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Abwanderung junger Menschen aus dem Osten hält an

Auch 2023 sind mehr junge Menschen aus den ostdeutschen Bundesländern in den Westen gezogen als umgekehrt. Was bedeutet das für die Altersstruktur? Und wie steht es um die Zuwanderung aus dem Ausland?

Noch immer wandern junge Menschen aus dem Osten ab
Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

Die Migration junger Menschen aus den ostdeutschen Bundesländern setzt sich fort. Im letzten Jahr zogen erneut mehr 18- bis 29-Jährige in den Westen als umgekehrt – konkret waren es netto 7.100 Personen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden zum Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) bekannt gab. Berlin wurde in den Berechnungen nicht berücksichtigt.

«Damit setzte sich der seit 1991 bestehende, kontinuierliche Wanderungsverlust Ostdeutschlands gegenüber dem Westen in dieser Altersgruppe auch 2023 fort», hieß es. Dieser dürfte auch auf die Abwanderung zum Studium oder zur beruflichen Ausbildung zurückzuführen sein. Laut den Daten sind seit 1991 insgesamt netto 727.000 zu dem Zeitpunkt 18- bis 29-Jährige aus den ostdeutschen Ländern in den Westen abgewandert.

Weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter im Osten (ohne Berlin)

Die langjährige Entwicklung hat dazu geführt, dass der Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung im Osten niedriger ist. Gemäß dem Zensus 2022 waren in den ostdeutschen Ländern (ohne Berlin) 57,5 Prozent der Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 64 Jahren. Im Vergleich dazu lag der Anteil in den westdeutschen Ländern bei 61,6 Prozent. Sachsen hatte den geringsten Anteil an erwerbsfähigen Menschen mit etwa 57 Prozent, während Berlin den höchsten Anteil mit rund 64 Prozent hatte. Des Weiteren befinden sich die zehn Kreise mit dem niedrigsten Anteil an 18- bis 64-Jährigen alle im Osten. Das Schlusslicht bildet Dessau-Roßlau mit 53,4 Prozent.

Die Wanderbewegungen zwischen Ost und West waren in den letzten zehn Jahren über alle Altersgruppen hinweg deutlich ausgeglichener. Im vergangenen Jahr sind erstmals seit 2016 insgesamt mehr Menschen aus den ostdeutschen in die westdeutschen Länder abgewandert als umgekehrt. Der Wanderungsverlust betrug jedoch nur 3.000 Personen, was vergleichsweise gering ist. Zuvor gab es nach Jahrzehnten teils starker Abwanderung ab 2017 einen leicht positiven Binnenwanderungssaldo in den ostdeutschen Ländern insgesamt.

Auffällig sind dabei aber auch die Unterschiede bei den Bundesländern: «Während bei Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen in den vergangenen Jahren ein positiver Binnenwanderungssaldo zu verzeichnen war, sind Thüringen und Sachsen-Anhalt seit 1991 durchgängig von einer Nettoabwanderung in die westdeutschen Länder betroffen», hieß es.

Nettozuwanderung aus dem Ausland pro Kopf in Brandenburg am niedrigsten 

Die Statistiker haben auch die Nettozuwanderung aus dem Ausland betrachtet. Die Stadtstaaten Bremen (140 Personen), Berlin (131) und Hamburg (116) verzeichneten den höchsten Wert je 10.000 Einwohner. Brandenburg wies die niedrigste Nettozuwanderung aus dem Ausland auf, mit 63 Personen je 10.000 Einwohner, gefolgt von Bayern (69) und Nordrhein-Westfalen (70).

Gemäß dem Mikrozensus 2023 hatten in den westdeutschen Ländern (ohne Berlin) 27,6 Prozent der Bevölkerung eine Einwanderungsgeschichte. In den ostdeutschen Ländern (ohne Berlin) war der Anteil mit 9,7 Prozent weniger als halb so hoch. Der Anteil von Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Berlin betrug 33,6 Prozent.

dpa