbeitskämpfe – Pfleger, Kindergärtner und andere grottig bezahlte Berufsstände. Aber bei den Lufthansa-Piloten entsteht für mich allmählich der Eindruck, dass hier eine durchaus privilegierte Klientel den Hals nicht voll kriegt. Wann werden die jemals genug haben?“ Ein anderer fragt: „Wer ist heute betroffen, und steigt Euer Blutdruck oder nehmt Ihr es gelassen?“ Während einige sachliche Argumente vorbringen, gibt es auch sexistische Kommentare über Flugbegleiterinnen.

Die Verhandlungen scheinen festgefahren

Die Fronten zwischen den Parteien sind verhärtet, und eine baldige Einigung scheint unwahrscheinlich. Der Flughafenverband ADV plädiert für eine Einschränkung des Streikrechts. „Das Streikrecht ist verfassungsrechtlich geschützt – aber es ist kein schrankenloses Recht,“ erklärte ADV-Geschäftsführer Ralph Beisel. Er fordert gesetzliche Leitplanken, die die Interessen der Allgemeinheit stärker berücksichtigen. Die Bundesregierung sei gefordert, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Tarifautonomie und Gemeinwohl sicherzustellen.

Reaktionen des Lufthansa-Managements

Lufthansa-Chef Carsten Spohr zeigt sich unbeeindruckt von den Streiks. „Lieber einige Tage mit einem streikbedingt reduzierten Angebot der Lufthansa-Gruppe als irgendwann dauerhaft mit einer deutlich reduzierten Kernmarke,“ sagte Spohr in einem Interview. Diese Aussage lässt darauf schließen, dass eine schnelle Lösung nicht in Sicht ist.

In der aktuellen Situation versuchen einige Anbieter von Charter-Jets, von der Unzufriedenheit der Passagiere zu profitieren und bewerben ihre Dienste in sozialen Medien. Die Preise pro Stunde liegen im Bereich von mehreren Tausend Euro. Ob der Frust der Reisenden tatsächlich zu einem Umstieg auf Charter-Jets führt, bleibt abzuwarten.

Bildquelle: Julian Herzog (Website) via Wikimedia Commons (CC BY 4.0)

TS