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50 Jahre geteilt: Für Zypern ist keine Lösung in Sicht

Ankara präsentiert Kriegsschiffe im Norden der Insel, Athen setzt auf Zurückhaltung. Und der EU-Staat Zypern? Er bleibt auch am 50. Jahrestag der Teilung ohne Hoffnung auf ein versöhnliches Ende.

Keine vereinte Insel - Ankara will Zwei-Staaten-Lösung auf Zypern
Foto: Petros Karadjias/AP/dpa

Am 50. Jahrestag der Teilung Zyperns könnten die Signale der beiden Inselteile nicht unterschiedlicher sein: Während der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und die – nur von der Türkei anerkannte – Türkische Republik Nordzypern (KKTC) mit dem Aufmarsch türkischer Kriegsschiffe und Hubschrauber den Tag der türkischen Intervention vor 50 Jahren feiern, begeht der Süden der Insel das Datum als Tag der Trauer über die Teilung. Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht.

Die Türkei lehnt eine föderale Staatslösung in Zypern ab, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan im türkisch kontrollierten Norden der geteilten Insel: «Wir glauben, dass eine föderale Lösung nicht möglich ist.» Diese aber verfechten sowohl die Vereinten Nationen als auch die EU, die zyprische Regierung im Süden der Insel und Griechenland. Der griechisch-zyprische Präsident der Republik Zypern, Nikos Christodoulidis, hingegen wies die wiederholt erhobenen türkischen Forderungen nach einer Zwei-Staaten-Lösung zurück.

Die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der türkischen Intervention nach einem Militärputsch griechischer und griechisch-zyprischer Offiziere wurden im Norden Zyperns von einer Militärparade begleitet. Laut der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu nahmen 50 Schiffe, Kampfflieger und bewaffnete Drohnen vom türkischen Festland teil.

Erdogans Äußerungen zu seinem Wunsch nach zwei souveränen Staaten kamen kurz nach einem Aufruf des griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis, der vielmehr für ein vereintes Zypern plädierte. «Es ist ein halbes Jahrhundert seit der nationalen Tragödie Zyperns vergangen. Wir fordern einen europäischen Staat, vereint, auf der Grundlage von UN-Resolutionen. Keine ausländische Besatzungsarmee», schrieb Mitsotakis auf der Plattform X. Sein Besuch in Nikosia am Samstag soll nach Angaben aus griechischen Regierungskreisen äußerst zurückhaltend und erst am Abend erfolgen.

Erdogan erklärte unterdessen, Ankara sei «bereit, zu verhandeln und einen dauerhaften Frieden und eine Lösung in Zypern zu schaffen». Er warf der Gegenseite jedoch vor, die türkischen Zyprer zu diskriminieren, nicht zuletzt, weil sie nicht an den Energieressourcen der Insel teilhaben dürften. Die Nutzung und Aufteilung von Erdgasvorkommen in der östlichen Ägäis sind ein ständiger Streitpunkt zwischen der Türkei, Griechenland und auch Zypern.

Der Beginn der Teilung

Im Jahr 1974 versuchten nationalistische griechische Zyprer und die damalige Diktatur in Athen, die Insel Zypern mit Griechenland zu vereinen, was zu einem Militärputsch auf Zypern führte. Die Türkei griff militärisch ein, um die Vereinigung zu verhindern, was rechtlich gerechtfertigt war, da sie neben Griechenland und Großbritannien als Garantiemacht der Insel agierte, um die demokratische Verfassung zu schützen. Trotz der Wiederherstellung der Demokratie zog Ankara seine Truppen nicht von Zypern ab.

Seitdem ist die Insel geteilt. Im Jahr 1983 wurde die Türkische Republik Nordzypern (KKTC) proklamiert, die seitdem weltweit nur von der Türkei anerkannt wird. 2004 nahm dann die EU die Insel Zypern auf Drängen Griechenlands als Ganzes in die EU auf. De jure ist die gesamte Insel seither EU-Mitglied, das EU-Recht wird jedoch nur im Südteil angewendet.

dpa