Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Deutschland verhandelt mit Usbekistan über Abschiebungen von Afghanen

Das Bundesinnenministerium plant, afghanische Abschiebekandidaten über Usbekistan nach Kabul zu bringen. Das Auswärtige Amt begleitet die Gespräche kritisch aus Sorge vor möglichen Repressalien.

«Schwerstkriminelle und terroristische Gefährder haben hier nichts verloren.»
Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Das Bundesinnenministerium verhandelt nach einem «Spiegel»-Bericht mit Usbekistan über Abschiebungen von Afghanen aus Deutschland ohne direkte Absprachen mit den Taliban.

Dazu sei in der letzten Mai-Woche eine Delegation aus dem Haus von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) in die usbekische Hauptstadt Taschkent gereist, berichtete das Nachrichtenmagazin weiter. Die Delegation schlug der usbekischen Regierung demnach vor, afghanische Abschiebekandidaten nach Taschkent zu bringen. Von dort sollten sie mit der privaten Fluggesellschaft «KamAir» weiter nach Kabul transportiert werden. Nach dpa-Informationen war zuletzt überlegt worden, für den Flug von Deutschland nach Usbekistan eine Charter-Gesellschaft mit Sitz in Rumänien anzuheuern.

Usbekische Regierung verlangt formelles Migrationsabkommen

Laut dem Bericht hat die usbekische Regierung signalisiert, dass sie bei Abschiebungen helfen könnte. Bevor es jedoch zu einem Deal über Abschiebungen kommt, möchte sie ein formelles Migrationsabkommen mit Deutschland unterzeichnen, das die Einreise von usbekischen Fachkräften regeln soll. Joachim Stamp (FDP), der Sonderbeauftragte der Bundesregierung für Migrationsabkommen, wird nächste Woche nach Usbekistan reisen, um Gespräche über ein solches Abkommen zu führen.

Als Konsequenz aus der tödlichen Messerattacke von Mannheim hatte Bundeskanzler Olaf Scholz angekündigt, die Abschiebung von Schwerstkriminellen nach Afghanistan und Syrien wieder zu ermöglichen. «Solche Straftäter gehören abgeschoben – auch wenn sie aus Syrien und Afghanistan stammen», sagte der SPD-Politiker im Bundestag. Und: «Schwerstkriminelle und terroristische Gefährder haben hier nichts verloren.» Das Bundesinnenministerium arbeite an der praktischen Umsetzung und sei bereits mit den Nachbarländern Afghanistans im Gespräch, sagte er. Deutschland hatte die Abschiebungen nach Afghanistan kurz vor der Machtübernahme der Taliban im Sommer 2021 komplett gestoppt.

Der «Spiegel» berichtete, das Auswärtige Amt, das die Gespräche durch den deutschen Botschafter Tilo Klinner begleite, sehe die Abschiebungen von Afghanen weiterhin kritisch, auch wenn sie über ein Nachbarland erfolgen solle. Hintergrund seien Befürchtungen, dass den Abgeschobenen in ihrem Heimatstaat Repressalien drohten.

dpa