Die AfD stellt erstmals einen Oberbürgermeister – im sächsischen Pirna. Die Parteiführung sieht darin eine Steilvorlage für die im kommenden Jahr anstehenden Wahlen.
AfD-Kandidat gewinnt OB-Wahl – Parteiführung schaut auf 2024

Nach dem Sieg ihres Kandidaten bei der Oberbürgermeisterwahl in Pirna geht die AfD selbstbewusst in das Wahljahr 2024. «Wir wollen hier in Sachsen gewinnen, wir wollen deutlich gewinnen, wir wollen an die 40 Prozent rankommen. Das ist eine Steilvorlage für unsere Partei für das nächste Jahr», sagte der sächsische AfD-Chef Jörg Urban der Deutschen Presse-Agentur. Die AfD habe gezeigt, «dass es geht», dass sie mit einem deutlichen Vorsprung auch gegen die CDU und die Freien Wähler gewinnen könne.
Im Jahr 2024 wird in Sachsen ein neuer Landtag gewählt. Vorher, im Juni, finden Kommunalwahlen und Europawahlen statt. Derzeit regiert in Sachsen eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD unter der Führung von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Laut einer Umfrage Anfang Dezember in Sachsen lag die AfD mit 33 Prozent gleichauf mit der CDU.
Am Sonntag gewann erstmals ein Kandidat der AfD eine Oberbürgermeisterwahl in Deutschland, nämlich Tim Lochner. Der 53-jährige Tischlermeister und Restaurator setzte sich im zweiten Wahlgang gegen Kontrahenten von CDU und Freien Wählern durch. Obwohl Lochner parteilos ist, trat er für die AfD an. Laut vorläufigem Ergebnis der Stadtverwaltung erhielt er 38,5 Prozent der Stimmen. Dahinter folgen Kathrin Dollinger-Knuth (CDU) mit 31,4 Prozent und der parteilose Ralf Thiele mit 30,1 Prozent, der für die Freien Wähler angetreten war. Die Wahlbeteiligung betrug 53,8 Prozent.
AfD-Kandidaten haben bereits mehrere Ämter geholt
AfD-Bundeschefin Alice Weidel schrieb auf der Plattform X (früher Twitter): «Gratulation nach Pirna!» AfD-Kandidat Tim Lochner wurde dort mit großem Abstand zu seinen Konkurrenten zum ersten AfD-Oberbürgermeister gewählt. Danke an die vielen Wähler, die dieses für die AfD historische Ergebnis möglich gemacht haben!»
Weidel über X
Die unterlegene Kandidatin Dollinger-Knuth war im zweiten Wahlgang auch von SPD, Grünen und Linken unterstützt worden. «Obwohl wir fast alle Kräfte hinter unserem politischen Angebot versammelt haben, hat sich der Wähler anders entschieden. Leider haben sich die Freien Wähler entschlossen, allein weiterzumachen und damit den Weg für einen AfD-Erfolg geebnet», sagte sie. Beides gelte es zu akzeptieren.
Vor Pirna hatten bereits zwei wichtige kommunalpolitische Ämter in Deutschland AfD-Kandidaten gewonnen. Im Juni gewann die AfD zum ersten Mal eine Landratswahl – mit Robert Sesselmann im Landkreis Sonneberg in Thüringen. Im August wurde Hannes Loth bundesweit der erste Bürgermeister einer deutschen Gemeinde – in Raguhn-Jeßnitz (Sachsen-Anhalt). Das Landesamt für Verfassungsschutz hatte kürzlich die sächsische AfD als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Die Frage, ob er damit ein Problem habe, für die Partei in das Rathaus zu ziehen, verneinte Lochner auch am Sonntagabend.








